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Görges im Wimbledon-Halbfinale : „Auf dieses Spiel bin ich stolz“

Julia Görges kommt nah ans, aber nicht ins Finale. Bild: AFP

Angelique Kerber erreicht ihr zweites Wimbledon-Finale im Schnelldurchgang. Serena Williams verhindert, dass es dort ein deutsches Duell gibt. Dennoch ist Julia Görges zufrieden.

          Als Angelique Kerber am Donnerstagmittag die Lettin Jelena Ostapenko im Schnelldurchgang 6:3, 6:3 besiegt hatte, stand nur noch Serena Williams dem zweiten deutschen Damenfinale in der Wimbledon-Geschichte im Weg. Doch die siebenmalige Siegerin aus den Vereinigten Staaten verfolgte ihre eigenen Interessen mit Macht und Geschick. Die 36-Jährige ließ Julia Görges keine Chance. Die 29 Jahre alte Norddeutsche aus Bad Oldesloe wählte die richtige Taktik, versuchte mit kraftvollen Schlägen die Amerikanerin ins Laufen zu bringen.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Aber Williams, die nach ihrem Mutterschaftsurlaub zu Turnierbeginn nicht fit wirkte, demonstrierte alte Klasse. Sie zwang Görges zu einem höheren Risiko, als die Deutsche managen konnte. 2:6, 4:6 unterlag ihr Görges, obwohl sie viele spektakuläre Ballwechsel für sich entschied. „Es ist verrückt, ich weiß noch nicht mal, wie ich mich fühlen soll. In meinem vierten Turnier nach 16 Monaten Babypause konnte ich ganz befreit aufspielen. Ich dachte nicht, dass ich schon wieder so gut bin“, sagte Serena Williams unmittelbar nach dem Match, das für die begeisterten Zuschauer auf dem Centre Court ruhig hätte länger dauern können.

          Dazu bestand die Chance. Beim Stand von 2:6, 3:5, als Serena Williams zum Matchgewinn aufschlug, präsentierte sich Julia Görges als wahrer Champion. Im Moment, in dem die Niederlage drohte, spielte sie in Höchstform. Ihr gelangen drei spektakuläre Returns, und sie verkürzte durch das Rebreak auf 4:5. „Auf dieses Spiel bin ich stolz, an solche Returns könnte ich mich gewöhnen“, sagte Görges nach dem Match. Alles schien wieder offen. Doch sie hatte das Ende nur um wenige Minuten hinausgeschoben. Serena Williams konterte sofort das Aufschlagspiel der Deutschen und sicherte sich den Einzug ins Finale.

          „Das war der Unterschied, Serena wusste genau, was sie tun musste, um dieses Spiel zu gewinnen, mir fehlte die Erfahrung auf dieser großen Bühne.“ Sie hatte bei diesem Turnier zunächst ihr erstes Viertelfinale in einem Grand Slam erreicht und dann ihr erstes Halbfinale. „Glücklich, stolz und motiviert“, bezeichnete die Deutsche nach ihrer guten und mutigen Vorstellung ihre Gemütsverfassung. „Es hat lange gedauert, bis ich so eine Bühne in meiner Karriere betreten durfte, ich brenne darauf, es wieder zu tun. Hoffentlich geht es etwas schneller.“ Wimbledon 2018 war ihr 42. Grand-Slam-Turnier. Sie reiste mit ausschließlich positiven Gefühlen ab und kündigte an, bei der Rückkehr mit einem „Döner Kebab“ den Erfolg zu feiern.

