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Vendée Globe In 78 Tagen um die Welt

In der Rekordzeit von 78 Tagen, zwei Stunden und 16 Minuten erreicht Solosegler François Gabart nach einer Reise um die Welt den Zielort Sables d’Olonne und gewinnt die Segelregatta Vendée Globe.

© AFP Vergrößern Land in Sicht: François Gabart kreuzt die Ziellinie nach 78 Tagen

An der Ziellinie riss er kurz die Arme hoch, dann musste er sich gleich wieder an der Winde zu schaffen machen. François Gabart hatte bis zum Schluss hart zu arbeiten, denn der Wind war an diesem Sonntag zwar schwach, das Meer im Golf von Gascogne aber so bewegt, dass die Präfektur das sonst übliche Ablegen von Privatbooten zum Empfang des Vendée Globe-Siegers verboten hatte. Bald darauf sprangen die ersten Teammitglieder von Motorbooten aus auf seine Rennjacht, um das Kommando zu übernehmen. Seine norwegische Frau durfte ebenfalls aufsteigen. Minutenlang hielten sie sich eng umschlungen. Zehntausende begeisterte Fans begrüßten Gabart am Sonntag auf den Kaimauern und am Hafen von Sables d‘Olonne, dem französischen Start- und Zielort der alle vier Jahre stattfindenden Regatta.

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78 Tage, zwei Stunden, 16 Minuten und 40 Sekunden - mit dieser Zeit ist Gabart nicht nur der schnellste Solo-Weltumsegler der Geschichte, sondern mit 29 Jahren auch der jüngste. Und das nach seiner ersten Teilnahme an der Vendée Globe, der härtesten Segelregatta der Welt, für die man nur alleine in See stechen, nicht anhalten und keine Hilfe von außen annehmen darf. Gabart ist nun ein neuer Star am Seglerhimmel, einer, dem scheinbar nichts zu viel ist. Der blonde und blauäugige Skipper, den die französische Presse gerne als idealen Schwiegersohn beschreibt, wirkte in den ersten Interviews so, als habe er einen Urlaubstörn hinter sich.

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Ja, er habe Probleme gehabt, etwa sei sein Motor für die Stromversorgung der elektronischen Systeme nach fünf Tagen ausgefallen, doch er konnte ihn reparieren. „Ich kann mir vorstellen, dass man das Rennen in Zukunft auch in 70 Tagen oder noch schneller schafft“, sagte der Sonnyboy, „das ist der normale Gang der Dinge“. Die Ankunft des Zweitplatzierten, Armel Le Cléac‘h, wurde für Sonntagabend erwartet. Nach einer Weltumseglung von rund 50000 Kilometern entspricht dieser Abstand unter Seglern einer Haaresbreite.

- © AFP Vergrößern Willkommen zu Hause: Bravo für den Solosegler

Die beiden Franzosen haben sich von Anfang an einen packenden Zweikampf geliefert. Sie absolvierten einen ähnlichen Werdegang, sind Ingenieure und Produkte von Frankreichs ausgefeiltem Fördersystem für Solo-Hochseesegler. Selbst ihre gut 18 Meter langen Boote sind ähnlich. Doch eine andere Segel- und Routenwahl führten dazu, dass Gabart etwa am Kap Horn die Führung übernahm und sie seitdem souverän verteidigte. Zwölf von zwanzig Skipper sind jetzt noch im Rennen. Der letzte, der französisch-italienische Segler Alessandro di Benedetto, dem eine Rippe gebrochen war, wird frühestens in zweieinhalb Wochen in Sables d‘Olonne erwartet.

Zurück in der Zivilisation

Die Zieleinfahrt ist bei aller Freude nicht einfach, vor allem für den Erstplatzierten. Zweieinhalb Monate hatte Gabart auf seiner Rennmaschine mit weniger als neun Quadratmeter Wohnraum auskommen müssen, wovon ein Teil nur auf allen Vieren zu erreichen war. Er umsegelte mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 28 Kilometern pro Stunde Eisberge und Kontinente, versuchte, nicht länger als eine halbe Stunde am Stück zu schlafen und ernährte sich von Tütchen-Mahlzeiten und entsalztem Meereswasser. Zwischendurch müssen Segel getrimmt, gewechselt und geflickt werden. Den Mast zu besteigen erfordert viel Kraft und Geschicklichkeit. Manche wie der Fünftplatzierte Jean Le Cam tauchten unter ihr Boot, um das Kiel von Fischernetzen zu befreien. Gelegentlich muss auch Ballast von bis zu 700 Kilogramm zum Gewichtsausgleich auf die andere Seite des Bootes geschafft werden. Hinzu kommt die permanente Beobachtung der Navigationssysteme.

François Gabart © AFP Vergrößern Noch ganz frisch bei der Abfahrt: François Gabart am 10. November 2013 am Start- und späteren Zielpunkt Les Sables d´Olonnes in Frankreich

Zurück in der Zivilisation, stürzen sich dann plötzlich die Menschenmassen auf die Skipper, vor allem natürlich den Sieger. „Man muss sich intellektuell zuvor auf einen Schlag einstellen. Jeder braucht Zeit, um mit dem Wechsel fertigzuwerden“, berichtet Michel Desjoyeaux, Mentor und Betreuer von Gabart, der von den bisher veranstalteten sieben Vendée Globes zwei gewann.

Sechs Tage schneller als Desjoyeaux 2008/09

Gabart ist ein Zögling der französischen Segelkultur, die immer wieder hervorragende Einhandsegler hervorbringt. Der Vater, ein Zahnarzt, erkannte die Leidenschaft seines Sohnes, als der kleine François mit sechs Jahren unermüdlich Knoten übte. Bei der ersten Vendée Globe 1989 kletterte der Pimpf immer wieder den Mast des väterlichen Segelbootes hoch, um den Horizont nach den Weltumseglern abzusuchen. Mit sieben Jahren nahmen ihn die Eltern mit auf einen einjährigen Segeltörn. Später wurde François französischer Jugendmeister, studierte und wurde Profi im französischen Förderzentrum Port-la-Forêt in der Bretagne. Er gilt als gründlich agierender, mit der Elektronik bestens vertrauter Skipper, der eine gute Nase für Wind und Wetter hat. Gabart, sagen Kenner, ist durchdrungen von den wissenschaftlichen und technischen Grundlagen des Hochseesegelns. Hinzu kommen körperliche Fitness und ein guter Schuss Unbekümmertheit, die ihn von den älteren Konkurrenten unterscheidet. Der neue Vendée Globe-Sieger ist rund sechs Tage schneller gewesen als sein Vorgänger Desjoyeaux bei der Wettfahrt 2008/09.

- © AFP Vergrößern Am Ziel: Die Honoratioren in Les Sables-d’Olonne stehen bereit

Aufgrund des neuen Weltrekordes fehlen nun nicht die Verweise auf Jules Vernes „Reise um die Welt in 80 Tagen“. Doch im Roman nutzte der englische Gentleman Phileas Fogg Züge, Dampfschiffe und einen Elefanten. Eine Parallele gibt es dann doch: Fogg war auch in einem Schlitten unterwegs, und der wurde von einem Segel angetrieben.

Quelle: FAZ.NET

 
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