01.05.2002 · Wellness - ein bezauberndes Wort in aller Munde. Es klingt sanft nach Jungbrunnen und Schönheit. Doch was ist dran am Trend?
Wellness zieht an, Wellness ist ein Zeitgeist-Phänomen. Und doch ist Wellness im Wesentlichen eine Retro-Bewegung mit Rückbesinnung auf alte Traditionen.
Das Bedürfnis nach „Wohlfühlen" ist so alt wie die Menschheit selbst. Wellness gab es in allen Hochkulturen - bei den Römern, den Griechen, den Chinesen. Adressat der Wohlfühlanwendungen waren zu jeder Zeit Geist und Seele. Stets galten Entspannungs-Rituale als lebensverlängernd.
Wesentliche Welt aus Wasser und Stille
Auch Klöster und Ashrams stehen in dieser Tradition. Sie kombinieren spirituelle Erfahrungen und Askese seit vielen Jahrhunderten. Fernöstliche Glaubenssysteme, in denen es um „Energiefluss" und eine „harmonische Ordnung der Dinge" geht, erleben eine Renaissance.
Das arabisch-türkische Hamam ist eine Badezeremonie, die in modernen Wellness-Tempeln eine Wiedergeburt erlebt. Sie bringt die Ursprünge und den Kern der Wellness-Welt auf den Punkt - eine Welt aus Wasser und leisen Geräuschen, in der Verwöhnung durch Massage und rituelle Wassergüsse ausgeübt wird. Im Wesentlichen ist es eine Gegenwelt zum reizüberfluteten Alltag, in der in aller Stille das Bewusstsein für den eigenen Körper hergestellt wird.
Auf der Suche nach Lebensenergie und Sinn
Wellness umschließt eine anti-technische Gegenwelt ohne Zwänge, die Freizeit im Wesen des Begriffes zulässt: eigene Zeit abseits des von Hektik geprägten modernen Tagesablaufs. Wellness will Balance zwischen Körper, Geist und Seele herstellen. Balance zwischen Familie und Beruf, zwischen Innen- und Außenleben.
Die Ansprüche an die individuen sind gestiegen: Perfektion ist gefragt: Schönheit und Jugendlichkeit als Attitüde, Intelligenz, Erfolg in Beruf und Familie, soziale Kompetenz und gekonnte Selbstvermarktung. Versagen wird dem Einzelnen zugeschrieben, führt zu Scham und muss vermieden werden. Leistungsdruck wohin man sieht.
Wer kann da noch Abschalten? Zumal Wellness auch an Produkten „klebt" und in der Konsumwelt einen Siegeszug erlebt. Die Anpassungskrise des Menschen an die Moderne erzeugt Unsicherheiten und „Unwellness", die sich auf vielerlei Arten äußert: Von Allergien über Fettleibigkeit zu Depressionen.
Vom passiven zum aktiven Gesundheitsbegriff
Mit dem Blick nach „Innen" verschiebt sich der Gesundheitsbegriff. Von der Symptomkrankheit zur Wohlfühlkrankheit. Während Menschen sich früher krank fühlten, wenn klar erkennbare Symptome auftraten, führt heute schon das Fehlen einer bestimmten Lebensqualität zu Unwohlsein. Der Gesundheitsbegriff hat sich ausgeweitet.
Nach Werteumfragen des Institutes Allensbach ist Gesundheit für Jung und Alt das wichtigste Ziel. Pro-aktives Gesundheitsverhalten ist angesagt und beinhaltet eine Selbstverständlichkeit körperlicher Bewegung und ein Lebensstil zur Krankheitsvermeidung. Da Stress krank machen kann, gilt Entstressung des Alltags und somit Entspannung als Ziel. Sich etwas „gönnen" ist in. Für was auch immer Sie sich entscheiden in der weiten Welt des Wohlfühlens: Thalasso-Bäder, Massagen oder Sauna - Sie haben es sich verdient.