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US Open Sania Mirza, ein indisches Talent als Superstar

30.08.2005 ·  In Europa ist Sania Mirza noch weitgehend unbekannt. Doch in ihrer indischen Heimat ist die 18jährige Tennisspielerin bereits ein Star. Seit ihrem ersten Titel kann sie keinen unbeobachteten Schritt mehr machen.

Von Peter Penders, New York
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Die großen Stars der Branche gaben sich am Vorabend des Turnierbeginns der US Open die Ehre, und der Kollege aus Indien wurde nicht müde, immer wieder dieselben Fragen zu stellen: „Haben Sie Sania Mirza schon einmal spielen sehen? Wissen Sie, wer Sie ist?“ Wer als Leser Sania Mirza nun nicht kennt, muß sich nicht grämen: Die indische Tennisspielerin ist in Europa noch weitgehend unbekannt und selbst für manche potentielle Gegnerin von morgen nur ein Name von vielen.

„Ich habe von ihr gehört, aber ich weiß nichts von ihr“, sagte die French-Open-Siegerin Justine Henin-Hardenne. Die Weltranglistenerste Lindsay Davenport hatte einmal in Wimbledon neben ihr trainiert, aber nicht so genau hingesehen. Swetlana Kuznetsowa, die Titelverteidigerin hier in New York, wußte dagegen aus eigener Erfahrung schon viel zu berichten, und was sie erzählte, wird in Indien überaus gut ankommen. „Sie kann eine große Spielerin werden. Sie hat eine sehr gute Vorhand, und wenn sie konstanter spielt, wird sie sehr gut werden.“

Vorläufiger Höhepunkt

Swetlana Kuznetsowa hat guten Grund, so positiv über den 18 Jahre alten Teenager aus Indien zu reden: Sie hat in diesem Jahr schon gegen die 1,70 Meter große Sania Mirza verloren, ebenso wie die French-Open-Halbfinalistin Nadja Petrowa. Diese beiden Spiele waren der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die in Indien für riesige Begeisterung sorgt, die schon jetzt jeden Rahmen sprengt. Mit 16 Jahren hatte Sania Mirza vor zwei Jahren als erste Inderin einen Grand-Slam-Titel gewonnen, im Juniorinnen-Doppel in Wimbledon.

Richtig für Aufsehen sorgte sie allerdings erst zu Beginn dieses Jahres in Melbourne, als sie als erste Inderin die dritte Runde eines Grand-Slam-Turniers erreichte, dort aber an der späteren Siegerin Serena Williams scheiterte. Der Begeisterung in der Heimat tat dies keinen Abbruch, und der Hype um den Nachwuchsstar nahm erst recht zu, als sie kurz darauf in Hyderabad auch noch das Heimturnier gewann und damit als erste Inderin einen WTA-Titel holte.

Indien wartet auf einen Sport-Star

Seitdem hat sie einen festen Platz in den indischen Rekordbüchern des Sports - und was den internationalen Sport angeht, steht dort nicht allzuviel drin. Indien hatte zwar schon Tennisstars, aber die waren alle männlich, und die Zeiten haben sich ohnehin geändert. Weil die Wirtschaft des Landes kräftig boomt, hat sich mittlerweile eine wohlhabende Mittelklasse gebildet, die das Geld und die Zeit besitzt, exklusive Sportarten zu betreiben und sich dafür zu interessieren.

Indien aber wartet auf einen indischen Star in einem internationalen Sport, und die junge Dame aus Hyderabad scheint auserkoren, dieses Vakuum mit Leben zu füllen. In der Weltrangliste hat sie sich in diesem Jahr von Platz 206 zu Jahresbeginn auf Rang 42 vor Beginn dieser US Open verbessert, und daheim übertreffen sich die Zeitungen in immer größeren Schlagzeilen. Natürlich nicht nur im Sportteil: „Wenn ich die Ohrringe wechsele, steht das am anderen Tag in der Zeitung“, sagt sie.

„Du bist so süß“

Doch weil dies so ist, hat sie dem Tennis in Indien zu einer ungeheuren Popularität verholfen, was angesichts der Begeisterungsfähigkeit der Inder eine Menge heißt und einige Begleiterscheinungen und Nebenwirkungen hat. „Ich habe noch nie Tennis gesehen“, schreibt ein Anhänger in ihrem Fan-Forum, „aber heute habe ich Dich gesehen. Du bist so süß.“ Diese Meinung hat er aber offenbar nicht exklusiv. Sania Mirza wird überhäuft mit Heiratsanträgen.

Das alles hat Folgen für das Privatleben der jungen Frau, die daheim keinen unbeobachteten Schritt mehr machen kann und ständig von einer Schar Fotografen verfolgt wird. „Ich hätte nie gedacht, daß ich einmal vor Paparazzi flüchten muß“ sagt sie. Ohne Sicherheitskräfte kann sie nicht mehr aus dem Haus gehen, wenn sie denn einmal daheim ist. Das passiert nicht mehr häufig, wofür alleine schon der Turnierkalender sorgt. Und während andere Kolleginnen das Reisen nicht allzusehr schätzen, ist Sania Mirza zumindest momentan dankbar darüber. „Ich bin momentan gerne etwas weiter weg von Indien, denn ich liebe die Anonymität. Ich mag es nicht, wenn mich Leute anstarren.“

Alle wollen mir ihr werben

Dafür besteht in Indien immerhin noch ausreichend Gelegenheit, und sogar eine, die zumindest der Werbebranche ganz recht ist. Sania Mirza kann aber nur einen kleinen Teil der Werbeangebote anzunehmen, die ihr offeriert werden. Alle wollen mir ihr werben, denn sie hat schließlich nicht nur eine mächtige Vorhand auf dem Tennisplatz, sie besitzt auch das entsprechende Aussehen, um für die Werbung interessant zu sein.

Alles zusammen führt dazu, daß sie mit nur einem Turniersieg - immerhin einer mehr, als Anna Kurnikowa je schaffte - daheim schon ein Superstar ist. Doch unter diesen Umständen tatsächlich die riesigen Erwartungen erfüllen zu können, erscheint fast unmöglich. „Wir hatten noch nie einen weiblichen Tennisstar, und die Leute daheim sind momentan ziemlich aufgeregt. Sie erwarten mehr, als ich momentan erfüllen kann“, sagt Sania Mirza.

Doch die Hysterie um ihre Person scheint ihr noch nichts anzuhaben. „Ich habe in Toronto mir ihr gesprochen, sie ist ein nettes Mädchen, immer gut gelaunt“, sagte die Belgierin Kim Clijsters. Doch was die große Favoritin dieser US Open dem indischen Kollegen dann noch anvertraute, hat er hoffentlich seinen indischen Lesern verschwiegen: „Sania schlägt den Ball schon jetzt ein ganzes Stück härter und technisch sauberer als die meisten der besten Spielerinnen. Mit etwas mehr Erfahrung wird sie eine sehr, sehr gute Spielerin.“

Quelle: F.A.Z. vom 30. August 2005
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