Beim Konförderationen Cup in Japan und Südkorea dürfte Sepp Blatter, der Präsident des Fußball-Weltverbandes (Fifa), seinem stärksten Widersacher die Hand schütteln. Denn der Südkoreaners Chung Mong Joon, Fifa-Vizepräsident und Mitglied des Organisationskomitees für die Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr, wird den Schweizer bei den Neuwahlen um die Präsidentschaft im Jahre 2002 herausfordern. Und dabei hat der Südkoreaner nicht nur einen Heimvorteil. Denn die Aktien von Blatter sind durch die ISL-Affäre stark gesunken.
Auch die Vertreter der Europäischen Fußball-Union (Uefa) unterstützen den Asiaten und mobilisieren alle Kräfte gegen den ungeliebten Schweizer. Schon bei der Exekutivsitzung am 12. Juni wird ein Misstrauensvotum der Europäer, die über ein Drittel der Sitze in diesem Gremium verfügen, erwartet.
Blatter will erneut kandidieren
Der mächtigste Mann im Fußball soll die Konsequzenzen ziehen für den finanziellen Verlust der Fifa im Zuge des Konkurses der Marketing-Agentur ISL/ISMM und sein Amt niederlegen. „Mein Rücktritt wäre Verrat am Fußball“, wehrt sich Blatter. „Außerdem hätte ich nicht einmal das Recht dazu“, sagte der 65-Jährige Schweizer in einem Interview mit der französischen Sportzeitung L Equipe.
Er habe ein Mandat vom Kongress, das er auch erfüllen werde. Nur ein Unfall oder eine schwere Krankheit könnten ihn zum Rücktritt bewegen. Er stehe zu seiner Verantwortung. Zudem wille der seit August 1998 amtierende Fifa-Präsident im Sommer 2002 erneut für eine zweite Amtsperiode kandidieren.
Chancen des südkoreanischen Konkurrenten steigen
Sein Konkurrent wird dann der Südkoreaner Joon sein. Die Chancen des Fifa-Vizes steigen, auch weil der Funktionär eine starke und einflussreiche Persönlichkeit ist. Der 49 Jahre alte Politiker ist Mitglied der Gründerfamilie des Hyundai-Konzerns, einer der rechsten Männer Asiens und in der Fifa-Exekutive der Wohlhabendste. Joong verfügt über großen Einfluss in der Fußball-Welt
Amtsinhaber Blatter selbst hatte zuletzt nur noch Krisenmanagement betreiben müssen. Mit der Absage der Vereins-Weltmeisterschaft in Spanien ist dem ansonsten gewiefte Taktiker ein großer Fehler unterlaufen. Denn die Vertreter aus Asien, Afrika und Australien nehmen ihm diese kurzfristige Absage übel. Da wird es auch nicht viel helfen, dass die Fifa Schadensersatz für die zwölf Clubs und den spanischen Veranstalter angekündigt hat. Doch die angekündigten 500 000 Dollar, die die Fifa als erste Zahlung versprochen hat, dürften kaum ausreichen. Nachdem dieser Wettbewerb gerade für die Nationen aus Afrika, Asien und Australien geschaffen wurde, dürfte ihn das weitere Stimmen kosten.
Blatters Krisenmanagement
So betreibt Blatter im Moment aktives Krisenmangement. Erneut wies er vehement Bestechungsvorwürfe im Zusammenhang mit seiner Wahl zurück. „Ich besteche nicht und bin nicht bestechlich. Während meiner Zeit als Fifa-Generalsekretär gab es einige Versuche mir gegenüber. Ich habe sie zurückgewiesen“, erläutert Blatter. Von dem angeblichen Schwarzgeldkonto der ISL/ISMM in Liechtenstein nichts wisse. „Davon habe ich nur aus der Presse erfahren“, betonte der Fifa-Boss.
Am Montag hatte der Fußball-Weltverband beim Untersuchungsgericht des Schweizer Kantons Zug gegen den einst weltweit wichtigsten Sportrechtehändler Strafanzeige wegen des Verdachts auf Betrug, Veruntreuung beziehungsweise ungetreue Geschäftsordnung eingereicht. ISL wird von Blatter bezichtigt, Gelder des brasilianischen Fernsehsenders O Globo auf ein der Fifa unbekanntes Konto bei einer Schweizer Großbank transferiert zu haben. Dabei soll es sich um umgerechnet etwa 90 Millionen Mark handeln.
Die Klage richtet sich gegen ISL-Finanzchef Hans-Jürg Schmid, Vizepräsident Hans-Peter Weber sowie gegen Unbekannt. Am 11. Juni wird sich die Fifa-Finanzkommission erneut treffen, bis dahin soll Klarheit geschafft werden, ob der Verdacht berechtigt ist. Einen Tag später versammelt sich das Exekutivkomitee. Blatter stehen also noch heisse Wochen bevor.