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Abfahrt in Kitzbühel Zwischen Angst und Augenweide

Nach dem schrecklichen Sturz des Rennläufers Hans Grugger bemüht sich Kitzbühel um Normalität. Während Didier Cuche auf der Streif gewinnt, geht die Sicherheitsdiskussion weiter. Wie jedes Jahr.

© REUTERS Vergrößern Famose Fahrt des alten Mannes: Didier Cuche bezwingt die Streif

Didier Cuche stand auf der grell erleuchteten Balustrade des Zielhauses der Streif, unter sich eine fahnenschwenkende Menge, im Blickfeld gegenüber die Abfahrtspiste, den steilen Zielschuss, der wie eine weiße Zunge aus dem Dunkeln ragte. Es war der Abend vor der Weltcup-Abfahrt in Kitzbühel, und der Anlass war eher banal, die offizielle Startnummernvergabe, aber Kitz ist nun mal Kitz, also war auch die Nummernshow inszeniert wie die Verleihung eines Filmpreises. „Eine Woche Hollywood“ sei Kitzbühel immer für ihn, hatte Silvan Zurbriggen gerade noch gesagt, unmittelbar bevor sein Schweizer Teamkollege auf die Bühne trat.

Bernd Steinle Folgen:  

Nun stand Didier Cuche oben im Scheinwerferlicht, konfrontiert mit der Frage, was er erwarte vom Abfahrtsrennen am Samstag. Cuche war der Vorjahrssieger, er war der Trainingsschnellste, ein markiger Spruch vor der begeisterten Fanmeute wäre also angebracht gewesen. Cuche sagte: „Wenn man hier gesund im Ziel ist, muss man zufrieden sein.“

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Es gibt viele gedämpfte Töne in diesen Tagen im sonst so lauten, schrillen DJ-Ötzi-Weltcup-Kitzbühel. Das hat einen Grund: den schrecklichen Sturz des Österreichers Hans Grugger im Training am Donnerstag. Der 29 Jahre alte Grugger hatte am Sprung an der Mausefalle, dem steilsten Abschnitt der Streif, mit 85 Prozent Gefälle, die Kontrolle verloren und war hart mit dem Kopf auf der eisigen Piste aufgeschlagen. Bewusstlos wurde er in die Universitätsklinik Innsbruck geflogen, fünf Stunden operiert, seither liegt er im künstlichen Tiefschlaf. Im Moment, sagen die Ärzte, sei er außer Lebensgefahr. Aber noch weiß kein Mensch, ob und wie das Leben des Hans Grugger wirklich weitergehen wird.

Cuche of Switzerland competes during men''s downhill race at Alpine Skiing World Cup in Kitzbuehel © REUTERS Vergrößern Im Landeanflug: Zigtausende Zuschauer erwarten Didier Cuche

Hujara sitzt zwischen allen Stühlen

Ein Sieg auf der Streif, das ist in der Alpin-Szene eine Art Ritterschlag. Weil die Streif als eine der schwierigsten Strecken der Welt gilt, und weil auf der Streif schon so viele Rennläufer lebensgefährlich verletzt wurden. Wann immer so ein Unglück geschieht, wollen die Leute wissen, warum es geschehen ist, sie fordern Konsequenzen, sie suchen nach einer Ursache, nach etwas oder nach jemandem, den sie dafür verantwortlich machen können, und viele landen dabei irgendwann bei Günter Hujara.

Hujara ist der Renndirektor des Internationalen Skiverbands, er hat mit den lokalen Organisatoren dafür zu sorgen, dass die Piste für alle zu bewältigen ist, und zugleich dafür, dass die Rennen attraktiv sind, für die Fans, fürs Fernsehen, für die Fahrer, für die Sponsoren. Mit anderen Worten: Hujara sitzt zwischen allen Stühlen. Im Fall Grugger stellte er schnell klar, dass für den Sturz nicht die Strecke, sondern ein Fahrfehler ausschlaggebend gewesen sei. Und wies darauf hin: „Wenn wir mindestens zehn Sekunden langsamer sind als der Rekord auf der Strecke, haben, glaube ich, alle Maßnahmen, die wir getätigt haben, um das Tempo zu kontrollieren, auch gegriffen.“

In der Tat: Es gibt in diesem Fall keine einfachen Lösungen - abgesehen von der, überhaupt nicht mehr auf der Streif zu fahren. Was es gibt, sind einfache Erklärungen, vorzugsweise die vom Restrisiko, das immer bleibt. Darum geht es aber gar nicht. Dass sich ein Restrisiko genauso wenig ausschließen lässt wie beim Autofahren oder beim Treppensteigen, heißt ja nicht, dass man überhaupt nichts zu tun braucht. Reduzieren lässt sich das Risiko allemal - wie im Weltcup schon geschehen, durch kilometerlange Gleitzäune, Auffangzäune und Hochsicherheitsnetze oder in Kitzbühel durch die Entschärfung des Zielsprungs.

Die Kopfverletzungen häufen sich

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