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Alpine Ski-WM : Unendlich glücklich

Strahlende Siegerin: Maria Höfl-Riesch fährt vom vierten noch auf den ersten Rang vor Bild: dpa

WM-Gold für Deutschland: Aufgrund einer starken Leistung im Slalom gewinnt Maria Hölf-Riesch die Super-Kombination bei der Ski-WM in Schladming. Nach der Abfahrt hatte sie noch auf Rang vier gelegen. Silber geht an die Favoritin Tina Maze.

          Auf einmal passte alles. Morgens stand die Sonne über Schladming, zum ersten Mal seit Beginn der Ski-WM, und in der klaren Nacht davor war die Abfahrtsstrecke hart durchgefroren. Schnelle Piste, gute Sicht - es waren Verhältnisse, wie sie Maria Höfl-Riesch liebt, als es am Freitagmorgen auf der Planai um WM-Gold in der Super-Kombination ging. Und die zweimalige Olympiasiegerin nutzte sie. Als Viertschnellste nach der Abfahrt ging Maria Höfl-Riesch in den entscheidenden Slalom-Durchgang und spielte dort die Routine aus, die sie sich in fast zehn Jahren Weltspitze im Skisport erarbeitet hat.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Im oberen Teil zeigte sie eine kontrollierte, taktisch clevere Fahrt, unten im Flachstück machte sie Tempo und holte so die knapp fünf Zehntelsekunden heraus, die sie am Ende vor der Slowenin Tina Maze lag. Mit dem zweiten WM-Titel nach Slalom-Gold 2009 war Maria Höfl-Riesch aus dem Häuschen. „Das ist Wahnsinn, Wahnsinn“, sagte sie. Die letzten Wochen seien nicht einfach gewesen, nach einer Reihe durchwachsener Resultate und enttäuschender Ausfälle „hat das letzte Selbstvertrauen gefehlt“, so die 28 Jahre alte Partenkirchnerin.

          Entscheidend war, dass sie im Finale die Nerven behielt. „Ich wusste, das war meine beste Chance auf eine Medaille“, sagte sie, „aber ich bin trotzdem locker geblieben“. Dabei hatte sie zuletzt schon mit dem Gedanken gespielt, mit einem Mentaltrainer zusammenzuarbeiten - auf Anregung ihres Ehemanns und Managers Marcus Höfl. „Ich habe in letzter Zeit manchmal an meinen mentalen Stärken gezweifelt“, sagte Maria Höfl-Riesch. „Es war keine perfekte Saison, es hat immer ein bisschen was gefehlt. Da habe ich mich schon gefragt: Was denn eigentlich? Man hat immer gesehen, dass ich schnell fahren kann, also muss es ja was im Kopf sein.“

          Sie entschied sich gegen den Mentalcoach - weil sie schon öfter schwierige Situationen bewältigt hatte, aus eigener Kraft, und weil sie „nicht mitten in der Saison was anfangen wollte, was ich bisher auch nicht gebraucht habe“. So war sie am Ende heilfroh, „dass das heute so gut funktioniert hat“.

          Es reichte doch

          Dabei hatte sie während des Slaloms noch das Gefühl gehabt: Das wird wohl nicht reichen gegen die zuletzt überragend fahrende Tina Maze. „Die Fahrt war okay, aber sicher nicht mit letzter Aggressivität“, sagte Maria Höfl-Riesch, „es war ein bisschen zu konservativ, aber da sind wohl die letzten zwei Ausfälle im Weltcup mitgefahren“. Es reichte doch - nicht zuletzt, weil auch Tina Maze der Druck, als Führende nach der Abfahrt in den Slalom zu gehen, zu schaffen machte. „Ich habe zu viel Respekt gehabt, der Slalom war nicht gut“, sagte die Super-G-Weltmeisterin. „Aber Silber ist trotzdem super.“ Bronze ging an Nicole Hosp - Österreichs erste Medaille bei der WM.

