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Waldemar Hartmann Einer geht noch!

Diesen letzten Stammtisch hat sich Waldemar Hartmann verdient. Finden wir. Nach seinem Abschied von der ARD lassen wir ihn noch einmal richtig abledern. Er spricht über Jogis Waldorfschule, blondierte Fußball-Reporterinnen und seine Parade-Rolle als Weißbier-Waldi.

© Thilo Rothacker Hartmann mit Völler: „Jetzt ist der auf 180, wie geil“

Er  war die „Duz-Maschine“ und „Weißbier-Waldi“, der letzte Vertreter des Fußball-Stammtischs im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen. Hier kommt der ausrangierte Fußball-Reporter Waldemar Hartmann noch einmal zu Wort.

Es gibt große Verlierer im internationalen Sport im abgelaufenen Jahr: Totilas, Lance Armstrong, Jogi Löw. Dürfen wir auch Sie dazuzählen nach Ihrem Abschied von der ARD?

Da befinde ich mich ja in bester Gesellschaft. Und wenn ich mir so anschaue, was die erwähnten Verlierer so mitmachen mussten, zähle ich mich ja schon wieder zu den Gewinnern. Totilas soll geschlagen worden sein - so weit ging die ARD dann doch nicht. Lance Armstrong wurden alle Titel aberkannt - ich durfte meinen einzigen Titel „Weißbier-Waldi“ behalten. Und im Gegensatz zu Jogi werden meine Haare ganz seriös grau.

Wollen Sie damit andeuten, dass sich Bundestrainer Löw die Haare färbt, eine Art Gerhard Schröder des Fußballs?

Ich kenne Löws Geheimnis nicht. Aber wenn man nur zweite und dritte Plätze feiert, dann müssten eigentlich ein paar graue Haare durchschimmern. Aber er hat ja einen Vertrag mit Nivea, einem der großen Kosmetikkonzerne, vielleicht haben die ein Wundermittel an ihm ausprobiert.

Mal unabhängig von der Haarfarbe: Wie sehen Sie die Zukunft des Nationalteams und die von Löw?

Mit diesem Kader kann es nur darum gehen, einen großen Titel zu gewinnen. Wenn man jedes Qualifikationsspiel gewinnt, heißt das ja nicht viel. Qualifikationsspiele sind nicht gerade ein Witz, aber sie werden immer leichter und unbedeutender. Die Hoeneß-Generation hat noch gegen die Sowjetunion gespielt, und jetzt spielt Jogi gegen zwanzig Ex-Republiken. Der Balkan ist fünfmal größer geworden, und selbst Tschechien und die Slowakei sind jetzt zwei Länderspiele.

Sie halten Löw nicht für den Erfinder des Fußballs?

Wenn die Leute aus der Bundesliga von der „Jogi-Schule“ hören, dann verstehe ich, wenn sie sagen, hallo, die Götzes und die Özils und die Schürrles, die haben wir ausgebildet, der soll doch nicht so tun, als ob er denen das Kicken beigebracht hat. Wenn Jogi sein Vercoachen bei der EM gegen Italien auf die Füße fällt, darf er nicht sechs Wochen danach noch beleidigt sein. Das ist doch lächerlich. Fußball ist immer noch einer der härteren Männersportarten, aber wenn ich mir die Löw-Schule anschaue, dann denke ich immer, das ist eine Wohlfühloase, eine Reha-Zone, eine Art Waldorfschule, nach dem Motto, wenn der Mesut und der Toni nicht nach hinten arbeiten wollen, dann müssen sie das auch nicht, wenn es ihrer ganzheitlichen Entwicklung entgegensteht.

Waldemar Hartmann präsentiert Buch Weißbier-Waldi über seine Paraderolle: Stammtisch ist nicht nur platt, dumm, bierselig © dpa Bilderstrecke 

Warum sagt keiner offen, wir brauchen einen anderen Bundestrainer? Einen wie Klopp, der herauskitzeln kann, was fehlt.

Vielleicht kommt diese Diskussion, mal sehen. Aber Klopp werden sie kurzfristig nicht kriegen.

Was ist mit Horst Hrubesch, der mit den DFB-Junioren etliche Titel gewann?

Als Sammer vor vier Jahren beim DFB angefangen hat, habe ich mit ihm einen Spaziergang gemacht, da haben wir über seine Philosophie geredet: ,Was planst du beim DFB, was machst du anders?’ Da habe ich gesagt, von den Alten wird wohl zuerst der Horst ins Gras beißen, und da sagt Sammer zu mir: ,Da sieht man, dass du keine Ahnung hast, das ist unser bester Mann, einer, der die Sprache der Jungs spricht, der sieben oder acht Jahre Happel als Trainer hatte, der Titel gewinnt.’ Aber in unserer Medienglamourwelt hat es einer wie Hrubesch schwer. Er als Bundestrainer - ich weiß nicht, was Nivea dazu sagen würde.

Wie steht’s um die anderen Sportarten? Fußball macht alles platt, geht das so weiter?

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