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Boris Becker : Er ist wieder wichtig

Technik, Taktik, Training: Von Boris Becker kann auch Novak Djokovic noch was lernen. Bild: Reuters

Vor dreißig Jahren eroberte Boris Becker in Wimbledon die Tenniswelt. Die Zeit als Profi hat Spuren bei ihm hinterlassen. Jetzt betreut er den Finalteilnehmer Novak Djokovic. Das tut beiden gut.

          London. Goran Ivanisevic läuft federnden Schrittes die Treppe zum Spielerbereich hinunter. 2001 hat er hier Geschichte geschrieben, als er nach drei Finalniederlagen dieses Turnier doch noch gewann, als niemand mehr damit rechnete. Der Kroate hatte nur dank einer Wildcard in Wimbledon mitspielen dürfen und nun, 14 Jahre später, sieht der 43jährige Trainer seines kroatischen Landsmanns Marin Cilic immer noch so aus, als könne er jederzeit wieder mitmachen. John McEnroe hingegen rennt keine Treppen hoch, er schreitet majestätisch über die Stufen, und jeder Schritt drückt eins aus: Ich bin ein Star. Der Amerikaner hat dreimal in Wimbledon triumphiert, er kommentiert für allerlei Fernsehsender, und manchmal hat man den Eindruck, am liebsten würde er noch mitspielen. Das tut der 56-Jährige gelegentlich noch bei Legendenturnieren, aber hier in Wimbledon hat er keine Zeit. Gerne würde man dort auch Stefan Edberg sehen, aber auch der Schwede hat als Trainer von Roger Federer anderes zu tun. Bisweilen schlägt er mit dem Schweizer auch Bälle, und dann staunen die Zuschauer, dass der 49-Jährige immer noch mit einer faszinierenden Leichtigkeit wunderbare Volleys plaziert.

          Die Liste ließe sich beinahe endlos fortsetzen, sie sind in diesen Tagen ja alle da an der Church Road. Mats Wilander, 50 Jahre alt, der für Eurosport kommentiert. Henry Leconte, 52 Jahre alt, der mit Mansour Bahrami, 59 Jahre alt, den Tennisclown gibt und erstaunlich viel schlechter spielt als der Iraner. Das Leben hat es mit ihnen allen gut gemeint, zum größten Teil haben sie vermutlich ausgesorgt, und nebenbei können sie immer noch ihrer alten Leidenschaft frönen.

          In Wimbledon wurde Mythos Becker geboren

          Wenn Boris Becker die Treppe zum Spielerbereich hochsteigt, bietet er einen bemerkenswerten Kontrast. Seine Profizeit hat deutliche Spuren hinterlassen, all die Aufschläge, bei denen er immer mit dem vollen Gewicht auf dem rechten Fuß landete und meistens sofort ans Netz stürmte, all die verzweifelten Versuche, einen Volley noch zu erreichen, als er sich wie ein Fußballtorwart nach dem Ball warf, was als Becker-Hecht in die Fachsprache einging, all das und so einiges andere ist nicht ohne Folgen geblieben. Becker ist 47 Jahre alt, er ist mehrfach operiert worden, er hat künstliche Hüftgelenke, und er hat vor allem extreme Probleme mit den Sprunggelenken. Er humpelt die Treppe hoch. Es tut beim Zusehen weh, wenn er sie später wieder herunterhumpelt. Und es tut noch mehr weh, wenn man die Bilder vor Augen hat, die in diesen Tagen auch in England natürlich gezeigt wurden.

          Spiel, Satz, Sieg – Boris Becker im Moment des Wimbledon-Siegs vor dreißig Jahren
          Spiel, Satz, Sieg – Boris Becker im Moment des Wimbledon-Siegs vor dreißig Jahren : Bild: SVEN SIMON

          Der 17 Jahre alte Leimener, der die Tenniswelt eroberte, das ist nun 30 Jahre her. Ein Teenager, dessen Kraft und Dynamik alle in seinen Bann zog. Und da fehlte im Rückblick auch die Szene aus dem Achtelfinale 1985 gegen Tim Mayotte nicht, als Becker an der Grundlinie wegrutschte und umknickte. Ein Jahr vorher hatte er sich in Wimbledon einen Bänderriss zugezogen, und nun schien sich das alles zu wiederholen. Becker humpelte nach vorne, hielt schon die Hand zum Zeichen der Aufgabe über das Netz, und oben schrien sich Manager Ion Tiriac und Trainer Günther Bosch heiser, damit ihr Spieler erst einmal den Physio auf den Platz hole. Das tat der unerfahrene Teenager schließlich, er bekam einen Tapeverband verpasst, er siegte in fünf Sätzen – und ein paar Tage später war der Mythos Becker geboren.

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