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Alpine Ski-WM : Im französischen Sektor

Schwungvoll unterwegs: Tessa Worley auf dem Weg zu Gold Bild: AP

Die Ski-WM bleibt fest in französischer Hand: Tessa Worley gewinnt den Riesenslalom der Frauen in Schladming. Viktoria Rebensburg muss auf die Zähne beißen.

          Viktoria Rebensburg hatte kaum das Ziel erreicht, da griff sie sich schon an den Rücken und sank zu Boden. Nicht, weil sie entkräftet war. Sie hatte Schmerzen, vor zwei Tagen war sie im Training gestürzt und hatte sich eine schwere Rippenprellung zugezogen. Nun war sie mit Schmerzmitteln in den WM-Riesenslalom in Schladming gestartet, sie biss die Zähne zusammen, und doch war am Donnerstag in beiden Durchgängen deutlich erkennbar, dass da nicht die angriffslustige Vollblut-Rennfahrerin unterwegs war, als die Viktoria Rebensburg bekannt ist. „Beim Fahren“, sagte sie, „war es eigentlich okay, ich hatte keine großen Schmerzen. Aber ich denke, dass es vielleicht unterbewusst ein bisschen drin war.“ Da war es dann nicht sehr hilfreich, dass der Kurs auch noch „sehr unruhig und eisig und schwer war“, wie Viktoria Rebensburg sagte, „man musste kämpfen von oben bis unten“.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          So staunte sie nicht schlecht, wie cool die Französin Tessa Worley auf der ruppigen Piste unterwegs war. „Das muss ein Lauf wie auf Schienen gewesen sein“, sagte sie nach Durchgang eins - und es wurde noch besser: Im zweiten Lauf baute die 1,58 Meter große Französin ihren Vorsprung auf 1,12 Sekunden aus und gewann überlegen Gold vor der Slowenin Tina Maze und Anna Fenninger aus Österreich. Maria Höfl-Riesch wurde Neunte, Viktoria Rebensburg Elfte und Veronique Hronek Siebzehnte.

          So setzten sich die französischen Wochen in der Steiermark fort - das Team der „Grande Nation“ ist nun mit zwei Gold-, einer Silber- und einer Bronzemedaille erfolgreichste Equipe bei der WM in Schladming. Und das, obwohl ihre größte Hoffnung, Jungstar Alexis Pinturault, noch gar nichts dazu beigetragen hat. Sie habe leider noch keine Gelegenheit gehabt, mit den erfolgreichen Kollegen zu feiern, sagte Tessa Worley, aber: „Ich war sehr stolz auf sie, wir haben eine großartige Atmosphäre im Team. Jeder ist gut drauf, und das hilft uns, schnell zu sein.“

          Die junge Französin ist Ski gefahren wie auf Schienen
          Die junge Französin ist Ski gefahren wie auf Schienen : Bild: dpa

          Während die drei anderen französischen Medaillen durch Gauthier de Tessières, David Poisson und Abfahrts-Weltmeisterin Marion Rolland eher unerwartet kamen, war das bei Tessa Worley anders. Die 23 Jahre alte WM-Dritte 2011 war in dieser Saison dreimal Dritte und einmal Vierte, sie hat schon sieben Weltcup-Rennen gewonnen. Und: Die Verhältnisse auf der Planai waren ganz nach ihrem Geschmack. „Als ich heute morgen aufwachte, wusste ich, es würde ein gutes Rennen für mich werden“, sagte sie. Hart, eisig, technisch anspruchsvoll - das ist das Terrain, auf dem die frühere Eiskunstläuferin Tessa Worley zuhause ist, dort kann sie ihre technische Klasse voll ausspielen.

          So gesehen war es fast schon ein Heimspiel für die Französin, schließlich hatte ihr Verbandspräsident Michel Vion ja schon vor Tagen verkündet, dass „wir dieses Gelände hier als unser Territorium betrachten“ - Vion selbst war in Schladming 1982 Kombinations-Weltmeister geworden.

