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US Open : Kyrgios ist der Meister der Fettnäpfchen

  • -Aktualisiert am

„Ich kann nicht behaupten, dass mit das peinlich ist“: Nick Kyrgios. Bild: AFP

Nick Kyrgios ist das Enfant terrible des Tennis. Zuletzt sorgte er mit einem verbalen Aussetzer für viel Wirbel. Doch zumindest einer plädiert vor Beginn der US Open für Milde und Verständnis.

          Bei Dingen, die ihm wichtig sind, kann er extrem pingelig sein. Nein, versicherte Rafael Nadal zweimal, er habe sich nicht geweigert, neulich bei einem Wohltätigkeitsturnier von John McEnroe mit dem Australier Nick Kyrgios zu spielen. Es sei nur ein Einzel geplant gewesen, niemand habe ihn gefragt, ob er mit oder gegen Kyrgios Doppel spielen wolle. McEnroe selbst hatte sich schließlich als Partner aufgestellt, aber es ist nicht überliefert, ob Feuerlöscher am Spielfeldrand standen. Ob minus mal minus auch in solchen Fällen plus ergibt?

          Die Causa Kyrgios ist bekannt. Beim Rogers Cup in Montreal hatte der junge Australier Mitte August dem Schweizer Stan Wawrinka während eines Seitenwechsels mitgeteilt: „Kokkinakis hat mit deiner Freundin geschlafen, sorry, dass ich dir das sagen muss, Junge.“ Wawrinka hatte während des Spiels nichts von diesem Angriff mitbekommen, aber Mikrofone hatten alles aufgefangen. In einem einzigen Satz hatte Kyrgios drei Leute bloßgestellt: Landsmann Thanasi Kokkinakis, der einer seiner besten Freunde ist, Wawrinka und dessen kroatische Freundin Donna Vekic.

          Der Schweizer war außer sich, und auch die Kollegen fanden, Kyrgios habe eindeutig eine Grenze überschritten. Noch während des Turniers wurde er zu einer Geldstrafe verdonnert, in der vergangenen Woche bekam er eine weitere von der Vereinigung der Tennisprofis (ATP) aufgebrummt, zusätzlich eine Sperre von 28 Tagen, die aber zur Bewährung ausgesetzt ist.

          Was das betrifft, kann ihm bei den US Open, die an diesem Montag in New York beginnen, nichts passieren; die Bewährung bezieht sich nur auf ATP-Turniere, nicht auf Grand Slams und auch nicht auf den Davis Cup. Aber das macht keinen großen Unterschied, denn zurzeit hat der Mann aus Canberra nicht allzu viele Freunde. Es ist bemerkenswert, wie die Dinge in relativ kurzer Zeit aus dem Ruder gelaufen sind.

          „Natürlich würde ich das nicht wieder machen“

          Im Sommer 2014 konnte Kyrgios nach seinem Sieg gegen Nadal überall hören und lesen, das Männertennis brauche unangepasste, extrovertierte Typen wie ihn. Selbst Australiens Premierminister Tony Abbott sagte, das Land sei mächtig stolz auf ihn. Ein Jahr später drehte sich der Wind. Im Spiel gegen den Franzosen Richard Gasquet in Wimbledon gab es ein Spiel, das Kyrgios deutlich sichtbar abschenkte.

          Hinterher bemühte er sich zwar nach Kräften, wenn auch unter Einsatz diverser Flüche, aber er verlor die Partie und wurde heftig kritisiert. Eine derjenigen, die am lautesten schimpften, war die ehemalige australische Schwimm-Olympiasiegerin Dawn Fraser. Wenn es Kyrgios und Kollege Bernard Tomic, auch ein böser Bube, nicht schafften, ein besseres Beispiel zu geben, dann sollten sie doch dorthin zurückkehren, woher ihre Eltern einst gekommen seien.

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          Das sei unverhohlener Rassismus, fand Kyrgios, dessen Mutter aus Malaysia und dessen Vater aus Griechenland stammt. Dawn Frasers lauwarme Entschuldigung verpuffte; die streitbare Lady habe wohl die eigene Geschichte vergessen, meinten viele. Weil sie während der Olympischen Spiele 1964 in Tokio vor dem Kaiser-Palast eine Flagge vom Mast gestohlen hatte, war sie für zehn Jahre gesperrt worden.

          Aber zurück in die Gegenwart. Wawrinka und Donna Vekic finden, Kyrgios habe sich bis heute nicht anständig entschuldigt - der Australier sagt, das habe er sehr wohl getan. Im ersten ausführlichen Interview nach der Angelegenheit mit der englischen Zeitung „The Guardian“ meinte er, die Strafe sei fair und gehe in Ordnung, er habe seine Lektion definitiv gelernt. Aber er sagte auch: „Natürlich würde ich das alles nicht wieder machen, aber ich kann nicht behaupten, dass mir das peinlich ist.“

          „Er muss nur ein paar Sachen lernen“

          Manche finden, es könne nicht schaden, ihm mal so richtig die Tür vor der Nase zuzuschlagen. Aber zumindest einer plädiert für Milde und Verständnis - jener Mann, gegen den der böse Bube Dienstag in der ersten Runde der US Open spielen wird: Andy Murray. Der sagt: „Ich glaube nicht, dass er ein schlechter Junge ist. Er muss nur ein paar Sachen lernen, und dann wird alles in Ordnung sein.“

          Bisher hatte Kyrgios in drei Spielen gegen Murray kein Land gesehen, und vielleicht will er deshalb nun in drei Wettbewerben sein Glück versuchen. Im Mixed wird er mit der in letzter Zeit weitgehend erfolglosen Kanadierin Eugenie Bouchard antreten, im Doppel mit Kumpel Thanasi Kokkinakis. Zumindest in dieser Beziehung scheint wieder alles in Ordnung zu sein.

          Quelle: F.A.Z.

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