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Sensation in Wimbledon : Das Spiel seines Lebens

Dustin Brown: Der Deutsche mit jamaikanischen Wurzeln bezwang den neunmaligen French-Open-Sieger Rafael Nadal bereits zum zweiten Mal. Bild: dpa

Dass dies kein normales Tennisspiel werden würde, war zu erwarten gewesen - Spiele, an denen Dustin Brown beteiligt ist, können schließlich gar nicht gewöhnlich sein. Am Ende des Spektakels ist Rafael Nadal ausgeschieden.

          Dass dies kein normales Tennisspiel werden würde, war zu erwarten gewesen - Spiele, an denen Dustin Brown beteiligt ist, können schließlich gar nicht gewöhnlich sein. Zu unorthodox spielt der Mann mit den Rastalocken. Die 15.000 Zuschauer auf dem Centre Court erwarteten am Ende des langen Tages also noch einmal allerbeste Unterhaltung - und wurden Augenzeugen eines großen Spektakels und schließlich einer Sensation.

          Der Deutsch-Jamaikaner Dustin Brown, in der Weltrangliste an Position 102 plaziert und erst nach erfolgreicher Qualifikation endgültig ins Hauptfeld gerutscht, entzauberte den ehemaligen Weltranglistenersten Rafael Nadal, sorgte für Begeisterungstürme auf dem berühmtesten Tennisplatz der Welt und siegte schließlich 7:5, 3:6, 6:4 und 6:4. „Ich habe hier schon viel gesehen, ich habe hier schon viel miterlebt“, sagte der BBC-Kommentator und frühere Wimbledonsieger John McEnroe, „aber so etwas noch nicht. Im größten Spiel seiner Karriere hat Dustin Brown das Spiel seines Lebens hingelegt.“

          Alles, was sich der 30 Jahre alte Profi aus Winsen/Aller als Spielplan für diese Partie zurecht gelegt hatte, funktionierte - das war die eine Überraschung. Aber noch mehr erstaunte alle Experten, dass Brown diesen Spielplan auch ungerührt bis zum Schluss beibehielt, dass er keine Anzeichen von Nervosität verriet, als der größte Sieg seiner Karriere näher und näher rückte. Selbst als er die erste große Chance ausließ, nachdem er sich beim Stand von 5:3 im vierten Satz zwei Matchbälle beim Aufschlag des Spaniers erspielt hatte, hinterließ das keinerlei Wirkung.

          Brown hatte bei einem Passierball den Schläger weggezogen, weil er glaubte, der Ball würde im Aus landen - vielleicht hoffte er es auch nur inständig. Nadal verkürzte danach noch einmal, durfte sogar darauf hoffen, dass Brown nun der Arm schwer werden würde, weil sein Gegner das folgende Aufschlagspiel mit einem Doppelfehler begann. Aber die große Chance auf den spektakulärsten Sieg seiner Karriere, noch dazu auf diesem Platz, ließ sich Brown nicht mehr entgehen. Mit einem As beendete er nach 2:33 Stunden Spielzeit die Partie.

          Nicht zu fassen: Rafael Nadal ist ausgeschieden

          Stopps, knallharte Aufschläge, spektakuläre Halbvolleys, riskante Volleys, gefühlvolle Lobs - über die gesamte Spieldauer hatte Brown seine komplettes Repertoire an Schlägen vollführt, von denen einige so sicher in keinem Lehrbuch stehen.

          „Dustin spielt etwas ungewöhnlich“

          Was da auf ihn zukommen könnte, hatte Nadal schon vorher geahnt. „Dustin spielt etwas ungewöhnlich. Man bekommt keinen Rhythmus“, hatte der Spanier gesagt. Vor einem Jahr hatte er schon einmal unangenehme Erfahrungen mit Brown gemacht, als er gegen ihn in Halle verloren hatte. Gewiss, auch dies war auf Rasen gewesen, aber da hatte Nadal gerade unmittelbar zuvor die French Open gewonnen und war müde nach Ostwestfalen angereist - wer glaubte schon, dass sich dies hier, beim Wimbledonturnier, tatsächlich wiederholen könnte?

          „Ich musste Rafa aus seiner Komfortzone holen, wenn ich eine Chancen habe wollte“, sagte Brown, und das war ihm von Beginn an gelungen. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit, und mitunter auch in Situationen, in denen es im Grunde ratsamer gewesen wäre, an der Grundlinie zu bleiben, stürmte der 1,96 Meter große Brown ans Netz vor, oder er versuchte, Nadal mit Stopps selbst ans Netz zu locken. Das Risiko zahlte sich aus - sein prominenter Gegner kam nie zu Ruhe, leistete sich selten gesehene Fehlschläge und verpasste auch einige vielversprechende Möglichkeiten, Brown am Netz zu passieren. Und dank der Aufschlagstärke des Deutsch-Jamaikaners geriet Nadal zunehmend unter Druck. Auch da hatte sich Brown von vornherein keine Zurückhaltung auferlegt. „Wenn ich schon einen Doppelfehler mache, dann war klar, dass er sehr hart und weit fliegen würde“, sagte er - aber er leistete sich eben nur ganze fünf in dieser Partie. Und sein zweiter Aufschlag flog im Schnitt kaum langsamer über das Netz als Nadals erster Versuch.

          Mister ungewöhnlich: Dustin Brown aus Winsen an der Aller

          „Ich war gut vorbereitet, aber ich habe zu viele Fehler gemacht“, sagte Nadal, „und das kann man sich gegen einen Gegner, der so aufschlägt wie er heute, einfach nicht erlauben.“ Der total enttäuschte Spanier hatte nie zu einer Sicherheit in seinem Spiel gefunden und leistete sich zudem gleich zu Beginn des vierten Satzes auch noch ein ganz schwaches Aufschlagspiel.

          Nach diesem Break hatten endgültig alle Vorteile bei Brown gelegen - und er gab sie zum Erstaunen aller Experten auch nicht mehr aus der Hand, es schien keinen Moment des Zweifelns zu geben. „Ich habe nur gedacht, spiel‘ einfach weiter so“, sagte er, was sich aber unendlich viel leichter denken als auch umzusetzen lässt. „Man muss das anerkennen“, sagte Nadal, „ich habe gekämpft, ich habe auf eine winzige Möglichkeit gehofft, aber nach dem Break hat er mir einfach keine Chance mehr gegeben.“ Den Centre Court hatte Brown zuvor noch nie betreten, er hatte ihn sich nicht einmal angesehen. „Ich hatte Angst, dass ich davon eingeschüchtert sein würde“, sagte er. Stattdessen wurde er zur größten Attraktion.

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