Das Elend begann schon vor Wochen, als Rudi Assauer aus dem Urlaub kam und die Tür zu seinem Büro in der neuen Arena AufSchalke aufschließen wollte: In der Zwischenzeit waren die Schlösser ausgewechselt worden und Schalkes Manager musste den Baustellenleiter ranrudern, um sich neue Schlüssel zu besorgen.
Irgendwie läuft es nicht so richtig für die Blau-Weißen in der noch jungen Saison. Drei Spiele und nur zwei Punkte, das ist definitiv zu wenig für einen Verein, der sich auf dem Weg in eine goldene Zukunft wähnt. Dabei sind die Rahmenbedingungen erstklassig: Mit dem Pokalsieg haben die Schalker nach langen Jahren endlich mal wieder einen Titel gewonnen, als Vizemeister sind sie startberechtigt für die Geldmaschine Champions-League und zudem haben sie ein fantastisches neues Stadion.
Der Star ist das Stadion
Erfolg, Geld und Tradition - was will man mehr. Oder wie es ein Bierbrauer und Hauptsponsor des Vereins in schönen Worten formuliert: „Wenn Schalke eine Religion ist, dann ist das hier das Weihwasser.“ Aber was nutzt all die Euphorie um die schöne Arena, wenn die Gladiatoren schlapp sind? Dabei hatten die Gastgeber beim ersten Pflichtspiel in ihrem Prachtbau losgelegt, als gäbe es kein Morgen.
"Wenn ich noch mal 25 Jahre alt wäre und dürfte in so einem Stadion auflaufen, würde ich Geld dafür zahlen", hatte Schalkes Manager Rudi Assauer vor dem Anpfiff verkündet. Nun ist bekannt, dass die Schalker Akteure für ihre Dienste auf dem Rasen bestens entlohnt werden. Dennoch spielten sie in der Anfangsphase, als ginge es um ihren ersten Profivertrag. Nach vorne gepeitscht von gut 60.000 völlig euphorisierten Fans entfachten die Schalker einen Sturmlauf, in dem die Leverkusen unterzugehen drohten.
Neue Arena birgt auch Gefahren
Dabei wurde offensichtlich, dass die Stimmung für die Hausherren Chancen beinhaltet, aber auch Gefahren. Denn die Schalker hatten Schwierigkeiten, sich in der neuen Heimat zurechtzufinden. So berichtete Marco van Hoogdalem von Kommunikationsproblemen auf dem Spielfeld: "Wir konnten uns kaum verständigen, so laut war es."
Zudem überdrehten sie in der fulminanten Anfangsphase, in der 2. Hälfte ging Möller und Co. die Puste aus. Auch sonst offenbarte der Spielverlauf Schwächen: Ecke, Elfmeter, Einwurf - alle Tore fielen nach Standardsituationen, aus dem Spiel heraus tut sich Schalke schwer. Auch, weil mit Ebbe Sand der Torgarant der vergangenen Spielzeit ausfällt.
Verletzte Seele
Der verletzte Däne leidet wie seine Kollegen noch immer an den Folgen des dramatischen Saisonfinales, als die Bayern den Schalkern die Schale in letzter Sekunde aus den Händen rissen. Und hinten, da ist die vormals beste Abwehr der Liga mächtig ins Schwimmen geraten.
Die Spieler spüren selbst, dass ihnen vieles misslingt, was in der vergangenen Spielzeit wie von selbst klappte. Entsprechend dünnhäutig reagieren sie. Gegen Leverkusen war die Atmosphäre derart geladen, dass es mehrfach fast zu einer Massenkeilerei gekommen wäre. Einmal musste Assauer energisch eingreifen und sich in die brodelnde Meute werfen, um die Nervenbündel zu trennen. Mannschaften, die einen Lauf haben, reagieren gelassener.
Rückenwind gegen Rostock?
Schon das Dienstags-Nachholspiel gegen Hansa Rostock hat richtungweisenden Charakter. Dann wird sich zeigen, ob das Stadion wirklich für den Rückenwind sorgt, den sich alle erhoffen. Die Premiere gegen Leverkusen hat gezeigt, wie schnell der Arena-Effekt zum Bumerang werden kann.
Dabei hatte Manager Assauer vor der Saison vorgerechnet, was man von der neuen Heimat erwartet: „Sieben bis zehn Punkte mehr, sonst haben wir etwas falsch gemacht.“ Dieses Polster könnten die Schalker schon jetzt gut gebrauchen: Von den Bayern trennen sie bereits fünf Punkte, von Spitzenreiter Dortmund satte zehn.