17.11.2005 · Robert Hoyzer ist wegen betrügerischer Manipulation von Fußballspielen zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte lediglich eine Bewährungsstrafe gefordert. Die Anwälte kündigten Revision an.
Robert Hoyzer muß nun doch in Haft: Mit einer überraschenden Gefängnisstrafe für den früheren Schiedsrichter ist am Donnerstag in Berlin der erste Teil im Fußball-Betrugsprozeß zu Ende gegangen. Der 26jährige soll für seine Manipulationen für zwei Jahre und fünf Monate hinter Gitter und wirkte vor seinem Abschied aus dem Saal 500 des Berliner Landgerichtes geschockt. Sein Anwalt Thomas Hermes kündigte umgehend Revision an, nachdem die 12. Strafkammer über dem Antrag der Staatsanwaltschaft geblieben war. Die Anklage hatte nur zwei Jahre Haft auf Bewährung gefordert.
Auch die Anwälte des mutmaßlichen Drahtziehers Ante Sapina, der wie gefordert zwei Jahre und elf Monate Gefängnis erhielt, wollen beim Bundesgerichtshof in Leipzig Revision einlegen. Damit dürfte es ein rechtskräftiges Urteil erst im WM-Jahr 2006 geben. Der mitangeklagte frühere Schiedsrichter Dominik Marks erhielt ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung. Die Staatsanwaltschaft hatte anders als beim geständigen Hoyzer zwei Jahre Haft ohne Bewährung verlangt. Milan erhielt ein Jahr und vier Monate, Filip ein Jahr Gefängnis.
Strafen werden im offenen Vollzug verbüßt
Die Strafen für die beiden Brüder werden ebenfalls für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.
„Wir sind vom Urteil sehr enttäuscht. Das Gericht hat nicht tat- und schuldangemessen geurteilt“, sagte Hoyzers Verteidiger Hermes. Die Kammer sei anders als die Staatsanwaltschaft nicht einmal von banden- sondern nur gewerbsmäßigem Betrug ausgegangen und habe das Geständnis nicht mildernd genug gewertet. „Das gibt für Straftäter das Signal, nicht von Anfang geständig zu sein“ sagte Hermes (Siehe auch: Die Chronologie im Fall Hoyzer).
Hoyzer, der Anfang des Jahres für 13 Tage in Untersuchungshaft gesessen hatte, muß vorerst aber nicht einsitzen. Er bahnte sich durch ein Dutzend Kamerateams und zahlreiche Fotografen seinen Weg hinaus aus dem Kriminalgericht Berlin-Moabit. Wie Hoyzer darf auch Ante Sapina, der seit Ende Januar in Untersuchungshaft saß, vorerst in Freiheit bleiben. Sämtliche Haftbefehle sind aufgehoben, beide könnten ihre Strafen im offenen Vollzug verbüßen.
Ante Sapinas Anwalt Stefan Conen zeigte sich unzufrieden, nachdem er Freispruch beantragt hatte. Begründet hatte Sapinas dreiköpfiges Juristen-Team dies unter anderem damit, daß der staatliche Wettanbieter Oddset erst nach Bekanntwerden des Skandals manipulierte Wetten ausdrücklich in seinen Geschäftsbedingungen verboten hatte.
Kritik an Wettanbieter Oddset
Die Vorsitzende Richterin Gerti Kramer folgte dem in ihrer mündlichen Urteilsbegründung nicht, übte aber deutliche Kritik an Oddset. Nach dem DFB-Pokalspiel Paderborn - Hamburger SV seien der Verdacht und die Namen bekannt gewesen. „Es ist rätselhaft, wie Oddset nicht in der Lage ist, eine Strafanzeige an der richtigen Stelle anzubringen“, sagte die Richterin. Statt dessen habe Ante Sapina nach einem Gespräch bei Oddset weiter wetten dürfen. „Man wollte das Huhn, das goldene Eier legte, nicht gleich schlachten.“
Richterin Kramer sah Ante Sapina, Hoyzer und Marks nicht als Bande und beschrieb die Referees nur als Gehilfen, wertete die Taten aber als schwerwiegender und ordnete Hoyzer zwischen dem federführenden Kroaten und dem später dazu gekommenen Marks ein. Spätestens nach dem Pokalspiel in Paderborn und einem Anruf von Schiedsrichterkollege Lutz-Michael Fröhlich hätte Hoyzer die Manipulationen beenden können.
Der Geschäftsführende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, zeigte sich nach den ersten Urteilen im größten deutschen Fußball-Skandal seit 1971 erleichtert. „Wir sind froh, daß zehn Monate nach Bekanntwerden schon ein Strafurteil vorliegt, daß im Wesentlichen auf unseren Ermittlungen und denen der Staatsanwaltschaft beruht. Mit Blick auf die WM 2006 ist nichts Negatives zu erwarten“, sagte Zwanziger. Das Strafmaß wollte er nicht kommentieren, allerdings will der DFB nach Abschluß des Verfahrens zivilrechtlich vorgehen.
Zitate
„Ein Zweitliga-Schiedsrichter wird gut bezahlt. Er muß nicht gut sein, aber er muß wenigstens neutral sein.“
(Die Vorsitzende Richterin Gerti Kramer in ihrer Urteilsbegründung beim Fußball-Betrugsprozeß in Berlin)
„Man kann sich nicht mit einer Hand Asche aufs Haupt streuen und die andere aufhalten.“
(Ante Sapinas Rechtsanwalt Stefan Conen zur Medienpräsenz von Robert Hoyzer)
Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandsvorsitzender Bayern München): „Alles andere als eine Gefängnisstrafe wäre für mich eine große Überraschung gewesen. Er hat dem deutschen Fußball Riesenschaden zugefügt. Deshalb ist es absolut nachvollziehbar, daß das Gericht ein in der Härte akzeptables Urteil gefällt hat.“
Herbert Briem (Sportdirektor VfB Stuttgart): „Ich begrüße die Höhe des Strafmaßes. Es wurde ein wichtiges Zeichen gesetzt, daß solche Machenschaften im Profifußball nichts verloren haben. Das harte Durchgreifen sehe ich auch als Abschreckung.“
Heribert Bruchhagen (Vorstandschef Eintracht Frankfurt): „Ich bin nicht kompetent, das Urteil zu bewerten.“
Klaus Allofs (Sportdirektor Werder Bremen): „Ich habe mir über das mögliche Strafmaß keine Gedanken gemacht und möchte es daher auch nicht kommentieren.“
Dietmar Beiersdorfer (Sportchef Hamburger SV): „Uns steht es nicht zu, dieses Urteil zu kommentieren. Wir haben zu diesem Fall in der Vergangenheit genug gesagt.“