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Alpine Ski-WM Achtung: 120 Fallen!

Der Slalom ist ein Gesamtkunstwerk aus Koordination und Kraft, Athletik und Akrobatik. Doch die zentrale Rolle spielt der Kopf. Zeigen die Kurvenkünstler Hirscher und Neureuther im WM-Slalom ihr Können?

© dpa Vergrößern Felix Neureuther kriegt die Kurve: Im Slalom schießen die Tore am schnellsten auf die Fahrer zu

Marcel Hirscher war ganz offen. „Ich fühle mich jetzt ungefähr 300 Kilo leichter“, sagte er. Jetzt - das hieß: nach seiner Silbermedaille im Riesenslalom bei der Ski-WM in Schladming. Nachdem er die gewaltigen Erwartungen der Öffentlichkeit endlich erfüllt hatte. „Der Skisport bedeutet den Menschen und den Medien hier sehr viel“, sagt der Österreicher Hirscher, „die Journalisten haben es mir nicht leicht gemacht, jeder hat gesagt, Minimum ist Silber. Es ist für mich irrsinnig schön, dass ich das so erfüllen kann.“ Marcel Hirscher, 23 Jahre alt, hat keine einfachen Tage hinter sich. Er ist bei der Heim-WM in Schladming gewissermaßen im Auftrag der Ski-Nation Österreich unterwegs, er, der Gesamtweltcupsieger 2012, der Spitzenreiter der Gesamtwertung in dieser Saison.

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Nun hat Hirscher bei der WM Gold im Teamwettbewerb gewonnen und Silber im Riesenslalom - und startet als Favorit im Slalom. (Final-Durchgang ab 13.30 Uhr live im ZDF). Hirscher ist der beste Slalomfahrer der Saison, er beherrscht die Kunst des Slalomfahrens im Moment wie kein anderer, und er muss ja jetzt auch diese 300 Kilo nicht mehr auf seinen schmalen Schultern mit rumschleppen. „Der Slalom“, sagt Hirscher, „ist das erste Rennen, auf das ich mich bei dieser WM richtig freuen kann“.

Die Birne kann alles lähmen

Gut für ihn - schlecht für seine Gegner. Denn so sehr das Slalomfahren ein Gesamtkunstwerk ist aus Talent und Trainingsfleiß, aus Koordination und Kraft, Athletik und Akrobatik, Beweglichkeit und Balancegefühl: Der Kopf spielt die zentrale Rolle. „Die Jungs, die da oben am Start stehen, fahren alle extrem gut Ski, da können 20 oder 30 Leute ein Rennen gewinnen“, sagt Hirschers Konkurrent Felix Neureuther. „Aber am Ende entscheidet nur die Birne.“ Denn die Birne kann alle noch so ausgeprägten körperlichen Fähigkeiten lähmen.

Neureuther hat das selbst erlebt, bei der WM 2011 in seinem Heimatort Garmisch-Partenkirchen. Jahrelang ging es da in seinem Kopf nur um dieses eine Rennen, den WM-Slalom daheim auf dem Gudiberg, dort, wo er als Dreijähriger schon Ski gefahren war, von wo aus er sein Elternhaus sehen konnte. Als der Moment endlich da war, war der Körper schwer wie Blei. Neureuther verpatzte den ersten Lauf und schied im zweiten aus. Hirscher erlebt nun eine ähnliche Situation, und wie sehr ihm die zusetzte, wurde erst nach dem Riesenslalom am Freitag wirklich offenbar.

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Trotzdem holte er da nach durchwachsenem ersten Durchgang mit Laufbestzeit im zweiten Silber, ungeachtet der schweren Rückenprobleme, die ihn die halbe Nacht wach gehalten hatten. Es war eine Demonstration der mentalen Stärke Hirschers, seiner Kämpferqualitäten, seines Siegeswillens. Es ist aber nicht nur der Druck, mit dem die Psyche eines Slalomläufers fertig werden muss. Nirgendwo sonst schießen die Tore so schnell auf einen Fahrer zu wie im Slalom, nirgendwo sonst gilt es, komplexe Situationen so schnell zu erfassen und zielführend zu verarbeiten - wenn es etwa mit Tempo 60 oder mehr durch eine Torkombination geht. Neureuther trainierte seine Konzentrationsfähigkeit unter anderem durch Life Kinetik - ungewöhnliche Bewegungsabläufe, die den Körper vor visuelle und koordinative Herausforderungen stellen, und die er auf Anfrage von Trainer Jürgen Klopp auch schon den Fußballprofis von Borussia Dortmund vermittelte.

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