„Es gab einen lauten Knall, und dann kam der Mast von oben“, berichtet niedergeschlagen Skipperin Lisa Macdonald. An Bord ist niemand verletzt. Unter Notrigg, einem etwa zehn Meter langen Stumpf, humpelt die Yacht nun ins nur noch 300 Meilen entfernte Kanada. Die siebte Etappe von Annapolis/USA nach La Rochelle/Frankreich des Volvo Ocean Race rund um den Globus ist für das Frauenboot „Amer Sports Too“ beendet.
In Halifax/Nova Scotia wird das Team die Entscheidung fällen, ob und wo ein Ersatzmast gestellt wird. Von dort aus wird die Yacht per Frachter nach La Rochelle gebracht.
Zweiter Mastbruch für Skipperin MacDonald
Mastbruch zu erleiden ist das Schlimmste, was Seglern auf hoher See passieren kann - gerade auf Regatten. Denn zu der bedrohlichen Havarie-Situation kommt noch das ungute Gefühl, vor den Augen der Weltöffentlichkeit einen schweren Planungsfehler begangen zu haben. Denn schwere Schäden, so meinen viele, seien mit sorgfältiger Vorbereitung zu vermeiden. Und unsorgfältige Vorbereitung gehöre nicht auf See.
Für Lisa Macdonald ist der Mastbruch auf ihrer „Amer Sports Too“ bereits der zweite, den sie während der Weltregatta erlebt: Vor vier Jahren brach der Alu-Mast der schwedischen „EF Education“ vor Kap Hoorn. Viele der aktuellen Macdonald-Crew waren damals ebenfalls an Bord. Das ungute Gefühl von 1998 werden sie noch nicht vergessen, die Scharte in ihrer Erinnerung noch nicht ausgewetzt haben. Und nun das.
„illbruck“ weiter in Führung
Dabei wird schon angesichts der geringen Windstärke während des Unfalls (zwölf Knoten Wind) klar, dass ein Bedienungsfehler des Riggs seitens der weiblichen Crew ausgeschlossen ist.
Unterdessen verteidigte die Leverkusener Hochseeyacht „illbruck“, die am Dienstag mit 484 Seemeilen einen neuen 24 Stunden-Weltrekord aufgestellt hatte, ihre Führung. Allerdings war der Vorsprung am Mittwoch Mittag wegen schwächerer Winde an der Spitze des Felds auf elf Seemeilen vor der „Assa Abloy“ (Schweden) geschrumpft.
Am fünften Tag nach dem Start an der Ostküste der USA wurden die Bedingungen an Bord der Rennyachten allmählich ungemütlicher. Die Wassertemperatur ist trotz des Golfstrom auf 16 Grad gesunken und die frischen westlichen Winde um Stärke fünf sollten zum Wochenende hin wieder zunehmen.