Dass nichts mehr so sein werde wie zuvor, war eine der Standardformulierungen nach dem 11. September. Die Vorhersage hat sich als falsch entpuppt. Das öffentliche Leben in Kultur, Politik, Wirtschaft und Sport ist längst wieder zum Alltagsgeschäft zurückgekehrt.
Doch für die XIX. Olympischen Winterspiele vom 8. bis zum 24. Februar in Salt Lake City gelten die mahnenden Worte nach wie vor. Die Terroranschläge von New York und Washington haben das Thema Sicherheit unverrückbar auf Platz eins der Agenda gesetzt.
Unbeugsamkeit gegen Terror
Wie schon lange nicht mehr werden die Olympischen Spiele instrumentalisiert: Sie sollen das deutliche Signal der Unbeugsamkeit gegen den Terror sein. Bleiben die 17 Tage von Salt Lake friedlich, kommen alle Sportler unbeschadet zurück in ihre Heimat, könnte tatsächlich eine Botschaft von den Spielen ausgehen, die weit über die Welt des Sports ausstrahlt.
Deshalb gilt den Sicherheitsfragen oberste Priorität. Kaum ein Ort auf dem Globus dürfte so gut bewacht sein. Der Luftraum über dem olympischen Terrain ist gesperrt. Jedes Auto, jede Person, jeder Brief - kurz alles, was von außerhalb in die Sicherheitszone Salt Lake City kommt, wird eingehend überprüft.
Patriotisches Fest zu erwarten
7.000 Sicherheitskräfte aus 20 Organisationen und 3.100 Mann der Nationalgarde sollen Sicherheit garantieren, gleichzeitig aber möglichst unsichtbar bleiben. Auf jeden der 2.350 Athleten kommen so theoretisch vier bis fünf Aufpasser.
Die USA werden fünf Monate nach dem Terroranschlag aus dem olympischen ohne Frage ein patriotisches Fest machen. Das Startsignal dafür will Präsident George W. Bush trotz des Widerstandes seiner Sicherheitsberater bei der Eröffnungsfeier im Rice-Eccles-Stadium persönlich geben.
Keiner redet mehr von Korruption
Der Korruptionsskandal um die Vergabe der Spiele in die Mormonenstadt rückte so längst in den Hintergrund gerückt. Von den zehn ausgeschlossenen Mitgliedern des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und den von der Staatsanwaltschaft bestätigten 1,2 Millionen Dollar (1,35 Millionen Euro) für Bestechungsgeschenke spricht kaum noch einer. Bestraft wurde niemand, Salt Lake behielt die Spiele.
Auch sonst ist es eher still um die üblichen Top-Themen: dem olympische Gigantismus auf allen Ebenen gelten nur Randbemerkungen. Doping-Diskussionen sind in den HIntergrund getreten. Vom Wetter, sonst bei Winterspielen der Dauerbrenner, redet noch niemand. Und die eigentlichen Hauptdarsteller, die Athleten, müssen sich ihren Platz im Rampenlicht erst noch erarbeiten.
Deutsche Sportler sollten die Hauptrolle spielen
Nicht wenige erwarten, dass die ohnehin bei Großereignissen stets perfekt präparierten US-Sportler wieder über sich hinauswachsen werden. Wichtige Hauptrollen auf Pisten, in Loipen und auf dem Eis könnten aber wieder die deutschen Sportler übernehmen. Vieles spricht dafür, dass Georg Hackl, Sven Hannawald, Anni Friesinger und Co. wie schon vor vier Jahren in Nagano die meisten Medaillen sammeln werden.
In den japanischen Alpen rangierte die deutsche Mannschaft damals mit zwölf Gold-, neun Silber- und acht Bronzemedaillen zum ersten Mal bei Winterspielen an der Spitze der Nationenwertung vor Norwegen (10/10/5) und Russland (9/6/3). Der vorolympische Winter 2001/02 verlief so gut, dass der Sportdirektor des Deutschen Sportbundes (DSB) Rolf Ebeling nun sogar sagte, er wäre "sehr enttäuscht, wenn unsere Mannschaft schlechter Abschneiden würde als in Nagano".
Zumindest seine Worte sind ein guter Einstieg in die üblichen Diskussionen. "Wer ist Favorit, und warum hat es nicht geklappt? Wie waren die Bedingungen, die Form, das Material?" Dann wäre auch bei Olympia alles wieder so, wie es immer war. Und das wäre doch sehr beruhigend.