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Vendée Globe Weihnachten auf hoher See

Nikolausmützen, Plastikweihnachtsbäume und versteckte Geschenke: Die Tage rund um Heiligabend sind für die einsamen Einhandsegler beim Vendée Globe meist sehr emotionale Momente. Da ist Aufmunterung aus der Heimat gefragt.

© Vendée Globe Vergrößern Mike Golding zeigte sich am Samstag schon vor den Kameras an Bord im Santa-Claus-Look

Alex Thomson muss Strom sparen. „Computer, Satellitentelefon, GPS - alles muss ich so oft wie möglich abschalten, wenn ich es bis zur Ziellinie schaffen will“, meldete er von Bord. Das sind keine guten Nachrichten für einen der Favoriten. Das gesamte elektronische System und vor allem der für die Segler in den Weiten des Ozeans unabdingbare Einsatz des Autopiloten sind von einer funktionierenden Energiequelle abhängig, die nun allerdings aufgrund eines Zwischenfalls gestört ist.

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Bei der Kollision mit Treibgut riss der Propeller am Heck ab, der den Hydrogenerator antreibt. Nun leeren sich die Lithiumbatterien, ohne dass wieder neue ladbare Energie hinzukommt. Zudem wurde durch den Aufprall mit einem harten Gegenstand im Wasser das Ruder beschädigt. Um irgendwann an letzte Reserven an Bord kommen zu können, bleibt Thomson noch die Möglichkeit, den Dieselgenerator im Karbon-Bauch der Yacht anzuwerfen - 100 Liter Treibstoff hat er mit dabei. Mehr nicht. „Es sieht nicht ganz so gut aus, aber es geht erst mal weiter“, sendete er per E-Mail. Sein Team zu Hause macht sich Sorgen.

Bei allem Stress den Humor nicht verloren

Und das ausgerechnet zu Weihnachten. Etwa die Hälfte des Nonstoprennens um die Welt ist absolviert. Jetzt sollte eigentlich neue Kraft gesammelt werden für den Rest des Meeresabenteuers. Die Fahrt durchs Südpolarmeer ist hart und auf Grund der turbulenten Tiefdruckgebiete schwer kalkulierbar. Die 13 verbliebenen Einhandsegler beim Vendée Globe liegen südlich des australischen Kontinents und steuern weiter gen Osten, um irgendwann in den nächsten Wochen Kap Hoorn zu umrunden. Danach geht es quer durch den Atlantik zurück nach Frankreich. Aber so weit denkt noch keiner der Segler. Es würde auch nichts bringen.

22600104 Die Wetterbedingungen in der Polarzone, wo ja Sommer ist, sind derzeit relativ moderat © Vendée Globe Bilderstrecke 

Die Tage rund um Heiligabend sind für die Einzelkämpfer auf dem Meer meist sehr emotionale Momente. Seit mehr als vierzig Tagen sind sie unterwegs, ganz allein an Bord, weg von ihren Familien, gezeichnet von wenigem Schlaf, durchgeschüttelt auf ihren Rennyachten von Sturmböen und wilden Wogen. Hinzu kommen Krankheit, Verletzungen oder andere Belastungen, wenn plötzlich - wie bei Thomson - etwas schiefläuft auf dem Boot. Bedenken kommen auf, die Angst vor der Aufgabe. Nichts wäre für diese Seebären schlimmer, als das Rennen vorzeitig zu beenden. Da sind Abwechslung, Aufmunterung gefragt. „Egal, was ist“, schreibt Thomson, „sprechen werde ich am Weihnachtstag mit meiner Frau und meinem kleinen Sohn. Das lasse ich mir nicht nehmen.“

