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Vierschanzentournee Hannawalds perfekte Sprünge ins neue Jahr

Sven Hannawald flog auch beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen der Konkurrenz davon und ist nun Favorit auf den Gesamtsieg der Vierschanzentournee.

© AP Vergrößern Strahlemann: Sven Hannawald

Zweites Springen, zweiter Triumph: „Rekordjäger“ Sven Hannawald fliegt dem Gesamtsieg bei der 50. Vierschanzentournee entgegen und kann sogar vom historischen Vierfacherfolg träumen.

Der 27-Jährige tanzte nach seinem Auftakterfolg auch beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen als von 35.000 begeisterten Fans gefeierter Sieger durch den Zielraum. In der Gesamtwertung des „Skisprung-Grand-Slams“ baute der zum 50. deutschen Tourneeeinzelsieg geflogene Hannawald seine Führung auf 19,9 Punkte oder elf Meter vor dem Polen Adam Malysz aus.

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Freude pur

Den letzten deutschen Gesamttriumph hatte Jens Weißflog 1995/1996 gefeiert. „Mein Puls ist auf 200, ich kriege fast einen Herzkasper. Wenn das so weitergeht, muss ich nächstes Jahr als Kombinierer weitermachen. Aber ich genieße das - es ist so geil und die pure Freude. Ich schnalle das einfach gar nicht“, erklärte der wieder nur als „Lucky Loser“ in den Finaldurchgang gekommene Hannawald.

Hannawald, Sven Jubel © dpa Vergrößern Erlösungsschrei: Sven Hannawald

Bei eiskaltem Kaiserwetter segelte der Skiflug-Weltmeister mit Flügen auf 122,5 und 125 Meter zur Gesamtnote von 264,5 Punkten. Platz zwei belegte der Österreicher Andreas Widhölzl (262,8 Punkte/122+124 Meter) vor Malysz (259,7/121,5+122,5). Martin Schmitt, der 1998/1999 als letzter Flieger die beiden Auftaktspringen gewonnen hatte, zeigte mit Platz acht einen Aufwärtstrend. Stephan Hocke (Oberhof) wurde Elfter.

100.000 Euro verdient

Die 50.000 Euro Prämien erhöhten Hannawalds Tournee-Konto auf 100.000 Euro. Der wie Weißflog in Erlabrunn geborene Hinterzartener kann nun nicht nur vom Tournee-Triumph träumen, sondern als erster Skispringer der Geschichte vier Einzelsiege bei der Tournee feiern: „Es wäre schön, wenn ich als erster vier Springen gewinnen würde. An die Gesamtwertung denke ich nicht - ich brauche blos mal beim Jubeln in den Schnee zu stürzen und dann ist alles vorbei.“

In der Gesamtwertung führt Hannawald vor den beiden abschließenden Tournee-Springen in Innsbruck (4. Januar) und Bischofshofen (6. Januar) mit 524,7 Punkten vor Malysz (504,8 Punkte), dem Schweizer Simon Ammann (502,6) und Widhölzl (502,5). Schmitt ist Zwölfter (462,6). Der mit dem Song „We are the Champions“ gefeierte Hannawald ist vor den beiden Austria-Springen optimistisch: „Die neue Schanze in Innsbruck dürfte mir als Flieger liegen - und in Bischofshofen halte ich den Schanzenrekord.“

"Nervlich ziemlich fest"

Im Gesamtweltcup kam der zum dritten Saisonsieg geflogene Hannawald mit 599 Punkten Spitzenreiter Malysz (915) näher. „Sven war nervlich ziemlich fest, hat keine perfekten Sprünge gezeigt. Dass er so trotzdem noch gewinnt, macht mir viel Hoffnung in Richtung Tourneesieg“, erklärte Bundestrainer Reinhard Heß.

Wie in Oberstdorf hatte Hannawald nach zwei überragenden Trainingssprüngen auf die Qualifikation auf der Olympiaschanze verzichtet. In der Probe segelte der Schwarzwälder dann auf starke 126,5 Meter. Im ersten Durchgang flog Hannawald auf die Besweite, lag aber mit 0,6 Punkten Rückstand auf seinen besser benoteten direkten K.o.-Gegner Andreas Widhölzl jedoch nur auf Platz zwei.

