Home
http://www.faz.net/-gu7-76z8a
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Alpine Ski-WM Achtung: 120 Fallen!

Der Slalom ist ein Gesamtkunstwerk aus Koordination und Kraft, Athletik und Akrobatik. Doch die zentrale Rolle spielt der Kopf. Zeigen die Kurvenkünstler Hirscher und Neureuther im WM-Slalom ihr Können?

© dpa Vergrößern Felix Neureuther kriegt die Kurve: Im Slalom schießen die Tore am schnellsten auf die Fahrer zu

Marcel Hirscher war ganz offen. „Ich fühle mich jetzt ungefähr 300 Kilo leichter“, sagte er. Jetzt - das hieß: nach seiner Silbermedaille im Riesenslalom bei der Ski-WM in Schladming. Nachdem er die gewaltigen Erwartungen der Öffentlichkeit endlich erfüllt hatte. „Der Skisport bedeutet den Menschen und den Medien hier sehr viel“, sagt der Österreicher Hirscher, „die Journalisten haben es mir nicht leicht gemacht, jeder hat gesagt, Minimum ist Silber. Es ist für mich irrsinnig schön, dass ich das so erfüllen kann.“ Marcel Hirscher, 23 Jahre alt, hat keine einfachen Tage hinter sich. Er ist bei der Heim-WM in Schladming gewissermaßen im Auftrag der Ski-Nation Österreich unterwegs, er, der Gesamtweltcupsieger 2012, der Spitzenreiter der Gesamtwertung in dieser Saison.

Bernd Steinle Folgen:  

Nun hat Hirscher bei der WM Gold im Teamwettbewerb gewonnen und Silber im Riesenslalom - und startet als Favorit im Slalom. (Final-Durchgang ab 13.30 Uhr live im ZDF). Hirscher ist der beste Slalomfahrer der Saison, er beherrscht die Kunst des Slalomfahrens im Moment wie kein anderer, und er muss ja jetzt auch diese 300 Kilo nicht mehr auf seinen schmalen Schultern mit rumschleppen. „Der Slalom“, sagt Hirscher, „ist das erste Rennen, auf das ich mich bei dieser WM richtig freuen kann“.

Die Birne kann alles lähmen

Gut für ihn - schlecht für seine Gegner. Denn so sehr das Slalomfahren ein Gesamtkunstwerk ist aus Talent und Trainingsfleiß, aus Koordination und Kraft, Athletik und Akrobatik, Beweglichkeit und Balancegefühl: Der Kopf spielt die zentrale Rolle. „Die Jungs, die da oben am Start stehen, fahren alle extrem gut Ski, da können 20 oder 30 Leute ein Rennen gewinnen“, sagt Hirschers Konkurrent Felix Neureuther. „Aber am Ende entscheidet nur die Birne.“ Denn die Birne kann alle noch so ausgeprägten körperlichen Fähigkeiten lähmen.

Neureuther hat das selbst erlebt, bei der WM 2011 in seinem Heimatort Garmisch-Partenkirchen. Jahrelang ging es da in seinem Kopf nur um dieses eine Rennen, den WM-Slalom daheim auf dem Gudiberg, dort, wo er als Dreijähriger schon Ski gefahren war, von wo aus er sein Elternhaus sehen konnte. Als der Moment endlich da war, war der Körper schwer wie Blei. Neureuther verpatzte den ersten Lauf und schied im zweiten aus. Hirscher erlebt nun eine ähnliche Situation, und wie sehr ihm die zusetzte, wurde erst nach dem Riesenslalom am Freitag wirklich offenbar.

Mehr zum Thema

Trotzdem holte er da nach durchwachsenem ersten Durchgang mit Laufbestzeit im zweiten Silber, ungeachtet der schweren Rückenprobleme, die ihn die halbe Nacht wach gehalten hatten. Es war eine Demonstration der mentalen Stärke Hirschers, seiner Kämpferqualitäten, seines Siegeswillens. Es ist aber nicht nur der Druck, mit dem die Psyche eines Slalomläufers fertig werden muss. Nirgendwo sonst schießen die Tore so schnell auf einen Fahrer zu wie im Slalom, nirgendwo sonst gilt es, komplexe Situationen so schnell zu erfassen und zielführend zu verarbeiten - wenn es etwa mit Tempo 60 oder mehr durch eine Torkombination geht. Neureuther trainierte seine Konzentrationsfähigkeit unter anderem durch Life Kinetik - ungewöhnliche Bewegungsabläufe, die den Körper vor visuelle und koordinative Herausforderungen stellen, und die er auf Anfrage von Trainer Jürgen Klopp auch schon den Fußballprofis von Borussia Dortmund vermittelte.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Big Green Egg Grillen mit dem grünen Monster

Es wird noch einmal ein paar Tage sonnig, also ran an den Grill. Dieses Keramik-Ei liefert dem Freund ausgefallener Kochgeräte neue Erkenntnisse. Auch wenn es kein billiges Vergnügen ist. Mehr

16.09.2014, 11:10 Uhr | Technik-Motor
Akrobatik und Seiltanz über der Seine

Ein französischer Akrobat machte sich den Wind zum Freund und balancierte ohne Sicherheitsleine über die Seine - zur Freude der Zuschauer. Mehr

07.04.2014, 16:09 Uhr | Gesellschaft
Sportschütze Reitz Auf den Spuren von Ralf Schumann

Der vielseitige Pistolenschütze Christian Reitz gilt als neue deutsche Galionsfigur. Mit seinem Leitmotiv Passion für Präzision will er bei der Schieß-WM in Granada Goldmedaillen holen. Mehr

11.09.2014, 17:27 Uhr | Sport
Georgier stemmt 33 Kilo mit Augenlidern

Was die meisten Menschen noch nicht einmal mit starken Oberarmen schaffen, das macht der Georgier Lachyl Abdul Guseynov mit seinen Augenlidern: 33 Kilo stemmt der Georgier bei einem Stunt. Mehr

07.08.2014, 15:00 Uhr | Sport
Radsport Voigt fährt Stunden-Weltrekord

Auf seine alten Rennfahrertage stellt Jens Voigt als erster deutscher Radprofi einen Stundenweltrekord auf. Der 43-Jährige schafft 51,115 Kilometer. Kritiker sprechen von einem Äpfel- und Birnen-Vergleich. Mehr

18.09.2014, 20:04 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 17.02.2013, 08:47 Uhr

Verloren im Quoten-Spiel

Von Achim Dreis

Die deutsche Volleyball-Nationalmannschaft qualifiziert sich fürs WM-Halbfinale. Doch einen Boom wird es trotzdem nicht geben. Die Macht der Zahlen spricht dagegen. Mehr 10