          Einer grandiosen Leistung im Slalom ging eine starke Abfahrt im ersten Durchgang voraus
          Einer grandiosen Leistung im Slalom ging eine starke Abfahrt im ersten Durchgang voraus : Bild: dpa

          Maria Höfl-Riesch war zwischen Abfahrt und Slalom noch zum Stangentraining an die benachbarte Reiteralm gefahren, um sich dort auf die kürzeren Slalomski einzustellen. „Das war perfekt“, sagte sie. Denn dort konnte sie sich in Ruhe einfahren, „ich hatte allein einen Lauf, bin mit dem Skidoo dreimal rauf, und fertig war ich“ - während die knapp 40 anderen Läuferinnen sich zwei Einfahrläufe teilen mussten.

          Den Grundstein zu Gold legte sie mit ihrer starken Abfahrtsleistung. Dort war sie bis zur letzten Zwischenzeit am schnellsten unterwegs, ehe sie im letzten Abschnitt noch rund eine halbe Sekunde verlor. „Mit der Fahrt in meinem oberen Teil bin ich sehr zufrieden“, sagte sie, „im unteren Teil habe ich die Einfahrt nicht wirklich gut erwischt“.

          Umstrittener Wettbewerb

          Trotzdem lag sie nach der Abfahrt nur zwei Zehntelsekunden hinter den zeitgleich Schnellsten Maze und Anna Fenninger (Österreich). Mit dieser Fahrt weckte sie auch Hoffnungen für die Spezial-Abfahrt am Sonntag - und das, obwohl sie in dieser Saison zuletzt nicht so recht in Schwung gekommen war in der schnellsten Disziplin. „Ich zähle jetzt wohl mehr zu den Favoritinnen als vor der WM“, sagte Maria Höfl-Riesch. Das nimmt sie freilich gelassen. „Ich habe mit Gold schon mein Ziel bei der WM erreicht. Jetzt kann ich locker drauflos fahren.“

          Da spielte es auch keine große Rolle mehr, dass die Super-Kombination im Weltcup-Zirkus oft zwiespältig gesehen wird. Vor der WM gab es im Weltcup für Frauen und Männer gerade mal je einen Wettbewerb, insgesamt stehen zwei im Kalender - weniger geht nicht, sonst droht der Rauswurf aus dem Programm der Olympischen Spiele. Also fordert Nicole Hosp eine Aufwertung der Super-Kombination durch mehr Wettbewerbe.

          Darauf aber sind nur wenige richtig scharf - die Attraktivität der Kombinationswettbewerbe hält sich in Grenzen, weil starke Allrounder im Weltcup inzwischen als aussterbende Art gelten. Zu weit haben sich Abfahrt und Slalom auseinander entwickelt, zu groß ist der Aufwand, überall vorne dabei sein. Maria Höfl-Riesch ist eine der wenigen, die die vielfältigen Anforderungen perfekt erfüllt, ähnlich wie Tina Maze. Am Freitag hat sie das wieder bewiesen. „Das“, sagte Maria Höfl-Riesch, „ist ein richtiger Befreiungsschlag. Ich bin unendlich glücklich.“

          Alpine Ski-WM in Schladming

          Super-Kombination der Damen
          Gold: Maria Höfl-Riesch (Partenkirchen) 2:39,92 Min. (Abfahrt 1:49,87 Min./Slalom 50,05 Sek.);
          Silber:  Tina Maze (Slowenien) 2:40,38 (1:49,67/50,71);
          Bronze: Nicole Hosp (Österreich) 2.40,92 (1:50,99/49,93);
          4. Michaela Kirchgasser (Österreich) 2:41,56 (1:51,36/50,20);
          5. Kathrin Zettel (Österreich) 2:41,71 (1:51,28/50,43);
          6. Elisabeth Görgl (Österreich) 2:42,24 (1:49,72/52,52);
          7. Sofia Goggia (Italien) 2:42,69 (1:50,07/52,62);
          8. Julia Mancuso (USA) 2:43,25 (1:51,60/51,65);
          9. Sara Hector (Schweden) 2:43,59 (1:52,20/51,39);
          10. Dominique Gisin (Schweiz) 2:43,60 (1:51,09/52,51); ...
          12. Veronique Hronek (Unterwössen) 2:43,89 (1:51,69/52,20)

          Quelle: FAZ.NET

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