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Deutsche Eiskunstlauf-Meister : Aljona und der Normanne

Gesucht und gefunden: Aljona Savchenko und Buno Massot geben sich Halt. Bild: dpa

Er hat beträchtliche Kraft, sie bleibt federleicht – als Paar winkt Aljona Savchenko und Bruno Massot eine beachtliche Zukunft. Der Start nach der langen Sperre ist vielversprechend für die Eiskönigin und ihren neuen Partner.

          Sie haben sich schon während des Wettkampfs angestrahlt, erkennbar glücklich über ihren ersten großen Auftritt in Deutschland. Aljona Savchenko ist zurück auf ihrer großen kalten Eisbühne, und sie wird auf Schritt und Tritt von einem Partner begleitet, der ihr sportlich und als Typ gewachsen ist. Bruno Massot hat das Erbe des fünfmaligen Weltmeisters und viermaligen Europameisters Robin Szolkowy angetreten, und er tat es in Essen mit Bravour.

          Roland Zorn

          Sportredakteur.

          Nach achtzehnmonatiger Sperre und zwei kleineren internationalen Konkurrenzen in Tallinn und Warschau, die das Paar Savchenko/Massot locker gewann, eroberte die inzwischen von Chemnitz nach Oberstdorf gewechselte deutsche Eiskönigin in der Eishalle am Westbahnhof ihren neunten nationalen Titel – den ersten ohne ihren strengen Eislauflehrer Ingo Steuer und ohne den 2014 zurückgetretenen Szolkowy, der den Auftritt seiner ehemaligen Partnerin aus einiger Distanz und ohne Schlussapplaus nach der Kür in der Halle beobachtete.

          „Diesmal habe ich mich besonders gefreut, weil ich mit meinem neuen Partner erfolgreich war“, sagte die 31 Jahre alte gebürtige Ukrainerin. Ihr war die lange Pause so wenig anzumerken wie dem fünf Jahre jüngeren Franzosen. Der eine Flüchtigkeitssturz von Savchenko beim Dreifachflip in der Kür beeinträchtigte die Gesamtdarbietung des Paars nur minimal. Massot vor allem erstaunte am Samstag und Sonntag alle, die geglaubt haben, dass er unter der Last der Nachfolge eines großen Meisters leiden werde.

          Nichts davon war in Essen zu spüren, als es galt, unter Anleitung des kollegialen Trainers Alexander König („ich komme nicht mit der Dampfwalze daher“) eine erste Kostprobe der neuen Gemeinsamkeit abzuliefern und eine erste Bewährungsprobe zu bestehen.

          Auch nah am Eis verliert die deutsche Eiskönigin nicht das Lächeln.
          Auch nah am Eis verliert die deutsche Eiskönigin nicht das Lächeln. : Bild: dpa

          Dabei schien vor einer Woche nicht einmal gesichert, dass die beiden überhaupt in Essen starten konnten. Massot fiel nach einem Trainingssturz so unglücklich auf den Rücken, dass ihn für ein paar Tage ein Hexenschuss flach legte. „Der Rücken hat mir zuletzt Sorgen gemacht, nicht aber unsere einstudierten Programme“, sagte Massot, als Kurzprogramm und Kür auf ansehnliche Weise geschafft waren. Den zuvor in seiner Eisumlaufbahn nur mäßig erfolgreichen Normannen, der einem Olympiastart mit der zweimaligen olympischen Bronzemedaillengewinnerin Savchenko zuliebe Deutscher werden will, zeichnet ein ähnliches Selbstbewusstsein wie die Frau an seiner Seite aus.

          „Wir sind beide Wettkämpfer“, sagt er, „und wenn zwei Kämpfer dieselben Ziele verfolgen, gibt es gute Resultate.“ Welche dürfen es demnächst bei der Europameisterschaft sein? Für die sieggewohnte Aljona Savchenko, die sich 2014 von ihrer großen Karriere mit Szolkowy standesgemäß mit einem Weltmeistertitel verabschiedete, ist die Richtung klar: „Ich kann mit ihm alles gewinnen“, sagte sie in Essen. Massot denkt so ähnlich: „Natürlich wollen wir die besten Resultate, also Platz eins erreichen, wenn unsere Elemente perfekt klappen.“

          Die Zukunft für das Paar nach der achtzehnmonatigen Sperre ist vielversprechend.
          Die Zukunft für das Paar nach der achtzehnmonatigen Sperre ist vielversprechend. : Bild: dpa

          Womit das Paar jetzt schon imponiert, sind die dreifach geworfenen Sprünge wie Twist, Salchow oder Flip, da Massot ein Athlet von beträchtlicher Kraft ist und Savchenko eine noch immer federleichte Artistin mit dem exquisiten Gefühl für butterweiche Landungen. Selbst ihr früherer Trainer Ingo Steuer, von dem sich Aljona Savchenko nach all den Jahren der einvernehmlichen Zusammenarbeit im Streit trennte, hat seiner ehemaligen Paradeläuferin schon gratuliert – per SMS nach ihrem ersten Auftritt mit Massot in Tallinn.

          Die Kombination Savchenko/Massot, so scheint es nach den ersten drei Probeläufen vor den großen Titelkämpfen Europameisterschaft (Ende Januar in Bratislava) und Weltmeisterschaft (Ende März in Boston), hat sich gesucht und gefunden. „Wir waren von Anfang an zusammen und sind nie wie zwei unterschiedliche Personen nebeneinander hergelaufen“, hebt Massot hervor, den der französische Verband erst gegen eine Zahlung von 30.000 Euro Ablöse für die Deutsche Eislauf-Union freigab.

          In Essen holten sich beide ihren ersten gemeinsamen Meistertitel.
          In Essen holten sich beide ihren ersten gemeinsamen Meistertitel. : Bild: dpa

          „Nachdem ich ein Kapitel abgeschlossen und ein neues angefangen habe, genieße ich einfach“, bekannte die jahrelang beste Paarläuferin der Welt, „diese Momente kriegst du so schnell nicht wieder.“ Aljona Savchenko, die stets höchste Ansprüche an sich und ihre Partner richtete, ist mit dem Zwischenstand ihrer von viel Sympathie füreinander begleiteten Arbeitsbeziehung zu Bruno Massot für den schönen Augenblick sehr angetan: „Er wird immer besser, ich fühle mich sehr wohl und stark mit ihm, mein Gefühl für den Wettkampf kommt zurück, ich bin sehr zufrieden.“ Ein Testat, das einiges für die gemeinsame Zukunft auf dem Eis verheißt und schon bald im Kampf mit den besten russischen Paaren auf dem Prüfstand steht.

          Bilderstrecke
          Wintersport kompakt : Perfektion auf dem Eis

          Quelle: F.A.Z.

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