Home
http://www.faz.net/-gtl-74bcj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

„Unfaires Manöver“ der Segler Kite-Surfen doch nicht olympisch

Während die Windsurfer weiterhin an Olympia teilnehmen dürfen, Bleiben die Kitesurfer draußen. Sie vermuten einen politischen Sportmachtkampf hinter der Entscheidung.

© hochzwei Vergrößern Die Kitesurfer müssen sich weiterhin mit Weltcup-Rennen wie etwa in St.Peter Ording zufrieden geben.

Die schlechte Nachricht erreichte Kristin Boese auf Hawaii. Dort hält sie sich zum Training und als Mitorganisatorin einer neuen Weltcupserie auf. „Natürlich bin ich traurig. Das ist nicht gerecht. Aber wir werden uns nicht unterkriegen lassen und für unseren tollen Sport weiterkämpfen“, sagte die beste deutsche Kitesurferin dieser Zeitung. Sie ist mehrmalige Weltmeisterin und eine dominierende Figur im professionellen Kitesurfen. Über viele Jahre hatte sich die 38 Jahre alte gebürtige Potsdamerin für die junge, dynamische Szene eingesetzt und sich dann auch gefreut, als der Segel-Weltverband (Isaf) das Kitesurfen als neue Disziplin für die Sommerspiele in Rio de Janeiro etablieren wollte. Im Kursrennen um Tonnen sollten 2016 Medaillen vergeben werden.

Michael Ashelm Folgen:  

Doch seit dem Wochenende ist das alles Makulatur. Nachdem die Generalversammlung des Isaf beim Verbandstag im irischen Ort Dun Laoghaire alle vorherigen Beschlüsse revidierte und den zuvor aussortierten Windsurfern wieder die olympische Zulassung erteilte, ist der Ärger im Kite-Lager groß - auch in Deutschland.

Mehr zum Thema

Knapp 52 Prozent der bei dieser Entscheidung ungewöhnlich zahlreich anwesenden Nationalverbände (114 von 138) stimmten plötzlich gegen die junge Trendsportart und dafür, dass die Windsurfer weiterhin bei Olympia aufkreuzen sollen. Die Kitesurfer glauben an ein schmutziges Interessenspiel unter den Funktionären. „Die Windsurfer haben sich unfair verhalten und falsche Informationen über uns gestreut. Das ist nicht okay“, sagt Kristin Boese. Es geht wohl zum Beispiel um die Behauptung, dass den Kitesurfern in vielen Ländern noch der breitensportliche Unterbau bei der Jugend fehle. Zweifellos gibt es diese Defizite, andererseits existiert auch in Deutschland eine sehr lebendige, junge Szene, die nicht über Vereinsmitgliedschaften funktioniert, sondern sehr intensiv soziale Netzwerke als gemeinsame Plattform nutzt - ein Problem für Verbände.

Gespaltene Meinungen beim Sailing Team Germany

„Es ist eine sehr emotionale Debatte. Auch bei uns sind sich die Experten nicht einig, wie wir das einschätzen sollen“, sagt der Präsident des Deutschen Segler-Verbandes, Rolf Bähr. Auch er gehört zu den Skeptikern und sieht noch Entwicklungsbedarf bei den Kitesurfern. „Diese Disziplin ist noch nicht in allen Ländern richtig strukturiert. Wir wollen ja nicht, dass wie im Kugelstoßen nur sechs Experten durch die Welt fahren und die Wettkämpfe unter sich ausmachen“, sagt Bähr. Allerdings gibt es im Kitesurfen einen funktionierenden Weltcup mit verschiedenen Disziplinen.

Zwiegespalten wird die Entscheidung bei der Führung vom Sailing Team Germany (STG) gesehen. Es ist die Nationalmannschaft der Segler. „Einerseits haben nun mit Toni Wilhelm und Moana Delle unsere zwei besten Windsurfer wieder die Chance, in Rio um Medaillen zu fahren. Andererseits hätte dem Segelsport eine neue, frische Bootsklasse gut zu Gesicht gestanden“, sagt STG-Chef Oliver Schwall. Eine erste Sichtung nach jungen Kite-Talenten hatte schon stattgefunden. Zudem gab es erste Gespräche mit Kristin Boese, ihre Erfahrung sollte beim STG eingebracht werden. Zudem berichtet Schwall von Sponsoren, die sich gerade für das neue Kite-Thema innerhalb der Segel-Nationalmannschaft interessiert hätten. Nun bleibt alles beim Alten.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Einstieg beim America’s Cup Deutschland plant die Segel-Sensation des Jahres

Die deutsche Segel-Szene verfiel in lethargische Dauernörgelei. Nun steht der Einstieg in den America’s Cup bevor. Und es gibt noch ein zweites Aufsehen erregendes Projekt in der einstigen Segel-Nation. Mehr Von Michael Ashelm

15.04.2015, 07:18 Uhr | Sport
Olympische Spiele 2016 Olympia-Segelbucht in Rio völlig verdreckt

Rio de Janeiro, Gastgeber der Olympischen Spiele 2016, hat ein massives Umweltproblem: Das Wasser in der Bucht von Guanabara, wo die Segel-Wettbewerbe ausgetragen werden sollen, ist verschmutzt mit Müll und Bakterien. Mehr

31.03.2015, 14:37 Uhr | Sport
Olympisches Segelrevier Kiel oben

Bei der Regatta um die Segelwettbewerbe bei der Hamburger Bewerbung um die Olympischen Spiele 2024 setzt sich Kiel gegen Lübeck-Travemünde, Rostock-Warnemünde und Cuxhaven durch. Mehr

13.04.2015, 14:20 Uhr | Sport
Traumwelten aus Papier Das Künstlerduo Davy und Kristin McGuire

Das preisgekrönte deutsch-britische Künstlerpaar Kristin und Davy McGuire kreiert Scherenschnitt-Kulissen aus Papier. Ihre Traumwelten erwecken sie durch Lichtinszenierungen, Filmprojektionen und Musik zum Leben. Dabei machen die beiden Allround-Talente jeden Arbeitsschritt selbst in mühevoller Handarbeit. Mehr

14.01.2015, 12:08 Uhr | Feuilleton
Volvo Ocean Race Segeln auf Chinesisch

Die Yacht Dongfeng ist nach einem chinesischen LKW-Hersteller benannt und hat daher stets zwei Lehrlinge aus dem Reich der Mitte an Bord. Geübt wird unter Extrembedingungen – beim Volvo Ocean Race. Mehr Von Felix Demut

18.04.2015, 08:48 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 13.11.2012, 10:08 Uhr

Ausgemachte Sache

Von Peter Penders

Seine 25. Meisterschaft hat der FC Bayern sicher. Doch eigentlich ist dieser Titel nur ein Nebenprodukt für das ganz große Ziel: Den Sieg der Champions League. Mehr 9 4