"Lange mache ich das nicht mehr mit"

Hannawald kam nur als bester „Verlierer“ ins Finale und war schon da dem Nervenzusammenbruch nahe: „Lange mache ich das nicht mehr mit.“ Im Zielraum machten Hannis Vater Andreas und Mutter Regina mit einer selbstgebastelten Rassel Lärm und ihr Sohn segelte zum Triumph.

Schmitt zeigte nach Platz 19 zum Auftakt mit dem achten Platz beim Neujahrsspringen (243,3 Punkte/116+120 Meter) einen Aufwärtstrend und war dennoch nicht zufrieden: „Mir fehlen immer noch ein paar Meter. Ich will bei der Tournee noch einmal aufs Podest. Mit einer Platzierung unter den Top 10 kann ich nicht zufrieden sein - das ist nicht mein Anspruchsniveau.“

Wachtelkeule zu Silvester

Heimtrainer Wolfgang Steiert war dagegen erleichtert: „So bringen wir Martin wieder in Siegerform.“ Newcomer Hocke (237,8/121+115) zeigte sich verbessert: „Meine neue Freundin hat mich beflügelt. Ich habe Selbstvertrauen.“ Christof Duffner (Schönwald) wurde 23., Georg Späth (Oberstdorf) landete auf Platz 25. Den Silvesterabend hatten Hannawald, Schmitt und Co in ihrem Hotel „Eibsee“ außerhalb von Garmisch-Partenkirchen mit einem Sieben-Gänge-Menü verbracht.

Die Highlights des Gourmet-Programms waren Wachtelkeulen und Orangensorbet. „Mitternacht haben wir dann eine Flasche Champagner geköpft. Dann bin ich brav ins Bett“, schilderte Hannawald den kalorienträchtigen „Sprung“ ins Jahr 2002.

In der Form seines Lebens

Der 27-Jährige befindet sich in der Form seines Lebens: „Ich bin ziemlich gut drauf, das Material ist perfekt.“ Nach dem Skiflug-Weltmeistertitel 2000 fliegt der zweimalige Teamweltmeister dem größten Einzelerfolg seiner Kariere entgegen. Platz zwei wie 1997/98 reicht ihm diesmal nicht. Für die beiden Tourneespringen in Österreich nominierte Heß Hannawald, Schmitt, Hocke, Späth, Duffner, Alexander Herr (Rohrhardsberg) und Michael Uhrmann (Rastbüchl. Der achte Platz ist noch vakant.

Ergebnisübersicht des 2. Springens der Vierschanzentournee in Garmisch-Partenkirchen:
1. Sven Hannawald 264,5 Punkte (122,5/125 m), 2.Andreas Widhölzl (Österreich) 262,80 (122/124); 3. Adam Malysz (Polen) 259,7 (121,5/122,5); 4. Hiroki Yamada (Japan) 259,1 (120/124,5); 5. Simon Ammann (Schweiz) 253,00 (120,5/120); 6. Matti Hautamäki (Finnland) 252,0 (116,5/123,5); 7. Martin Höllwarth (Österreich) 245,30 (117,5/121); 8. Martin Schmitt 243,3 (116/120);...11. Stephan Hocke 237,8 (121/115)
... 23. Christof Duffner 226,6 (113,5/116); 25. Georg Späth 224,10 (111,5/115,5).

Gesamtstand nach zwei Springen:
1. Sven Hannawald (Hinterzarten) 524,7 Punkte; 2. Adam Malysz (Polen) 504,8; 3. Simon Ammann (Schweiz) 502,6; 4. Andreas Widhölzl (Österreich) 502,5; 5. Matti Hautamäki (Finnland) 500,1; ... 12. Martin Schmitt 462,6; ...; 17. Georg Späth (Oberstdorf) 456,8

Quelle: @hel, dpa, sid

 
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