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Alpine Ski-WM Papa Kostelic glaubt an Tochter Janica - und sie folgt ihm

06.02.2005 ·  Die Siegerin Jana Kostelic tat überrascht : "Damit hätte ich nie gerechnet, daß ich in der Abfahrt eine Medaille gewinnen würde." Dem Vater war es schon am Freitag klar, daß seine Tochter Titelkandidatein war.

Von Peter Penders
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Als alles so gekommen war, wie es sich angedeutet hatte, gab ausgerechnet die Siegerin vor, ziemlich überrascht zu sein: "Damit hätte ich nie gerechnet, daß ich in der Abfahrt eine Medaille gewinnen würde", sagte Janica Kostelic. Na, da hatte die ansonsten doch folgsame Tochter dem Vater und Trainer wohl nicht richtig zugehört. "Warum sollte Janica die Abfahrt nicht gewinnen?", hatte Ante Kostelic schon am Freitag gefragt, nachdem sein Sprößling den Kombinationstitel eindrucksvoll verteidigt hatte. Der war diesmal eine ganz simple Additionsaufgabe gewesen: Die Slalom-Weltmeisterin von 2003 schaffte nicht nur die Bestzeit im Slalom, sondern war auch die Schnellste in der Abfahrt gewesen. Und deshalb war nicht nur der Papa so optimistisch, daß es am Sonntag noch etwas viel Größeres zu feiern geben könnte.

Nun sind sie im Hause Kostelic durchaus an Siegesfeiern gewöhnt, diese aber war selbst für die dreifache Olympiasiegerin von 2002 eine ganz besondere. "Ich hätte nie gedacht, daß es wirklich passieren könnte", sagte sie noch einmal, als es längst geschehen war. Sie hatte ihr erstes Rennen in einer der schnellen Disziplinen gewonnen, und wie so oft hatte eine alpine Ski-Weltmeisterschaft damit eine Überraschung erlebt. Allerdings nur eine kleine, denn Janica Kostelic hatte Mitte Januar ihre Möglichkeiten in der Abfahrt mit einem zweiten Platz beim Weltcuprennen in Cortina d'Ampezzo mehr als nur angedeutet. Wie bei der Kombination kam sie am Sonntag auf der Schußstrecke abermals am schnellsten zur Sache und siegte in 1:39,90 Minuten vor der Italienerin Elena Fanchini (1:40,16) und Renate Götschl (1:40,29), die als Führende im Abfahrtsweltcup wenigstens noch Bronze rettete. "Ich bin nicht enttäuscht, ich bin immerhin die einzige der Favoritinnen, die hier überhaupt auf dem Podium steht", sagte die Österreicherin.

Hilde Gergs Serie

Zu den Geschlagenen, die nur zu gerne da oben stehen wollten und sich für einen Platz auf dem Podium berechtigterweise große Chancen ausgerechnet hatten, gehörte auch Hilde Gerg. Bei den sechs Weltcup-Abfahrten dieser Saison war sie nie schlechter als Fünfte gewesen, aber wie bei den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City (Vierte) und der WM 2003 (Platz zwanzig) war es auch bei ihrer letzten WM schiefgegangen. Einen großen Fehler habe sie bei ihrer Fahrt nicht erkennen können, aber schon unten im Ziel eines gewußt: "Das war's mit einer Abfahrtsmedaille bei einer Weltmeisterschaft, das reicht nie." Dabei war sie vorher doch fest vom Gegenteil überzeugt gewesen. Aber seit den Olympischen Spielen von Nagano 1998 ist sie bei Großereignissen mit Ausnahme der WM in St. Anton 2001 (Platz drei im Superriesenslalom) nicht mehr vom Glück verfolgt. In Japan wurde sie damals mit sechs Hundertstelsekunden Vorsprung Slalom-Olympiasiegerin. "Vielleicht muß ich für so viel Glück auch zurückbezahlen", sagte die 29 Jahre alte Lenggrieserin. Könnte schon sein, denn die Strecke in Santa Caterina trägt den Namen "Deborah Compagnoni" - und die Slalom-Zweite von Nagano heißt nicht zufällig genauso.

"Hilde ist gut gefahren, aber die anderen waren einfach schneller", sagte Cheftrainer Wolfgang Maier. Eine von den anderen hatte es auch Hilde Gerg angetan: "Janica Kostelic ist manche Passagen in der Hocke gefahren, wo ich es mir nicht hätte vorstellen können." Auch so kamen möglicherweise die 1,42 Sekunden Rückstand zusammen, die auf die Schnelle weder Maier noch seine Fahrerin sich erklären konnten. Verhindert hatte die couragierte Kroatin aber mit ihrer vor allem im unteren Streckenteil imponierenden Siegesfahrt eine der größten Überraschungen des alpinen Skisports. Die zweitplazierte Italienerin Elena Fanchini war nämlich nicht direkt mit einer imponierenden Empfehlung aus ihrer ersten Weltcupsaison in diese WM-Abfahrt gegangen: Jeweils Siebzehnte war sie bei den WM-Generalproben auf der Strecke in Santa Caterina im Januar geworden, danach lief in Cortina d'Ampezzo mit den Plätzen 43 und 39 nicht viel zusammen.

Für Marco Pantani

Nun aber lag die Neunzehnjährige aus Brescia nur 0,26 Sekunden hinter der Siegerin zurück, aber 13 Hundertstelsekunden vor Renate Götschl. Wer so jung und auch noch so plötzlich erfolgreich ist, dem kann danach ja auch schon mal etwas Unüberlegtes herausrutschen. "Ich widme diesen zweiten Platz Marco Pantani. Er war mein großes Idol, ich denke oft an ihn", sagte Elena Fanchini. Irgendwann nach dieser Weltmeisterschaft kann sie ja mal daran denken, daß der vor einem Jahr verstorbene Pantani als überführter Dopingsünder vielleicht nicht unbedingt als Vorbild taugt. Allerdings besteht die Gefahr, daß die Italiener das ganz anders sehen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07. 02. 2005, Nr. 31 / Seite 30
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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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