http://www.faz.net/-gtl-75ehf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 29.12.2012, 19:20 Uhr

Waldemar Hartmann Einer geht noch!

Diesen letzten Stammtisch hat sich Waldemar Hartmann verdient. Finden wir. Nach seinem Abschied von der ARD lassen wir ihn noch einmal richtig abledern. Er spricht über Jogis Waldorfschule, blondierte Fußball-Reporterinnen und seine Parade-Rolle als Weißbier-Waldi.

© Thilo Rothacker Hartmann mit Völler: „Jetzt ist der auf 180, wie geil“

Er  war die „Duz-Maschine“ und „Weißbier-Waldi“, der letzte Vertreter des Fußball-Stammtischs im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen. Hier kommt der ausrangierte Fußball-Reporter Waldemar Hartmann noch einmal zu Wort.

Es gibt große Verlierer im internationalen Sport im abgelaufenen Jahr: Totilas, Lance Armstrong, Jogi Löw. Dürfen wir auch Sie dazuzählen nach Ihrem Abschied von der ARD?

Da befinde ich mich ja in bester Gesellschaft. Und wenn ich mir so anschaue, was die erwähnten Verlierer so mitmachen mussten, zähle ich mich ja schon wieder zu den Gewinnern. Totilas soll geschlagen worden sein - so weit ging die ARD dann doch nicht. Lance Armstrong wurden alle Titel aberkannt - ich durfte meinen einzigen Titel „Weißbier-Waldi“ behalten. Und im Gegensatz zu Jogi werden meine Haare ganz seriös grau.

Wollen Sie damit andeuten, dass sich Bundestrainer Löw die Haare färbt, eine Art Gerhard Schröder des Fußballs?

Ich kenne Löws Geheimnis nicht. Aber wenn man nur zweite und dritte Plätze feiert, dann müssten eigentlich ein paar graue Haare durchschimmern. Aber er hat ja einen Vertrag mit Nivea, einem der großen Kosmetikkonzerne, vielleicht haben die ein Wundermittel an ihm ausprobiert.

Mal unabhängig von der Haarfarbe: Wie sehen Sie die Zukunft des Nationalteams und die von Löw?

Mit diesem Kader kann es nur darum gehen, einen großen Titel zu gewinnen. Wenn man jedes Qualifikationsspiel gewinnt, heißt das ja nicht viel. Qualifikationsspiele sind nicht gerade ein Witz, aber sie werden immer leichter und unbedeutender. Die Hoeneß-Generation hat noch gegen die Sowjetunion gespielt, und jetzt spielt Jogi gegen zwanzig Ex-Republiken. Der Balkan ist fünfmal größer geworden, und selbst Tschechien und die Slowakei sind jetzt zwei Länderspiele.

Sie halten Löw nicht für den Erfinder des Fußballs?

Wenn die Leute aus der Bundesliga von der „Jogi-Schule“ hören, dann verstehe ich, wenn sie sagen, hallo, die Götzes und die Özils und die Schürrles, die haben wir ausgebildet, der soll doch nicht so tun, als ob er denen das Kicken beigebracht hat. Wenn Jogi sein Vercoachen bei der EM gegen Italien auf die Füße fällt, darf er nicht sechs Wochen danach noch beleidigt sein. Das ist doch lächerlich. Fußball ist immer noch einer der härteren Männersportarten, aber wenn ich mir die Löw-Schule anschaue, dann denke ich immer, das ist eine Wohlfühloase, eine Reha-Zone, eine Art Waldorfschule, nach dem Motto, wenn der Mesut und der Toni nicht nach hinten arbeiten wollen, dann müssen sie das auch nicht, wenn es ihrer ganzheitlichen Entwicklung entgegensteht.

Waldemar Hartmann präsentiert Buch Weißbier-Waldi über seine Paraderolle: Stammtisch ist nicht nur platt, dumm, bierselig © dpa Bilderstrecke 

Warum sagt keiner offen, wir brauchen einen anderen Bundestrainer? Einen wie Klopp, der herauskitzeln kann, was fehlt.

Vielleicht kommt diese Diskussion, mal sehen. Aber Klopp werden sie kurzfristig nicht kriegen.

Was ist mit Horst Hrubesch, der mit den DFB-Junioren etliche Titel gewann?

Als Sammer vor vier Jahren beim DFB angefangen hat, habe ich mit ihm einen Spaziergang gemacht, da haben wir über seine Philosophie geredet: ,Was planst du beim DFB, was machst du anders?’ Da habe ich gesagt, von den Alten wird wohl zuerst der Horst ins Gras beißen, und da sagt Sammer zu mir: ,Da sieht man, dass du keine Ahnung hast, das ist unser bester Mann, einer, der die Sprache der Jungs spricht, der sieben oder acht Jahre Happel als Trainer hatte, der Titel gewinnt.’ Aber in unserer Medienglamourwelt hat es einer wie Hrubesch schwer. Er als Bundestrainer - ich weiß nicht, was Nivea dazu sagen würde.

Wie steht’s um die anderen Sportarten? Fußball macht alles platt, geht das so weiter?

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Reaktionen zur Auslosung Das ist eine Hammergruppe

Die Bayern freuen sich in der Champions League auf die schnelle Chance zur Revanche. Dortmund trifft alte Bekannte. Für Leverkusen ist alles möglich. Und die Gladbacher rechnen sich doch etwas aus. Mehr

25.08.2016, 20:04 Uhr | Sport
Einfach kochen Da haben Sie den Salat

Salat passt immer – besonders im Sommer. Sternekoch Frank Buchholz zeigt, wie Sie ihn schnell zubereiten und welche zwei Dressings unentbehrlich sind. Mehr Von Maria Wiesner

25.08.2016, 13:52 Uhr | Stil
Mainz-Manager Schröder So ein Standing muss man sich über Jahre erarbeiten

Rouven Schröder ist der Nachfolger von Christian Heidel bei Mainz 05. Im FAZ.NET-Interview spricht der neue Manager über seinen Spitznamen, seine Zeit ohne Fußball und die kommende Saison. Mehr Von Daniel Meuren, Mainz

25.08.2016, 15:32 Uhr | Sport
UN-Nothilfekoordinator Abschlachten in Syrien ist sündhaft

UN-Nothilfekoordinator Stephen O’Brien hat in einer Sitzung der Vereinten Nationen zu Syrien mit seiner Meinung nicht zurück gehalten. Er bezeichnete das Abschlachten in Syrien als Frevel gegen jede Moral: Das ist ein Versagen der Politik, von jedem von uns. Und Sie, als Mitglieder des UN-Sicherheitsrates, wissen das. Mehr

24.08.2016, 14:16 Uhr | Politik
Islamistischer Terrorismus Der IS ist keine One-Man-Show

Der Schriftsteller Abdel Bari Atwan spricht von einem digitalen Kalifat des Islamischen Staats. Selbst wenn der IS Gebiet verliere, könne er aus dem Untergrund Anschläge planen. Ein Gespräch über Terror in Zeiten sozialer Medien. Mehr Von Anna Reuß

25.08.2016, 14:22 Uhr | Politik

Ein neuer Stil für die Fußballfrauen

Von Daniel Meuren

Der Olympiasieg der Fußballfrauen ist erst vier Tage alt – und scheint so weit entfernt. Die neue Bundestrainerin Steffi Jones will vieles anders machen als Silvia Neid und zeigt das auch gleich. Mehr 15 22