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Kommentar : Neue Sterne müssen am Tennishimmel aufgehen

Der König von Wimbledon: Roger Federer gewinnt zum achten Mal das Tennisturnier in Wimbledon. Bild: Reuters

Die ersten beiden Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts können als Goldenes Zeitalter im Tennis betrachtet werden. Wenn Roger Federer seine Karriere eines Tages beendet, wird sich eine große Lücke auftun. Ein Kommentar.

          Wimbledon hat ein glückliches Jahr erlebt. Das Interesse am ältesten Tennisturnier der Welt ist ungebrochen. Wie lange noch, kann niemand beantworten. Aber solange sich die Altmeister und Altmeisterinnen der Branche so gut schlagen und für die nachkommende Generation zumindest eine ernsthafte Referenzgröße darstellen, ist der Erfolg gesichert.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          In der Rückschau werden die ersten beiden Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts als Goldenes Zeitalter betrachtet werden. Mit den großen vieren im Herrentennis, Roger Federer, Rafael Nadal, Andy Murray und Novak Djokovic, sowie den Williams-Schwestern und Maria Scharapowa (diesmal nicht am Start) bei den Damen: Deren Strahlkraft endet nicht beim Tennispublikum.

          Für die potentiellen Nachfolger ist es schwierig, ein eigenes Profil zu gewinnen. Der 23 Jahre alte Österreicher Dominic Thiem seufzte in der ersten Woche von Wimbledon: „Es wird wahrscheinlich nie mehr so schwer, einen Grand Slam zu gewinnen wie jetzt. Dazu muss man zwei der großen vier schlagen.“ Von den jungen Spielern drängen nur Thiem und Alexander Zverev mit Macht nach. Der 20 Jahre alte Hamburger spielt schon auf einem Niveau wie Raonic, Cilic, Nishikori und Wawrinka, die Garde hinter den großen vier.

          Wann kann Zverev die Großen angreifen? Das interessiert außerhalb Deutschlands niemand. Es ist vor allem Roger Federer, der die Herzen der Fans rund um den Globus berührt. Wenn der Schweizer eines Tages einmal aufhört, wird das einen Effekt haben wie der Rücktritt von Boris Becker in Deutschland. Die Tennis-Welt wird sich zwar weiter drehen. Aber nicht mehr so schnell.

          Die Spielergewerkschaften ATP für die Herren und WTA für die Damen haben erkannt, dass sie den Nachwuchs promoten müssen, um sich in der Öffentlichkeit einen Namen zu machen, weil es nur über die Ergebnisse kaum geht. Das Masters-Turnier für die junge Generation „Next Gen“ ist so eine Idee, dazu kommen imagebildende Aktivitäten in den sozialen Netzwerken. Dass die WTA dabei allerdings vornehmlich auf Fotos ihrer Spielerinnen setzt, die deren Weiblichkeit betonen, mag den einen oder anderen irritieren.

          Wie dem auch sei: In die Spitze des Damentennis ist nicht nur Bewegung gekommen, die Spielerinnen werben auch mit sportlichen Leistungen für sich. Garbiñe Muguruza demonstrierte im Endspiel gegen Venus Williams viel mehr als nur gehobene Klasse. Sie schlug die Amerikanerin, die so druckvoll spielte wie in ihren besten Tagen, mit deren eigenen Waffen. Jelena Ostapenko bewies in Wimbledon, dass ihr Grand-Slam-Erfolg vor einem Monat in Paris aller Wahrscheinlichkeit nach kein One-Hit-Wonder gewesen ist.

          Die Lettin spielte so herzerfrischend mutig und dynamisch wie bei den French Open. Doch mit 20 ist man noch anfälliger für die Tricks und Kniffe einer 37 Jahre alten Venus Williams in Hochform als eine 23 Jahre alte Muguruza. Mit der neuen Weltranglistenersten Karolina Pliskova, der wieder erstarkten Angelique Kerber, der Ukrainerin Elina Svitolina, der Rumänin Simona Halep und der neuen britischen Hoffnung Johanna Konta besteht die Top Ten der Damen aus vielen aufregenden Spielerinnen. Bisher fehlt ihnen nur die Konstanz, die Angelique Kerber im Jahr 2016 noch auszeichnete.

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