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Ulrike Maisch Utopischer Titel

12.08.2006 ·  „Ich bin einfach meinen Stiefel runtergelaufen“, erzählte Ulrike Maisch nach ihrem Marathon-Sieg: „Und das war entscheidend, denn die anderen haben sich übernommen. Dieser Titel ist so utopisch - einfach Wahnsinn.“

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Der 12. August 2006 könnte das Leben von Ulrike Maisch nachhaltig verändert haben, ihr Sensations-Gold im Marathon-Lauf bei der EM in Göteborg machte die Rostockerin mit einem Schlag bekannt. „Als ich reinkam, war mir klar: Deine Familie ist da, alle Leute am Fernseher schauen zu, da sind mir schon vor dem Ziel die Tränen in die Augen geschossen.“

Mehrmals schaute sie sich die Szene später auf dem Bildschirm an und bekam immer wieder feuchte Augen: „Glauben kann ich es trotzdem noch nicht. Schließlich war eigentlich schon eine Medaille viel zu utopisch.“

„Ich bin einfach meinen Stiefel gelaufen“

Daß sie es bei einer Zeit von 2:30:01 Stunden durch ihr jubelndes Auslaufen verpaßte, unter zweieinhalb Stunden zu bleiben, störte sie „überhaupt nicht“. Und schließlich war auch genau das letztlich ihr Erfolgsrezept, denn die EM-Achte von München 2002 lief weder gegen ihre Gegner noch gegen die Uhr. „Ich bin einfach meinen Stiefel runtergelaufen“, erzählte sie stolz: „Und das war entscheidend, denn die anderen haben sich übernommen.“

Als sie zwischenzeitlich auf Rang elf lag und sich drei Konkurrentinnen bei 30 Kilometer absetzen, ließ Ulrike Maisch „sie einfach laufen. Ich habe mir gedacht, sie sind zu stark, ich mache mein Ding.“ Als sie dann wieder rangelaufen war, „sagte ich mir: Vierte willst du nicht werden. Mit Platz drei wäre ich zufrieden gewesen, aber da kamen die anderen immer näher.“ Beim 40. Kilometer hatte sie sich an die lange allein führende Russin Irina Permitina herangekämpft, rannte gleich an ihr vorbei und erreichte mit 26 Sekunden Vorsprung das Ziel. Die Russin fiel noch hinter Olivera Jevtic (Serbien) auf Rang drei zurück.

Marktwert für Straßenläufe gesteigert

Ähnlich wie beim 10.000-Meter-Gold von Jan Fitschen am Dienstag hatte bei ihrem erst zehnten Lauf über die berühmten 42,195 km alles gepaßt. Bei Weltmeisterschaften oder Olympia seien Medaillen auch in Zukunft nicht zu realisieren, „dafür sind die Asiatinnen und Afrikanerinnen zu stark“.

Ihre Kalkukation, das Sport-Studium kurz vor Ende noch einmal ein Jahr zu unterbrechen, „weil die EM meine Chance war“, ist dagegen voll aufgegangen. Vor allem für Straßenläufe hat sie ihren Marktwert mit einem Schlag um ein Vielfaches gesteigert. „Ich hoffe schon, daß ich da auch ein bißchen Geld rausholen kann“, meinte sie offen. Und dann will sie auch unter 2:30 laufen.

Mit „acht bis zehn Kilo mehr“ aus Texas gekommen

Dabei stand ihre Karriere zweimal auf der Kippe. Direkt nach dem Abitur ging sie 1996 für zwei Jahre nach El Paso/Texas. „Damals wollte ich durch die Welt tingeln und hatte mit dem Sport eigentlich abgeschlossen“, erzählte sie. Doch nach ihrer Rückkehr nach Rostock - nach vielen Hamburgern mit „acht bis zehn Kilo mehr“ - ließ sie sich wieder überreden: „Und als ich dann ein halbes Jahr später deutsche Junioren-Meisterin im Marathon wurde, habe ich mir gedacht, das kann ja doch was werden.“

Gezweifelt hat sie dann wieder bei Olympia 2004 in Athen, als sie wegen einer schmerzhaften Fußverletzung aussteigen mußte: „Das war das Schlimmste, was ich je erlebt habe. Meine Familie saß im Stadion und wartete und wartete, und ich kam einfach nicht.“ Diesmal kam sie. Als Erste und mit Tränen in den Augen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, sid
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