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Alpine Ski-WM : Lindsey Vonn erleidet Kreuzbandriss

Das bittere Ende: Lindsey Vonn auf dem Weg ins Krankenhaus Bild: AP

Lindsey Vonn hat sich zum Auftakt der Ski-WM schwer verletzt. Maria Höfl-Riesch fährt am Tor vorbei. Und Österreich bleibt ohne Medaillen. Tina Maze gewinnt den fragwürdigen Super-G in Schladming.

          Nebel, Verzögerungen und eine böse Verletzung - schlechter hätte die alpine Ski-Weltmeisterschaft in Schladming kaum beginnen können. Nach einem schwerer Sturz im Super-G der Damen musste die amerikanische Skirennläuferin Lindsey Vonn mit dem Helikopter ins Krankenhaus gebracht werden. Vonn hatte bei der Landung nach einem weiten Sprung verkantet, die Kontrolle über ihre Ski verloren und war vor Schmerzen schreiend auf der Piste liegen geblieben. Der amerikanische Skiverband bestätigte am Abend, dass Vonn sich Kreuzband und Innenband im rechten Knie gerissen habe. Damit sind nicht nur die Weltmeisterschaften, sondern die gesamte Saison für die viermalige Weltcupsiegerin beendet.

          Erste Weltmeisterin in Schladming wurde die Slowenin Tina Maze. Die Gesamtweltcupführende gewann das fragwürdige Rennen in 1:35,39 Minuten vor der Schweizerin Lara Gut (0,38 Sekunden zurück) und der Amerikanerin Julia Mancuso. Nach 36 Fahrerinnen wurde der Wettbewerb von Renndirektor Atle Skaardal wegen einbrechender Dunkelheit und einsetzendem Schneeregen abgebrochen. Gewertet wird der verpatzte Auftakt der vermeintlichen Ski-Festspiele aber dennoch.

          Unerschrocken auf der Piste, aber sehr erschrocken angesichts des Sturzes von Lindsey Vonn: Weltmeisterin Tina Maze Bilderstrecke

          Der Beginn der chaotischen WM-Ouvertüre war im Laufe des Tages wegen Nebels insgesamt 13 Mal verschoben worden, ehe es um 14.30 Uhr endlich los gehen konnte - dreieinhalb Stunden nach der anvisierten Startzeit. Mit dem verspäteten Auftakt waren nicht alle Beteiligten einverstanden. „Wenn man nicht garantieren kann, dass es für alle gleich ist, soll man es sein lassen“, sagte der deutsche Alpin-Direktor Wolfgang Maier: „Aber wir müssen uns der Jury beugen.“

          Keine Medaillen für Deutschland und Österreich

          Zum Zeitpunkt des Unfalls von Vonn war kein Nebel mehr in der Strecke - aber die Sicht schien diffus. Auch waren die Pistenbedingungen nicht optimal. Schon die Österreicherin Nicole Schmidhofer, als Nummer 1 ins Rennen gegangen, schilderte die Schneeverhältnisse als wechselhaft - von eisig bis butterweich. Sie belegte am Ende den elften Platz - zeitgleich mit ihrer Teamkollegin, Titelverteidigerin Elisabeth Görgl. Beste Österreicherin wurde Andrea Fischbacher als Neunte - ein Debakel für die ebenso ambitionierten wie ehrgeizigen WM-Gastgeber.

          Auch die deutschen Skirennfahrerinnen blieben ohne Medaille. Maria Höfl-Riesch musste nach der 15-minütigen Unterbrechung wegen Vonns Unfall ausgerechnet als nächste Läuferin an den Start gehen - und schied schon nach wenigen Sekunden wegen eines Leichtsinnsfehlers aus. Sauer schlug sie mit dem Stock in den Schnee, sagte aber später: „Ich bin jetzt erstmal froh, dass ich heil unten bin.“ Vonns Sturz habe sie zwar nicht gesehen, aber den Aufschrei der Augenzeugen gehört. Das komplett auszublenden, sei „natürlich schwierig.“

          Überraschend lag dann die spät gestartete Veronique Hronek mit der drittbesten Zwischenzeit auf Medaillenkurs, doch sie fuhr ebenfalls an einem Tor vorbei. Viktoria Rebensburg wurde immerhin Achte, zeigte sich dennoch enttäuscht und gab sich ein wenig ratlos: „Das war kein leichtes Rennen heute.“ Ohne Chance blieb Lena Dürr, die den 30. Platz belegte - und damit Letzte der Wertung wurde. Die 23 Läuferinnen ab Startnummer 37 durften erst gar nicht mehr antreten.

          Im Gegensatz zu vielen anderen Fahrerinnen hatte sich Tina Maze, der Medaillen in allen fünf Wettbewerben zugetraut werden, unbeeindruckt von der Warterei und unerschrocken beim Rennen auf der schwierigen Piste gezeigt. Doch dann riss auch sie vor Entsetzen den Mund weit auf, als die unmittelbar nach ihr gestartete Lindsey Vonn nach Zwischenbestzeit fürchterlich stürzte. „Es war ein Schock. Es ist nie schön zu sehen, wenn jemand stürzt. Ich hoffe, Lindsey geht es gut“, sagte sie in ersten Fernsehinterviews.

          Schon nach acht Läuferinnen hatte das Rennen ein erstes Mal unterbrochen werden müssen. Ein Streckenarbeiter war bei der Pistenpräparation unglücklich gefallen und musste ebenfalls per Helikopter abtransportiert werden. Über den Zustand des Mannes war zunächst nichts bekannt.

          Alpine Ski-WM in Schladming/Österreich

          Damen, Super-G
          Gold: Tina Maze (Slowenien) 1:35,39 Minuten; 
          Silber: Lara Gut (Schweiz) 1:35,77; 
          Bronze: Julia Mancuso (USA) 1:35,91;
          4. Sofia Goggia (Italien) 1:35,96; 5. Fabienne Suter (Schweiz) 1:36,25; 6. Ilka Stuhec (Slowenien) 1:36,28; 7. Daniela Merighetti (Italien) 1:36,32; 8. Viktoria Rebensburg (Kreuth) 1:36,33;... 30. Lena Dürr (Germering) 1:39,66; ... ausgeschieden: Veronique Hronek (Unterwössen); Maria Höfl-Riesch (Partenkirchen).

          Porträt Tina Maze (29 Jahre alt)
          2 x Weltmeisterin: Super-G 2013, Riesenslalom 2011
          2 x Olympia-Zweite: Riesenslalom 2010, Super-G 2010
          2 x WM-Zweite: Riesenslalom 2009, Super-Kombination 2011
          1 x Siegerin des Riesenslalom-Weltcups 2013
          18 Weltcupsiege, Siege in allen fünf Weltcup-Disziplinen
          Führende im Gesamt-Weltcup 2013

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