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Uli Hoeneß „Lahm liegt zu 90 Prozent falsch“

12.11.2009 ·  Bayern-Manager Hoeneß hat dem kritischen Spieler Lahm vorgeworfen, er habe sich nur auf Kosten des Vereins profilieren wollen. Auch Rensing, Trochowski, der FC Barcelona und Arsenal London bekommen ihr Fett weg.

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Uli Hoeneß hat Philipp Lahm und seinen Berater Roman Grill nach der Kritik des Nationalspielers an der Vereinspolitik des deutschen Rekordmeisters scharf angegriffen. Der Bayern-Manager warf Lahm vor, er habe sich mit seinen Äußerungen nur auf Kosten des Vereins profilieren wollen, zudem sei die Kritik des 26 Jahre alten Bayern-Profis auch sachlich nicht gerechtfertigt. Zugleich kündigte Hoeneß an, dass Torwart Michael Rensing, der ebenfalls von Grill beraten wird, wegen seiner Interviews keine Chancen mehr habe, beim FC Bayern die Nummer eins zu werden.

„Lahm liegt zu 90 Prozent falsch, und jetzt sage ich Ihnen, wer dahintersteckt: Roman Grill, sein Berater, der auch mal hier gearbeitet hat, will seinen Mandanten positionieren: als Kapitän, als Führungsfigur“, sagte Hoeneß in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“. Der Bayern-Manager warf dem Berater, der Anfang der Saison auch als Sportdirektor beim Hamburger SV im Gespräch war, vor, in der Öffentlichkeit unwahre Behauptungen zugunsten seines Klienten aufgestellt zu haben. Er habe Grill am Montag am Telefon gefragt: „Wieso erklärst du in der Öffentlichkeit, dass Philipp Lahm schon zwei-, dreimal beim Vorstand war? Du weißt genau, dass das nicht so ist. Und er antwortet mir: Wie soll er sich sonst profilieren? Ist das nicht beschämend? Wenn Lahm nur einmal bei mir gewesen wäre, hätte ich mich mit ihm auseinandergesetzt. Wir wollen ja mündige Spieler. Aber er war nie da“, sagte Hoeneß.

„Der kann normalerweise keine zwei Sätze geradeaus sprechen“

Der Bayern-Manager attackierte in dem Interview aber vor allem Berater Grill, der früher in der Presseabteilung des Klubs arbeitete und auch Bayern-Torwart Rensing und Nationalspieler Piotr Trochowski zu seinen Klienten zählt. „Ist Ihnen aufgefallen, dass Piotr Trochowski beim Hamburger SV neuerdings auch Kommentare abgibt? ,Wir sind in der Breite nicht gut aufgestellt‘ und so weiter. Der kann normalerweise keine zwei Sätze geradeaus sprechen, und jetzt spricht er über Fußballpolitik. Und auch unser Torwart Michael Rensing gibt, seit Grill sein Berater ist, plötzlich jede Woche ein Interview – und was für einen Schmarren er erzählt hat. Die letzten Chancen, hier erster Torwart zu werden, hat er sich durch die Interviews genommen.“

Hoeneß wies zudem die Kritik des Nationalspielers Lahm an der fehlenden Philosophie des Klubs sowie einer damit einhergehenden fehlerhaften Einkaufspolitik entschieden zurück. „Lächerlich. Was glauben Sie, was passiert, wenn renommierte Trainer zu dir kommen und du sagst, da sind die Spieler, und du musst jetzt unser System spielen? Franz Beckenbauer hat die einzig richtige Antwort gegeben: Das System ist überhaupt nicht entscheidend, denn eine gute Fußballmannschaft muss verschiedene Systeme spielen können. Die Spielphilosophie bestimmt der Trainer.“

„400 Millionen Euro Schulden: Superphilosophie!“

Die Klubs, die Lahm als beispielhaft für eine stringente sportliche Ausrichtung in seinem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ nannte, akzeptiert Hoeneß nicht als Vorbild für den FC Bayern. Über den FC Barcelona sagte der Manager: „400 Millionen Euro Schulden: Superphilosophie!“ Über Arsenal London: „Können Sie mir sagen, wann die zuletzt einen internationalen Titel gewonnen haben? Arsène Wenger hat, soviel ich weiß, noch nie einen internationalen Titel gewonnen. Tolles Beispiel!“ Über Manchester United: „Hat nach dem Kauf durch die Glazer-Familie 700 Millionen Schulden.“ Auch dort würde der Trainer heute nicht mehr die Zeit für einen langfristigen Aufbau erhalten.

Hoeneß gestand in dem Interview allerdings indirekt ein, dass der FC Bayern München Anpassungsschwierigkeiten mit Trainer Louis van Gaal habe. „Wir haben gewusst, dass er Disziplin einfordern würde. Ob er nun in manchen Bereichen zu weit geht, ist eine Frage, die wir noch zu beantworten haben. Ich habe Hoffnung, dass sich alle Beteiligten der Situation anpassen. Wenn sie sich nicht anpassen, dann wird es ein Problem geben, keine Frage.“ Auf die Frage, ob er als mächtiger Manager und Ansprechpartner der Spieler nicht die Autorität des Trainers schmälere, entgegnete Hoeneß: „Überhaupt nicht. Ich bin der größte Helfer.“

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