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Vendée Globe : „Ziemlich hart für eine Frau“

  • Aktualisiert am

Wie bei „Titanic“, nur ohne Mann an Bord Bild: AFP

Samantha Davies war die einzige Frau bei der Vendée Globe, der härtesten Regatta der Welt - bis zu einem Mastbruch, der sie zur Aufgabe zwang. Kurz vor ihrem Unfall sprach sie Im Interview über mentale Stärke, fehlende Angst und den nicht vorhandenen Luxus an Bord.

          Seit einer Woche sind die Weltumsegler beim Vendée Globe unterwegs – einmal alleine um den Globus, nonstop über 45.000 Kilometer und rund 100 Tage. Samantha Davies war bis zu einem Mastbruch am Donnerstagabend die einzige Frau unter 20 Teilnehmern bei der härtesten Regatta der Welt. Nach dem Start in Les Sables d‘Olonne an der nordfranzösischen Atlantikküste ist das Feld derzeit unterwegs zum Kap der Guten Hoffnung. Aufgrund einer nächtlichen Kollisionen mussten die Franzosen Marc Guillemot (treibender Container) und Kito de Pavant (Fischtrawler) schon mit Materialbruch aufgeben. Und auch Samantha Davies musste mit Problemen an Bord kämpfen – ein Tau zum Setzen und Bergen des Vorsegels war gerissen.

          Müssen wir uns Sorgen um Sie machen?

          Nein, alle Komplikationen an Bord sind behoben. Ich habe das schnell repariert und dafür eine Phase mit weniger Wind nutzen können.

          Wie sind derzeit die Bedingungen da draußen bei Ihnen?

          Die ersten 36 Stunden waren sehr unterschiedlich. Mit starken Windböen und hohen Wellen bis zu fünf Metern. Aber dann auch wesentlich moderater, sogar mit Sonnenschein. Jetzt stecke ich wieder mitten in einem Tiefdruckgebiet. Die vergangene Nacht war stockdunkel, der Mond nicht zu sehen. Ein wenig furchteinflößend. Windrichtung und Windstärke variieren, wahrscheinlich muss ich Segel wechseln. Das kostet Kraft. Vor mir sehe ich schon wieder diese riesigen schwarzen Wolkenstreifen, echte Hammerböen.  

          Haben Sie sich inzwischen an das einsame Leben an Bord gewöhnt?

          Es dauert schon seine Zeit. Es geht vor allem darum, den Rhythmus zu finden zwischen kurzen, intensiven Ruhephasen und der Arbeit. Das muss gut gelingen, sonst wird die Eingewöhnung sehr schwer.

          Was werden Sie in den nächsten drei Monaten am meisten vermissen?

          Ich werde mich nach einem Bad sehnen. An Bord gibt es dafür nur zwei Eimer - der eine fungiert als Klo, der andere ist meine Dusche. Mehr Luxus würde zu viel Gewicht bedeuten. Ziemlich hart für eine Frau.

          Vermissen Sie nicht schon Ihren kleinen, einjährigen Sohn?

          Ach, es geht eigentlich. Ich bin ja erst eine Woche weg von ihm. Außerdem sind hier unter Deck überall Bilder von ihm angebracht, damit er immer bei mir ist. Und sein Vater schickt mir ja auch per Email stets die Neuigkeiten von zu Hause.

          Großer Bahnhof im Hafen von Les Sables d’Olonne: Abschied von Land und Leuten Bilderstrecke

          Allein nur die körperlichen Anstrengungen sind enorm für alle Teilnehmer. Sie müssen an Bord richtig schuften, Segel wechseln, den Mast hochklettern, vielleicht sogar im eiskalten Wasser tauchen, um Schäden am Rumpf zu beheben. Wie kompensieren Sie als Frau die geringere Muskelkraft?

          Für uns alle ist das Rennen eine physische Ausnahmesituation. Manche Manöver fahre ich vielleicht etwas langsamer als die Männer. Mehr Nachteile aber habe ich nicht. Das Entscheidende beim Vendée Globe ist die mentale Stärke, die Motivationsfähigkeit und tägliche Kampfbereitschaft. Man muss hart sein und immer wieder das Boot pushen. Dafür braucht es eine hohe Disziplin. Hier sind uns Frauen keine Grenzen gesetzt - im Gegenteil.

          Sie haben das Rennen 2008/09 erfolgreich als Vierte beendet. Wo liegt der kritischste Punkt?

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