Schon lange gab es nicht mehr so viel Lob für Klaus Toppmöller. Ob "Kaiser" Franz Beckenbauer, Teamchef Rudi Völler oder die Profis von Bayer 04 Leverkusen allen voran die Nationalmannschafts-Aufsteiger Michael Ballack und Bernd Schneider, die Lobhudeleien nehmen kein Ende. Es gibt genügend Gründe sich ihnen anzuschließen.
Ohne den Fußball-Lehrer, der sich derzeit lediglich einen kuriosen Geschmack bei seiner Krawattenauswahl vorwerfen lassen muss, hätte Fußball-Deutschland an diesen grauen kalten Novembertagen wohl Trauer getragen. Der Bayer-Block brachte Deutschland zur WM.
Meisterliche Manieren
Toppmöller hat aus den Zweiflern und Zauderern bei Bayer, die nach dem skandalösen Ende der Ära Daum und der verschenkten Zeit unter Berti Vogts noch immer verunsichert waren, ein Team gemacht, dass vor Selbstvertrauen strotzt. Davon hat am vergangenen Mittwoch die Nationalmannschaft profitiert und an diesem Wochenende die ganze Bundesliga. Egal, ob Leverkusen am Saisonende endlich einmal die Nerven zum Meistertitel hat, Toppmöller und seine Bayer-Kicker sind zumindest die Monatsgewinner.
Während es in den Wochen vor der Nationalmannschaftspause noch nach einem langweiligen Alleingang des scheinbar übermächtigen FC Bayern München aussah, hat Bayer nun in meisterlicher Manier den Schwächeanfall der Münchener in Bremen ausgenutzt. Im rechten Moment trotz aller Müdigkeit das Tempo zu verschärfen, diese Fähigkeit bringt Punkte, die in der Schlussabrechnung den Titel ausmachen.
Vertrauen und Selbstvertrauen
Dank Toppmöller verspricht die Meisterschaft wieder einen Mehrwert zu bieten. Gleichzeitig führte er Leverkusen zum ersten Mal in die Champions-League -Zwischenrunde. Toppmöller träumt davon, eine Mannschaft mit Weltformat aufzubauen, den Bayern wirklich über einen längeren Zeitraum Paroli bieten zu können. Nach einigen Trainer-Stationen in der Liga hat er nun die einmalige Gelegenheit, sich diese Vision zu erfüllen. Mehr Gestaltungsspielraum als bei der Leverkusener Werkself gibt es für einen Fußball-Lehrer wohl nur bei Bayern München oder Borussia Dortmund.
Das Potenzial eines Spielers zu erkennen und dem Profi zu helfen, seine Fähigkeiten voll auszuschöpfen, ist eine der besonderen Fähigkeiten. Schneider und Ballack spielten schon unter Daum und Vogts bei Bayer, ihren Leistungssprung haben sie Toppmöller zu verdanken. Vertrauen und Selbstvertrauen sind die Argumente, mit denen die Bayer Profis, die derzeitige Leistung begründen. Toppmöller schafft es wie kein anderer, Vertrauen zu geben und Selbstvertrauen zu wecken.
"Bye, Bye Bayern"
Toppmöller ist eine der wenigen wohltuenden Erscheinungen in der selbstherrlichen Bundesliga-Szene. Als unbekümmert, ehrlich, offen aber auch schlitzohrig beschreibt Bayer-Manager Reiner Calmund den Fußball-Lehrer treffend. Er käme gut an meinte der Manager, bei den Schlauen und bei den Doofen. Doch Toppmöller hat lange gebraucht, um seinen Weg durch das Fußball-Geschäft zu finden, hat viele Enttäuschungen erlebt und viele Fettnäpfchen getroffen.
Zu Toppmöller gehören auch die peinlichen Geschichten vom lebenden Steinadler in der Kabine von Eintracht Frankfurt und vom Spruch "Bye, Bye Bayern" Anfang der 90-er Jahre, lange bevor Christoph Daum seine Spieler über Scherben laufen ließ. Damals verknüpfte der Trainer sein Schicksal mit dem von Uli Stein und blieb konsequent, als die Eintracht den kritischen Torwart vor die Tür setzte.
Großer Durchbruch verwehrt
Auch das eine Aktion mit Seltenheitswert und für viele Beobachter der Anfang des Niedergangs der Frankfurter. Es folgten sehenswerte Erfolge und Abstiege mit dem VfL Bochum und der schwer nachvollziehbare Wechsel zum damals drittklassigen 1. FC Saarbrücken.
Das Lob des Novembers 2001 wird allerdings schnell in Vergessenheit geraten, wenn Toppmöller bei Bayer nichts Nachhaltiges gelingt. Trainer und Verein benötigen einen Titel. Der Coach ist anerkannt, der Verein überall geschätzt. Doch die Partner verbindet bei allen Erfolgen auch, dass ihnen der große Durchbruch bisher verwehrt blieb. Weitere Lobhudeleien gibt es erst am 4. Mai 2002, wenn die Meisterschale überreicht wird.