          Mit Rückenschmerzen am Start: Keine Chance für Viktoria Rebensburg
          Mit Rückenschmerzen am Start: Keine Chance für Viktoria Rebensburg : Bild: dpa

          Ob es nun wirklich die vergangenen Verdienste des Präsidenten sind, die das Team so beflügeln, ist doch eher fraglich. Glaubt man den Athleten, ist es vielmehr die positive Stimmung, die sie bei der WM in Schladming erleben. „Österreich ist das Ski-Land“, sagte Abfahrts-Weltmeisterin Marion Rolland, „Die Atmosphäre hier ist so speziell, da will man einfach noch mehr zeigen.“ Und das können die Franzosen ganz unbeschwert tun, ohne massiven medialen Druck oder enthemmte Erwartungen.

          „Tessa ist in ihrer eigenen Liga gefahren“

          Im Gegenteil - inzwischen haben die französischen Erfolge zuhause neues Interesse geweckt am Skisport, die Einschaltquoten sind hoch, die Siegerehrung von Marion Rolland wurde live im Fernsehen übertragen. „Das ist gut für unseren Sport“, sagt Tessa Worley. „Er ist in Frankreich nicht so populär wie in Österreich. Aber immer mehr Menschen fangen jetzt an, sich dafür zu interessieren.“

          Ihr eigener Aufstieg in die Riesenslalom-Weltspitze verlief fast parallel zu dem von Viktoria Rebensburg. Die beiden sind am gleichen Tag geboren, sie begegneten sich immer wieder bei Nachwuchsrennen, entwickelten sich ähnlich vielversprechend. Nun sind beide seit Jahren in ihrer Spezialdisziplin Riesenslalom erfolgreich, und beide versuchen sie seit geraumer Zeit mit wechselndem Erfolg, sich auch in anderen Disziplinen unter den Besten zu etablieren. Bisher war Viktoria Rebensburg ihrer französischen Rivalin da einen Schritt voraus, sowohl was das zweite Standbein angeht, als auch, was die großen Titel betrifft. Nun, mit WM-Gold in Schladming, hat Tessa Worley fürs erste den Spieß umgedreht - und das auf eindrucksvolle Weise. „Tessa“, sagte Anna Fenninger, „ist heute in ihrer eigenen Liga gefahren“.

          Ihr Rezept dafür klang denkbar einfach. „Ich habe versucht, mich nur auf das Skifahren zu konzentrieren und nicht daran zu denken, was ich heute gewinnen könnte“, sagte Tessa Worley. So gelang ihr der größte Erfolg ihrer sportlichen Laufbahn. Viktoria Rebensburg blieb nichts anderes übrig, als sich nach dem für sie so ernüchternd verlaufenen Tag in Sachen erste WM-Medaille in Geduld zu üben. „Ich hoffe“, sagte sie, „dass ich noch einige Weltmeisterschaften erleben werde. Und dass es dann besser wird.“

          Alpine Ski-WM in Schladming

          Riesenslalom der Damen:
          Gold: Tessa Worley (Frankreich) 2:08,06 (1:04,90/1:03,16) Min.
          Silber: Tina Maze (Slowenien) 2:09,18 (1:05,99/1:03,19)
          Bronze: Anna Fenninger (Österreich) 2:09,24 (1:05,75/1:03,49)
          4. Kathrin Zettel (Österreich) 2:09,60 (1:05,42/1:04,18)
          5. Frida Hansdotter (Schweden) 2:10,34 (1:06,55/1:03,79)
          6. Mikaela Shiffrin (USA) 2:10,36 (1:06,55/1:03,81)
          ... 9. Maria Höfl-Riesch (Partenkirchen) 2:11,08 (1:07,34/1:03,74)
          ... 11. Viktoria Rebensburg (Kreuth) 2:11,39 (1:06,97/1:04,42)
          ...17. Veronique Hronek (Unterwössen) 2:12,18 (1:08,14/1:04,04)

          Tessa Worley (23 Jahre)
          1 x Weltmeisterin: Riesenslalom 2013
          1 x Team-Weltmeisterin: 2011
          1 x WM-Bronze: Riesenslalom 2011
          7 x Weltcup-Siegerin im Riesenslalom

          Quelle: F.A.Z.

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