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„Ultra“ Julius Neumann „Herr Rauball möchte unterhalten werden, ich möchte Unterhaltung machen“

12.11.2008 ·  Julius Neumann ist Ultra des 1. FC Nürnberg. Der 27 Jahre alte angehende Ingenieur begleitet seinen Verein grundsätzlich zu jedem Auswärtsspiel. Im FAZ.NET-Gespräch fordert Neumann mehr Wertschätzung und Freiräume für Fans.

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Julius Neumann ist Ultra des 1. FC Nürnberg. Der 27 Jahre alte angehende Ingenieur begleitet seinen Verein grundsätzlich zu jedem Auswärtsspiel und gibt dem Gründungsdatum seines „Clubs“ die gleiche Bedeutung wie seinem Geburtstag.

Im FAZ.NET-Gespräch fordert Neumann mehr Wertschätzung und Freiräume für Fans.

Was ist Ihr Bild von einem Fan?

Fans sind ein wichtiger Teil des Fußballs, der meines Erachtens von den Funktionären nicht im richtigen Maß geschätzt wird. Der Premiere-Abonnent wird von denen ernster genommen als der Stadiongänger.

Gibt es dennoch Gemeinsamkeiten zwischen einem Funktionär wie Herrn Rauball und Ihnen?

Ich sehe wenig Gemeinsames. Ein Herr Rauball hat ein völlig anderes Verständnis von Fan-Dasein. Er möchte im Stadion unterhalten werden, ich möchte selbst Unterhaltung machen.

Aber Sie sind doch beide Anhänger, die das beste für ihren Verein wollen!

Ja, aber Wir Fans denken sicher mehr über Verbesserungen im Verein nach als umgekehrt die Funktionäre über Verbesserungen im Verhältnis zu den Fans. Ich bin immer wieder erschüttert wie wenig Ahnung Vereinsverantwortliche und auch Spieler von der Fanszene haben.

In erster Linie sollen die Spieler aber auch gewinnen, oder?

Natürlich wollen wir als Fans Erfolg haben. Aber wir haben auch Sehnsucht nach einem familiären Verein und wollen nicht ein Unternehmen, das nur an Erfolgen und Zahlen orientiert ist.

Was könnten Vereine denn besser machen?

Beispielsweise könnten sie an einem Tag der offenen Tür mal auf Faninteressen eingehen. Statt eines Sponsorenevents könnte das auch ein Fest sein, bei dem das Bier nicht 3,50 Euro kostet.

Warum wenden Sie Ihre Zuneigung dann nicht einfach dem Dorfverein zu, bei dem es familiär zugeht und bei dem Sie sogar recht gut mitreden können?

Ich wohne nun mal in Nürnberg und halte eben zum Club un nicht zu einem Dorfverein. Ich will natürlich auch die große Bühne und Erfolge statt dem Dorfsportplatz.

Warum sind Fans wie Sie so kritisch gegenüber Hoffenheim?

Wir haben die Furcht, dass es Nachahmer gibt, die den Fußball ebenfalls als nettes Spielzeug entdecken wie Hoffenheim oder auch VW in Wolfsburg. Dadurch gibt es immer einen Platz weniger für Vereine wie den 1. FC Nürnberg.

Sind Sie vielleicht neidisch?

Nein. Ein Verein wie Hoffenheim wird Erfolg haben, aber niemals Emotionen wecken wie Entbehrung, Trauer oder Wut. Diese Dinge sind mir wertvoll und nicht ein inhaltsleeres Event wie bei Hoffenheim.

Was würden Sie ändern, wenn Sie DFL-Vorstand wären?

Mir wäre wichtig, dass die Attraktivität der nationalen Liga gewahrt wird, statt vornehmlich nach internationaler Wettbewerbsfähigkeit zu schauen. Die Eintrittspreise müssen niedrig gehalten wehren, damit sich jeder den Gang ins Stadion leisten kann.

Die selben Ziele verfolgt auch DFL-Präsident Rauball!

Aber ich sehe dennoch die Gefahr, dass die Vereine und die DFL vor allem Gewinnmaximierung anstreben. Ich verfolge die Diskussion um die 50-plus-1-Regel mit großem Interesse. Die DFL muss auf jeden Fall mit Biegen und Brechen die Übernahme der Klubs durch Investoren verhindern. Der Volkssport Fußball muss einfach in seinem Charakter gewahrt bleiben.

Welche sind denn konkrete Wünsche als Fan?

Auswärtsfahrten müssen wieder erträglicher werden. Die Anstoßzeiten und die extrem späte Bekanntgabe von Spielzeiten sind ein Riesen-Hindernis bei der Planung von Auswärtsfahrten. Außerdem fehlen einheitliche Regelungen, was Fans auswärts machen dürfen. Fans brauchen mehr Freiräume im Stadion.

Das verhindern aber Sicherheitsbedenken. Auch in der Ultra-Szene hat Gewalt an Bedeutung gewonnen. Warum ist das so?

Das ist eine schwierige Frage. Ich lehne Gewalt ab. Vor zehn Jahren war es auch noch absolut üblich, dass wir uns mit anderen Ultragruppen im Stadion getroffen und Aufkleber oder ähnliches getauscht haben. Ich denke, dass die Polizei anfangs mit übertriebenen Kontrollen und Maßnahmen gegen uns dazu beigetragen hat, dass wir mit einem Hooligan-Klischee behaftet wurden. Und irgendwann haben sich Teile der Ultra-Szene entsprechend verhalten. Ich denke nach wie vor, dass wir aus dem Gewaltkreislauf rauskommen, wenn wir Fans mehr Freiräume bekommen.

Das Gespräch führte Daniel Meuren.

Quelle: FAZ.NET
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