Überflieger Sven Hannawald segelt konkurrenzlos dem Grand Slam der Skispringer entgegen. Nach seinen Triumphen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen gewann er auch den Wettbewerb in Innsbruck überlegen.
„Das ist sensationell. Jetzt fahre ich voller Euphorie nach Bischofshofen“, jubelte Hannawald nach den jeweils weitesten Sprüngen von 134,5 und 128 m, für die er 270,0 Punkte erhielt. Und der 27-Jährige Überflieger kündigte an: „Ich greife noch einmal voll an.“
Sonderprämie für den Vierfach-Sieg ausgesetzt
Nachdem er den Hattrick perfekt gemacht hatte, schlug er die Hände vor das Gesicht und blieb fassungslos im Schnee liegen. „Die fantastische Kulisse hat mich zusätzlich nervös gemacht. Als achter Springer der Geschichte hat Hannawald die ersten drei Tournee-Wettbewerbe gewonnen - aber noch keiner schaffte es, alle vier Springen zu gewinnen.
Nach dem Sieg-Hattrick setzten die Tournee-Verantwortlichen eine zuvor nicht geplante Super-Prämie von 50.000 Euro aus, wie Oberstdorf-Chef Claus-Peter Horle erklärte. „Der Vierfach-Sieg für Sven ist möglich“, erklärte Bundestrainer Reinhard Heß: „Der Junge hat eine solche Spitzenform. Er muss nur ruhig bleiben.“
Chancen auf den Gesamtsieg sind sehr groß
Ob mit oder ohne vierten Tagessieg, Hannawalds Chancen auf den Gesamtsieg sind erstklassig. Der Abschluss-Wettbewerb steigt in Bischofshofen (Sonntag, 13.45 Uhr) ausgerechnet auf jener Schanze, wo der 27-jährige seine bislang größten Triumphe feierte. Dort holte er sich vor vier Jahren den ersten seiner nun insgesamt zehn Weltcup-Siege. Dort wurde er 1999 Weltmeister und sagte selbst: „Ich halte in Bischofshofen mit 137 Metern den Schanzenrekord, die Anlage liegt mir.“
Ansonsten hatte er noch seine Probleme mit der Einordnung: „Ich kapiere das alles gar nicht. Trotz des ganzen Nervendrucks gelingen mir einfach phänomenale Sachen“, jubelte er. Auf der neuen Bergisel-Schanze landete der 27-Jährige mit Schanzenrekord (134,5 Meter) den ersten deutschen Sieg seit 18 Jahren (Jens Weißflog/1984). Der zweitplatzierte Adam Malysz (Polen) lag schon 23 Punkte zurück. Weltmeister Martin Schmitt bestätigte seinen Aufwind und steigerte sich auf den fünften Platz.
„Ich brauche noch zwei gute Sprünge"
Hannawald baute seine Führung in der Gesamtwertung auf 42,9 Punkte oder umgerechnet 24,5 Weitenmeter vor Titelverteidiger Malysz aus. „Ich beschäftige mich nicht mit dem Gesamtsieg. Ich brauche noch zwei gute Sprünge in Bischofshofen und werde weiter so beschissen schlafen, wie in den letzten Tagen“, sagte Hannawald mit Freudentränen in den Augen.
Vor der Siegerehrung ließ sich der Tournee-Star minutenlang von den mehr als 20.000 Zuschauern im Schanzenauslauf feiern. Sein Preisgeld-Konto bei der Tournee stieg nach dem dritten Sieg auf 135.000 Euro an. „Ich genieße den Moment und werde jetzt ein wenig feiern."
„Das war Genießen pur"
Wie in den beiden Wettbewerben zuvor hatte Hannawald auch in Innsbruck die Qualifikation ausgelassen und musste deshalb im ersten Wertungsdurchgang entsprechend des K.o.-Modus gegen Österreichs Qualifikationssieger Martin Höllwarth antreten. Doch die Hoffnung der Einheimischen, die am „Berg der Tiroler“ die Dominanz von Hannawald brechen wollten, erfüllte sich nicht.
Der Schwarzwälder zertrümmerte im ersten Wertungssprung mit dem Schanzenrekord von 134,5 Metern den Optimismus der gesamten Konkurrenz und sprang acht Meter weiter als Höllwarth, der den Rest des Feldes anführte. „Das war Genießen pur. Ich habe mich richtig schön in die Latten gelegt. Ein Übersprung“, jubelte Hannawald nach dem weitesten Sprung der gesamten Tourneegeschichte (bisher Malysz/134,0 im Vorjahr in Bischofshofen).
Ein halben Meter höher als die Konkurrenz
Sportlich ist er der Konkurrenz derzeit um Meilen voraus. „Die Kraft ist da, die Konzentration auch“, erklärte Hannawald, der eine um einen halben Meter höhere Flugbahn als Malysz hatte. „Optimal, aber ich muss jetzt aufpassen, dass nicht alle dem Sven auf die Schulter klopfen“, meinte Heß.
Im Finale stand Hannawald mit 128 Metern erneut die beste Weite. „Der springt wie er will, einfach in einer anderen Liga“, meinte Schmitt, der 122,5 und 121 Meter schaffte und nach seiner besten Platzierung seit neun Weltcups sogar eine Jubel-Faust zeigte. Von der Mannschaft des Deutschen Skiverbandes (DSV) überzeugte auch Stephan Hocke als Neunter. Georg Späth landete auf Platz 14 und erfüllte zugleich als vierter DSV-Springer die interne Olympia-Norm.
Neue Schanze in guter Verfassung
Nach den Skandalen im Vorfeld und dem bedrohlichen Bauverzug (erst am Silvestertag konnte der erste Skispringer den Bakken testen) präsentierte sich die von einem arabischen Architektur-Büro entworfene Schanze in vorzüglicher Verfassung.
Vor dem Wettkampf wurde noch die mangelhafte Anlaufspur begradigt, der zunächst knüppelharte Landehang aufgelockert. Am Ende stimmte sogar der Zuschauer-Andrang. Obwohl der Kartenvorverkauf erst einen Tag zuvor begonnen hatte.