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Vierschanzentournee Hannawald riskiert zu viel: Sturz, Platz zwölf, Po geprellt

 ·  Der Finne Janne Ahonen führt die Gesamtwertung der Vierschanzentournee nach dem zweiten Springen in Garmisch-Partenkirchen an.

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Sven Hannawald ist beim Neujahrsspringen vom Tournee-Thron gestürzt. Nach fünf Einzelsiegen in Folge konnte der Titelverteidiger einen 124-Meter-Flug nicht stehen und humpelte als geschlagener Zwölfter mit schmerzverzerrtem Gesicht an den entsetzten 40.000 Zuschauern vorbei.

Den Sieg beim größten deutschen Neujahrs-Absturz seit 38 Jahren - Martin Schmitt verpasste sogar das Finale - holte sich der Slowene Primoz Peterka. „Ich habe alles riskiert, aber es ist in die Hose gegangen. Zum Glück ist nicht viel passiert, Ich habe mir nur den Popo und die Wade geprellt“, sagte Hannawald: „Bis Innsbruck kriegen wir das wieder hin, ich lasse mich jetzt sofort behandeln. Die Tournee-Gesamtwertung ist längst nicht abgeschrieben. Jetzt kann man erstmal sehen, wie wertvoll der Vierfachsieg im letzten Winter war.“

Sieben Springer stürzen

Als Vierter der Gesamtwertung mit 14,9 Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Janne Ahonen kann Hannawald weiter von der Titelverteidigung träumen. Wie bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City riskierte der siebtplatzierte Hannawald im zweiten Flug alles, verkantete den Ski und stürzte wie sieben weitere Springer im buckligen Auslauf zu Boden.

Damit war der Traum von der Verbesserung des 44 Jahre alten Einzelsieg-Rekords von Helmut Recknagel ausgeträumt. Recknagel machte Hannawald allerdings Hoffnung: „Ich habe zweimal die Tournee mit einem Sturz gewonnen. Sven kann das auch schaffen.“

„Garmisch schon immer unsere Angstchance“

Diesmal blieb mit 235,1 Zählern nur Platz zwölf - ein Desaster: Keinen Springer unter die Top Ten hatten Deutschlands Skispringer beim Neujahrsspringen letzmals am 1. Januar 1964. „Garmisch ist schon immer unsere Angstschanze. Aber die 15 Punkte sind für Hanni aufzuholen“, meinte Heimtrainer Wolfgang Steiert.

Mit 498,2 Punkten liegt der Auftaktsieger von Oberstdorf als Gesamt-Vierter hinter dem 99er-Tourneesieger Ahonen (513,1), dem 97 siegreichen Peterka (504,3) und Roar Ljoekelsoy (Norwegen/499, 7) noch chancenreich im Rennen. Zu verdanken hatte er das auch einem Sturz des am Ende viertplatzierten Ahonen bei der Rekordweite von 129 Metern.

Schmitt sauer

„Der Anlauf war eindeutig zu lang. Aber das ist keine Entschuldigung, wir haben einfach keine gute Leistung gebracht. Sven ist noch nicht der Ausnahemathlet wie bei der letzten Tournee“, konstatierte Bundestrainer Reinhard Heß. Den Triumph beim Sturzfestival von Partenkirchen holte sich Primoz Peterka (264, 6/123,5+123,5) vor den mit 261,1 Punkten gemeinsam zweitplatzierten Adam Malysz (Polen) und Andreas Goldberger (Österreicher).

Zu den Verlierern gehörte auch Martin Schmitt, der zum ersten Mal seit dem 4. Januar 1998 das Finale eines Tourneespringens verpasst hatte. 111,5 Meter reichten nur für Platz 32 und der Weltmeister wollte auch nicht über den von den Kampfrichtern nicht erkannten Sturz seines K.o.-Gegners Martin Höllwarth lamentieren: „Das war eine Tatsachenentscheidung. Wer so schlecht springt wie ich, braucht sich nicht zu beschweren. Ich bin sauer auf mich selbst.“

Gesamtsieg noch immer möglich

Michael Uhrmann (Rastbüchl/216,0) landete auf Platz 26, Georg Späth (Oberstdorf/213,7) wurde 28. und Jörg Ritzerfeld (Oberhof/197, 7) enttäuschte als 31. Neben Schmitt verpassten auch die Olympiasieger Stephan Hocke (Oberhof) und Christof Duffner (Schönwald) sowie vier weitere Deutsche den Sprung ins Finale der besten 31.

Immerhin kann Hannawald noch als Erster seit dem Österreicher Ernst Vettori vor 16 Jahren seinen Titel verteidigen und ein 70.000 Euro teures Auto sowie 50.000 Euro Prämie für den Gesamtsieg kassieren. Als einzige Deutschen hatten Jens Weißflog (1984 und 1985) und Helmut Recknagel (1958 und 1959) zweimal hintereinander den Skisprung-Grand-Slam gewonnen.

Die Silvesterfeier im abgeschiedenen Hotel „Eibsee“ war jedenfalls nicht der Grund für den Absturz. Nach dem Genuss von Seeteufel mit Reis stießen Hannawald und Co. um Mitternacht mit einem Glas Sekt an. Höhepunkt war die gemeinsame Zigarrenrunde am Kamin, 16 Stunden später aber war der Sturz vom Thron perfekt.

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