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US Open : „Wenn er schlecht spielt, bin ich da“

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Der nächste Anlauf: Auch im zwölften Spiel gegen den übermächtigen Gegner rechnet sich Philipp Kohlschreiber eine kleine Chance aus. Bild: dpa

Die Bilanz von Philipp Kohlschreiber gegen Roger Federer lautet 0:11. Da kann er vor dem Achtelfinalspiel bei den US Open nur hoffen, dass beim Maestro nicht alles rund läuft.

          Hobbyspieler und einfache Tennisfreunde sollten dieser Tage in New York auf alles vorbereitet zu sein. Dazu rät das Beispiel der Leute, die neulich auf den öffentlichen Courts im Central Park spielten, als Roger Federer auftauchte, um zu trainieren. Nun ist es nicht so, dass auf den offiziellen Trainingsplätzen des Turniers nichts mehr frei gewesen wäre; das kann einem weniger bekannten Spieler schon mal passieren bei den US Open. Aber nein, der Meister wollte sich die mindestens zweimal 30 Minuten – leicht auch mal das Doppelte – der Fahrt von Manhattan rüber nach Queens und zurück ersparen. Um am spielfreien Tag mehr Zeit für die Familie zu haben, um nach all den Jahren mal etwas Neues zu sehen, um Teil des normalen Lebens zu sein.

          Es sei total anders gewesen, berichtete er hinterher, und es habe ihm viel Spaß gemacht. Die Leute hörten auf zu spielen, sie kamen rüber und sahen ihm zu. Hinterher gab es Smalltalk und Fotos, und alle waren happy. Zwei Tage danach fand er einen neuen Ort, John McEnroes Tenniszentrum auf Randall’s Island, umgeben vom East River im nördlichen Manhattan gelegen. Und am Tag vor dem Spiel gegen Philipp Kohlschreiber wollte er noch mal die Umgebung erkunden.

          Das erste Duell vor zwölf Jahren

          Seit fast 20 Jahren kommt Federer nach New York, zuerst spielte er bei den Junioren, seit 2000 bei den Großen, und um die Freude am Gesamtpaket nach so vielen Jahren zu bewahren, braucht er neue Impulse. Und der Rücken bedankte sich auch freundlich für die kürzeren Autofahrten; bisher zeigte er sich kooperativ. Nach dem souveränen Sieg gegen den Spanier Feliciano Lopez (6:3, 6:3, 7:5) war Federer sehr zufrieden. Er fand, der Körper habe die Anstrengungen der beiden Fünfsatzspiele in den Runden eins und zwei gut verkraftet, im Training vor der Begegnung mit Lopez habe er zum ersten Mal seit ein paar Wochen wieder gespürt: Ahh, da ist der Rhythmus.

          Macht meistens den letzten Punkt: Roger Federer

          Ohh, das ist nicht gut als Botschaft für die Konkurrenz, in diesem Fall für Kohlschreiber. Auch der war zufrieden mit sich nach dem Sieg gegen den Australier John Milman (7:5, 6:2, 6:4), und nun steht er vor der gleichen Aufgabe wie vorher die Kollegen Lopez und Michail Juschni. Die Bilanz des Russen vor dem Spiel gegen Federer in Runde zwei: 0:16. Lopez stand bei 0:12, für Kohlschreiber geht’s bei 0:11 weiter. Nun werden Tennisspiele zwar einerseits auf dem Platz und nicht in den Bilanzen entschieden, und es gibt immer eine Chance. Aber andererseits wird es von Mal zu Mal schwerer, mit Zuversicht an die Aufgabe heranzugehen, wenn am Ende immer derselbe den letzten Punkt macht. Vor zwölf Jahren in Halle spielte Kohlschreiber zum ersten Mal gegen Federer, der zu diesem Zeitpunkt schon fünf Grand-Slam-Titel gewonnen hatte und souverän an der Spitze der Weltrangliste stand. Der Deutsche gewann im Laufe der Jahre des Öfteren einen Satz, und vor allem für die Freunde der einhändigen Rückhand waren es schöne Spiele.

          „Markus versteht mich, der war früher ein ähnlicher Spielertyp.“

          Alle Welt schwärmt von Federers Schlägen, aber es muss doch irgendwas geben, das er nicht so gut kann, oder? Bei der Frage traut sich Kohlschreiber zuerst nicht so recht aus der Deckung, dann kann man seinen Worten aber doch entnehmen, dass er die eigene Rückhand für besser hält. Das ist ja schon mal ein Anfang. Federer mag Kohlschreibers Rückhand jedenfalls auch, gesehen hat er sie oft genug, nicht nur in den elf Begegnungen bisher, sondern in zahlreichen Trainingsspielen. Ansonsten, findet er, sei der Kollege aus Deutschland gut in Form und sei zu Recht stolz darauf, ein harter Arbeiter zu sein.

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          Kohlschreiber trainiert anders als früher, er verbringt nicht mehr so viel Zeit mit Drills auf dem Tennisplatz, und es ist ja auch sonst einiges anders. Im Sommer trennte er sich von seinem langjährigen Coach Stephan Fehske, was kein leichter Schritt war. Am Ende sei der Wurm drin gewesen, sagt er. „Stephan und ich, wir haben es beide gespürt, aber keiner wollte dem anderen weh tun.“ Befreundet sind sie auch nach der Trennung, Fehske kümmert sich weiter um Kohlschreibers Geschäfte, die Arbeit auf dem Trainingsplatz hat ein ehemaliger Profi übernommen, der Österreicher Markus Hipfl. Womit der österreichische Anteil im Leben des gebürtigen Augsburgers mit Wohnsitz in Kitzbühel noch ein wenig vergrößert wurde. Er sagt, die Zusammenarbeit mit Hipfl laufe sehr gut: „Markus versteht mich, der war früher ein ähnlicher Spielertyp.“

          Er wird guten Mutes in die zwölfte Begegnung mit Federer gehen, und die ersten Auftritte des Konkurrenten in New York gaben ihm die Hoffnung, dass vielleicht manches noch nicht rund laufen könnte in dessen nahezu perfektem System. „Es war zu spüren, dass mehr geht. Und wenn er nicht gut spielt, dann bin ich da.“ Der Gedanke, dass jede Serie irgendwann mal zu Ende geht, spielt in dem Zusammenhang keine Rolle. Und eine andere Statistik hilft auch nur bedingt. Von den 77 Spielen, die Federer bisher im Arthur Ashe Stadion bestritt, verlor er nicht mehr als acht.

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