Der Heilige Abend wird unter den Seglern auf besondere Weise zelebriert. Der Veteran Dominique Wavre, mit 57 Jahren der älteste Teilnehmer unter den ursprünglich zwanzig Startern, berichtet von einem Weihnachtsgeschenk, das seine Ehefrau vor dem Start des Rennens irgendwo an Bord versteckt hat. „Ich werde es suchen und mich darüber freuen. Ich bin schon ganz gespannt“, sagte er am Satellitentelefon. Siebenmal ist der Schweizer vom Genfer See schon um die Welt gesegelt. Beliebt sind auch kleine Plastikweihnachtsbäume, die zur richtigen Zeit ausgepackt werden. Der Franzose Tanguy De Lamotte präsentiert seinen schon geschmückt mit einem kleinen stilisierten Roboter-Weihnachtsmann. Alex Thomson wird sich seine rote Nikolausmütze anziehen, die ihn in bessere Stimmung versetzen soll, wie er sagt. Sein Konkurrent Mike Golding, der ihn in einem anderen Rennen schon mal aus Seenot gerettet hatte, zeigte sich am Samstag schon vor den Kameras an Bord im Santa-Claus-Look. Thomson hat bei allem Stress seinen Humor nicht verloren. Er berichtete, dass er vor dem Start im November schon alle Weihnachtsgeschenke für seine Liebsten besorgt hätte. „So gut organisiert war ich noch nie“, witzelte der Waliser in einer E-Mail. Auch seine Ehefrau hat kleine Präsente an Bord deponiert, die er dann suchen und öffnen wird. Die Operation Weihnachtsmann auf hoher See kann beginnen - als Seelentröster, gegen mögliche Schwermut.

Meteorologen warnen vor dem nächsten Sturmtief

Ein solches Ritual hat Tradition in der Seefahrt. Wenn Familien am Weihnachtstag ihre Angehörigen draußen auf den Weltmeeren über Kurzwellenradio Weihnachtsgrüße übermitteln. Die segelnde High-Speed-Gruppe beim Vendée Globe ist weit auseinandergerissen. Nachdem sich die Schnellsten Anfang Dezember bei besten Segelbedingungen eine Temposchlacht auf ähnlichen Kursen geliefert hatten, spitzt sich nun im Eismeer das Rennen auf ein Duell zu. Bei der Passage Richtung Neuseeland lag gestern der Segel-Rookie François Gabart knapp drei Seemeilen vor seinem französischen Landsmann Armel Le Cléac’h. Beide segelten teilweise in Sichtweite. Le Cléach’h hatte zeitweise fünfzig Seemeilen hinter seinem jüngeren Rivalen gelegen, aber eine Starkwindzone zur Aufholjagd nutzen können. Er zog zeitweise sogar an Gabart vorbei.

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Die Wetterbedingungen in der Polarzone, wo ja Sommer ist, sind derzeit relativ moderat. Wavre meldete nach Tagen der Kälte und auch mit Schnee nun zwölf Grad Außen- und 15 Grad Innentemperatur unter Deck. Damit lässt sich auskommen. So konnte sich Jean-Pierre Dick eine Klettertour auf den bald dreißig Meter hohen Mast wagen, um eine wichtige Reparatur vorzunehmen. „Ich drehte das Schiff vor den Wind, so dass es auf zehn Knoten abstoppte, und kletterte in das pendelnde Rigg. Es war sehr gefährlich. Ich wurde hin- und hergeworfen. Aber nach zwei Stunden hatte ich es geschafft und das beschädigte Teil ausgewechselt. In diesen Breiten der Welt bekommt man nicht oft die Chance, zum Luft-Akrobaten zu werden“, meldete Dick. Nun kann auch der Franzose, Dritter hinter dem Spitzenduo, etwas beruhigter dem Weihnachtstag entgegenblicken. Obwohl man in diesen Gefilden nie weiß: Meteorologen warnen schon vor dem nächsten Sturmtief, angetrieben von Arktisluft, das demnächst mit voller Wucht über die Segelabenteurer hinwegfegen wird.

Quelle: F.A.S.

 
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