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Vierschanzentournee Katerstimmung bei deutschen Skispringern

 ·  Nach dem ersten Teil der Vierschanzentournee macht sich Enttäuschung bei der deutschen Mannschaft breit. Vom Ziel Gesamtsieg müssen sich Trainer Werner Schuster und sein Team schon vor dem ersten Springen in Österreich verabschieden.

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© REUTERS Vergrößern Große Hoffnung, am Ende war es leider nichts: Bundestrainer Werner Schuster winkt schon mal ab

Die Karawane ist weitergezogen. Und ausgerechnet in den Reihen der beiden Mannschaften, die eigentlich dieser Vierschanzentournee ihren Stempel aufdrücken wollten, war die Stimmung bei der Ankunft in Innsbruck gedrückt. Während die um gleich drei Sieganwärter dezimierten Österreicher durch ihren letzten verbliebenen Topmann, den zweitplatzierten Gregor Schlierenzauer, immerhin noch die greifbare Chance auf den Triumph vor Augen haben, verabschiedete sich das Team des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) vorzeitig von allen Wunschträumen: Auch bei diesem Anlauf springt es mal wieder nicht um den Gesamtsieg.

Severin Freund, der beste deutsche Mann, liegt im Klassement zur Halbzeit schon vier Plätze hinter dem Überraschungsführenden Anders Jacobsen aus Norwegen zurück und scheint nicht mehr in der Lage, im zweiten Abschnitt der Tournee das Blatt noch zu seinen Gunsten zu wenden. „Er ist immer noch in einer sehr guten Verfassung, aber es ist ihm nicht mehr so leicht von der Hand gegangen. Seine Sprünge kommen nicht mehr konstant“, stellte Werner Schuster fest. Der Bundestrainer hinterließ nach der Darbietung in Garmisch-Partenkirchen einen bedrückten Eindruck. Während er seine Zwischenbilanz zog, liefen ein Stockwerk darunter in der Disco im Teamhotel letzte Vorbereitungen für eine abendliche „Katerparty“ - auf der sich mancher Protagonist aus dem deutschen Tross in seiner zerknirschten Verfassung sicherlich ohne weiteres unter die Gäste hätte mischen können.

Enttäuschung beim Trainer

Es lag nicht an einer über Gebühr langen Silvesterfeier, dass sich die deutschen Athleten bei der Neujahrsveranstaltung mehrheitlich in einer Form präsentierten, die bei weitem nicht an die Klasse der Topleute Jacobsen und Schlierenzauer heranreichte. Von einer „gewissen Kluft“ zur Führungsgruppe sprach Schuster. Er machte aus seiner Enttäuschung über das Abschneiden, bei dem Youngster Andreas Wellinger als Neunter der größte Lichtblick war, keinen Hehl: „Unser Anspruch ist ein anderer.“ Der 43-Jährige sagte, er sei sich „eigentlich sicher“ gewesen, „dass unser Potential dazu genügt, um unter die Top drei zu kommen“. Als Ursachen für den Rückschlag kämen körperliche und mentale Anstrengungen in Frage, außerdem sei offenbar noch nicht jeder in der Lage, den gestiegenen Erwartungsdruck auf den Schanzen in Taten umzusetzen. „Im Laufe einer Saison haben sich Spitzenspringer immer mal einen Tag eine Auszeit genommen. Wir werden alles daran setzen, dass es bei einem Tag bleibt“, sagte Schuster, der am freien Mittwoch mit der Mannschaft auf Einladung eines Sponsors ein Fahrsicherheitstraining im Schnee absolvierte, um sich „aktiv zu erholen und an etwas anderes zu denken“.

Fast mehr noch als die Schwächephase seiner Leader Freund und Richard Freitag, der völlig von der Rolle ist, machte Schuster die Tatsache zu schaffen, dass er, um die vom Reglement nun vorgeschriebene Reduzierung auf sechs Teilnehmer zu erfüllen, mit dem 19 Jahre alten Karl Geiger ein Talent zugunsten Martin Schmitts aus dem A-Team aussortieren musste. „Das tut verdammt weh“, sagte er. „Es ist unbefriedigend für meine Person, an einem Tag, an dem es nicht gelang, in die Spitze zu kommen, solch eine Entscheidung treffen zu müssen. Sie beeinflusst nicht den Verlauf der Tournee, aber unsere Entwicklung.“

Der von ihm propagierte Weg der Verjüngung des DSV-Kaders und des „Umbruchs mit Bedacht“ sah an diesem Wochenende eigentlich einen Start des 34 Jahre alten Schwarzwälders im zweitklassigen Continentalcup im polnischen Ort Zakopane vor. Bei günstigem Verlauf hätte er dort einen weiteren Weltcup-Startplatz für den Verband verdienen können. Doch Schmitts sportliche Wiederauferstehung, die ihn auf den zwölften Platz der Gesamtwertung führte, ließ dem Coach keine andere Wahl: „Nach dieser Darbietung gebietet es der Respekt, nicht irgendwelche taktischen Überlegungen vorne anzustellen.“ Schmitt selbst ist momentan der wohl am besten gelaunte Akteur im DSV-Lager: „Ich bin nicht tot zu kriegen und heiß auf gute Wettkämpfe“, sagte der Routinier, der mit dem für ihn unverhofften Trip nach Innsbruck besonders gute Erinnerungen verbindet: Vor vier Jahren stand er dort als Dritter letztmals auf dem Tournee-Podium.

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02.01.2013, 18:03 Uhr

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Von Anno Hecker

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