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Federer im Wimbledon-Finale : War er je besser?

Was macht ein Tennisprofi wie Federer zwischen Halbfinale und Finale von Wimbledon? Er trainiert natürlich. Bild: Reuters

Roger Federer beeindruckt im Halbfinale gegen Andy Murray alle – auch sich selbst. Im Finale gegen Djokovic scheinen die Chancen auf den achten Wimbledon-Sieg gut zu stehen.

          In der königlichen Loge saßen Björn Borg, Rod Laver und zwischenzeitlich auch Boris Becker, für die verschiedenen Fernsehsender kommentierten John McEnroe, Tim Henman, Andy Roddick und Mats Wilander, und all diese Größen vergangener Tage haben schon viele Spiele von Roger Federer auf dem Centre Court in Wimbledon beobachtet und bewundert. Doch nach dessen zehnten Einzug in das Finale dieses prestigeträchtigsten Turnier der Welt drehte sich alles um die eine Frage: Hatten sie den Schweizer, der mit sieben Triumphen an der Church Road ja immerhin den Rekord hält, je besser gesehen als gerade bei seinem 7:5-, 7:5- und 6:4 im Halbfinale gegen Andy Murray?

          Vor allem Becker dürfte sich so seine sorgenvollen Gedanken gemacht haben – Federer trifft Sonntag auf den von ihm trainierten Weltranglistenersten Novak Djokovic, der sich zuvor 7:6, 6:4 und 6:4 gegen den französischen Überraschungs-Halbfinalisten Richard Gasquet durchgesetzt hatte.

          Die zwanzig Minuten in der Schlussphase des zweiten Satzes hätten vielleicht gereicht, um Federers Leistung an diesem Abend auch über seine bislang besten Darbietungen auf diesem Platz zu heben. Drei Satzbälle hatte sich der Weltranglistenzweite erspielt, alle drei hatte Murray abgewehrt, und insgesamt zog sich dieses eine Spiel dann mit spektakulären Ballwechseln über eine Viertelstunde hin. Federer vergab fünf Satzbälle, weil Murray sensationelle Passierbälle gelangen, Murray vergab vier Möglichkeiten zum 5:5, weil der Schweizer glänzend returnierte und vor allem den zweiten Aufschlag des Schotten gnadenlos attackierte.

          Könnte als erster Spieler zum achten Mal Wimbledon gewinnen: Roger Federer
          Könnte als erster Spieler zum achten Mal Wimbledon gewinnen: Roger Federer : Bild: dpa

          Dann aber war diese große Chance für ihn dahin gewesen, für eine beruhigende 2:0-Satzführung zu sorgen. In solchen Fällen dreht sich das Blatt häufig ganz schnell. Federer aber gewann sein folgendes Aufschlagspiel zu null und holte sich danach das Break und die 2:0-Satzführung gleich bei nächster Gelegenheit. „Ich habe ziemlich gut gespielt, aber nicht gut genug gegen einen Spieler, der so gut aufschlägt“, sagte Murray.

          Die Partie hatte prächtig angefangen für den Schotten, der 2013 als erster Brite nach 77 Jahren in Wimbledon triumphiert hatte. Gleich im ersten Aufschlagspiel hatte er mit einem Breakball einen traumhaften Start vor Augen und die Taktik, sich nach gewonnener Wahl für den Rückschlag entschieden zu haben, schien sich auszuzahlen – näher sollte er einem Break in der gesamten Partie nicht mehr kommen. „Danach hatte ich bei seinem Aufschlag so gut wie gar keine Chance mehr“, sagte Murray, und weil der so häufig ans Netz wie selten vorrückende Federer in der Folge stets als Erster aufschlug in allen Sätzen, stand der Schotte unter Dauerdruck.

          Bad vor der Menge: Novak Djokovic
          Bad vor der Menge: Novak Djokovic : Bild: AFP

          85 Prozent der ersten Aufschläge im ersten Durchgang und 81 Prozent im dritten Satz landeten in Murrays Feld. „Vielleicht hat er tatsächlich ja schon mal noch besser gespielt hier“, sagte der frühere Weltranglistenerste Wilander, „aber definitiv hat er noch nie besser aufgeschlagen.“ Federer könnte nun als erster Spieler zum achten Male in Wimbledon triumphieren – im vergangenen Jahr verwehrte ihm Djokovic diesen Rekord, als der Serbe nach fünf Sätzen die Arme in den Himmel recken durfte.

          Älteste Endspielteilnehmer seit Ken Rosewall 1974

          Wenn nicht alles täuscht, könnte die Aufgabe für den Titelverteidiger und besten Defensivspieler der Welt diesmal aber noch einmal ein Stückchen schwerer werden. Mit 33 Jahren und dann 340 Tagen ist Federer am Sonntag zwar der älteste Endspielteilnehmer seit Ken Rosewall 1974, der bei seiner letzten Finalteilnahme immerhin schon 39 Jahre und 246 Tage alt war.

          Doch im Spätherbst seiner Karriere scheint Federer noch einmal das Allerbeste aus sich herauszuholen, zeigte gegen Murray das ganze Repertoire seiner Schläge. Wie man weiß, ist die Auswahl dabei recht groß. „Das war definitiv eines der besten Spiele meiner Karriere“, sagte Federer. Nun, auch das sagt ja eine Menge: Es war sein 1359. Auftritt als Profi.

          Quelle: FAZ.NET

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