          Angelique Kerber musste in ihrem Halbfinale auch in vielen Szenen die Überlegenheit ihrer Gegnerin anerkennen. Mit 30 direkten Punkten setzte die 21-jährige Ostapenko ihre erfahrene deutsche Widersacherin unter Druck. Doch mit 36 unerzwungenen Fehlern sorgte die Lettin auch gleich selbst wieder für die Entlastung. „Sie schlägt so hart, es war ein schweres Spiel für mich“, sagte Kerber unmittelbar nach dem Matchball, stolz und glücklich über die Aussicht, am Samstag wieder auf dem Centre Court zu stehen. „Für solche Spiele arbeite ich hart, seitdem ich ein kleines Kind bin.“ Die Ausgangspositionen für dieses Halbfinale waren klar verteilt vor dem ersten Ballwechsel. Hier die junge Lettin mit den unwiderstehlichen Schlägen und der Alles-oder-nichts-Attitüde.

          Die Kerber-Faust: Die Deutsche steht im Endspiel in Wimbledon. Bilderstrecke

          Auf der anderen Seite des Netzes die erfahrene Strategin und Konterspielerin, die mit einer geordneten und zähen Defensive die Gegnerin entnerven möchte. Es gab nichts, woran sich Kerber festbeißen und womit sie ihre Gegnerin entnerven konnte. Ostapenko traf den Ball so satt, dass auch die bekannt laufstarke Deutsche keine Chance hatte, ihn zurückzuspielen. Es kamen so gut wie keine Ballwechsel auf. Die Lettin spielte zwar auch zu Beginn nicht fehlerfrei, aber die Erfolgsquote ihrer Risikoschläge war durchaus in Ordnung, Beim Stand von 3:2 für die Gegnerin musste Kerber einen Breakball abwehren, was ihr mit einem Aufschlagwinner gelang. Dann schlug Ostapenko zwei Bälle ohne Not ins Netz – und die erste gefährliche Situation war überstanden. Es sollte die letzte bleiben.

          Von diesem Moment an wurde Ostapenko immer unsicherer. Kerber musste gar nicht selbst ins Risiko gehen, um den Rhythmus der Gegnerin mit Überraschungsangriffen zu brechen, die Gegnerin fand nicht mehr den Rhythmus. Grundlage für ihr erfolgreiches Sicherheitsspiel bildete ihr verbesserter Aufschlag, den die Lettin nie fast anzugreifen vermochte. Knapp 80 Prozent von Kerbers ersten Aufschläge fanden ihr Ziel. Der Rest war Konzentration bewahren, solide spielen und sich von so manchem Einschlag nicht entmutigen lassen. Die Fehler würden kommen.

          Und sie kamen. Das Break zum 4:3 für Kerber vollendete Ostapenko mit einem Schlag ins Netz, den 6:3-Satzgewinn für Kerber sicherte Ostapenko mit einem Doppelfehler. Der zweite Durchgang begann, wie der erste endete. Schnell ging Kerber 5:1 in Führung und hatte bei eigenem Aufschlag einen Matchball. Aus dem Gefühl heraus, nichts mehr verlieren zu können, entwickelte Ostapenko nun wieder mehr Sicherheit. Aber mit dem zweiten Matchball zum 6:3 schnappte sich Kerber den Sieg. In ihrem zweiten Wimbledonfinale trifft die 30-Jährige wie 2016 auf Serena Williams. Damals verlor sie nach großem Kampf, diesmal will sie es noch besser machen. „Ich weiß jetzt, was mich erwartet.“ Das ist schon mal ein Vorteil.

          Wimbledon-Finale mit Angelique Kerber am Samstag auch im ZDF

          Das Wimbledon-Finale mit Angelique Kerber wird auch im ZDF übertragen (Samstag ab 15.00 Uhr MESZ auch im F.A.Z.-Liveticker zu Wimbledon). Das teilte der Fernsehsender am Donnerstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Man habe sich mit dem Rechteinhaber Sky geeinigt, hieß es. Die bisherigen Spiele des Grand-Slam-Turniers in Wimbledon waren exklusiv von Sky übertragen worden. Der Pay-TV-Sender hatte sich die Rechte für Wimbledon-Übertragungen in Deutschland gesichert. Die TV-Rechte für die drei anderen Grand-Slam-Turniere in Melbourne, Paris und New York liegen bei Eurosport. (dpa)

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