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Übersteiger Nach Rudel- nun Jubel-Verbot

 ·  „Regeltechnisch“ eine Gelbe Karte, sagte Schiedsrichter Meyer über das Zaunjubeln des Spielers Beeck. Armer Fußball. Fehlt bloß noch der Hinweis: „Spielen verboten.“

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Es passt zu den trüben Zeiten in diesem Land, dass man jetzt schon fürs Jubeln bestraft wird. Wer sich freut, macht sich verdächtig in Deutschland, vor allem im Osten.

Christian Beeck wollte seine Freude über das seltene Erlebnis eines Cottbusser Heimtores mit den treuen Energie-Anhängern im Stadion der Freundschaft teilen. Er kletterte aus diesem sympathischen Grund den Zaun hoch, der die Bühnenschauspieler der Bundesliga von ihren Bewunderern trennt.

Das Besteigen der Zäune ist verboten

Beeck, nicht gerade als Torjäger bekannt, zog weder das Trikot aus, schon gar nicht die Hose, noch schmähte er die unterlegenen Gegner in irgendeiner Form. Dennoch musste er mit Gelb-rot vom Feld. „Regeltechnisch“ sei das Beklettern des Zaunes eine Gelbe Karte, erklärte der unbarmherzige Schiedsrichter Florian Meyer.

Und da Beeck zuvor schon Gelb hatte, habe es „keinen Ermessensspielraum“ gegeben, schob der Referee nach. Er hätte auch sagen können: „Ich tue nur meine Pflicht.“ Sünder Beeck nahm das Zaunkletterverbot relativ gelassen: „Ich schieße so selten ein Tor, woher soll ich das wissen?"

Wann folgt das Spielverbot?

Meyer hätte ihm die Fifa-Regel erklären können, auch ohne den gelben Karton zu ziehen. Aber dann hätte er vermutlich Minuspunkte im Bewertungsbogen bekommen, was Oberschiedsrichter Volker Roth indirekt bestätigte: „Da bleibt ihm keine Wahl, egal, ob er die Regel gut oder schlecht findet.“

Roths Forderung: „Die Profis besser mit dem Regelwerk vertraut machen.“ Vielleicht sollte der DFB Schilder aufstellen, wie es in deutschen Hausfluren, Parkanlagen und Kinderspielplätzen Usus ist. Fehlt bloß noch: „Spielen verboten“ oder „Rasen betreten verboten“.

Kein Verständnis für Kartenflut

Auch für die verbotene Rudelbildung musste diese Woche wieder einer büßen. Der Stuttgarter Fernando Meira hatte Rostocks Thomas Meggle in der allgemeinen Aufregung nach der Roten Foul-Karte für Bachirou Salou so sanft geschubst, dass dieser noch nicht einmal theatralisch umfiel. Dennoch musste Meira vom Feld.

Auch hier entschied der Schiedsrichter, Hermann Albrecht, den Regeln entsprechend. Auch hier kassierte er Unverständnis: „Gelb hätte es auch getan“, sagte Hansa-Trainer Armin Veh. „Für solche Roten Karten habe ich kein Verständnis“, befand VfB-Coach Felix Magath.

Vierter Mann und Runder Tisch

Armer Fußball. Offenkundig bringen die Regelkundler die Unparteiischen so in Zugzwang, dass diese jede Woche neue Kartentricks aufführen. Nach dem Rekord von zehn Platzverweisen in acht Tagen fordern nun Experten ein Nachbessern des Regelwerks. Die einen wollen einen vierten Schiri, andere fordern analog zur Regel Nummer eins („Der Ball ist rund“) einen Runden Tisch. Volker Roth will seine Zunft zur psychologischen Schulung durch Polizei-Experten schicken.

So lange das Jubelverbot noch gilt, sollten Christian Beeck und Co. ihre Tore einfach in größeren Stadion schießen. In Stuttgart, München oder Hannover trennen Tartanbahnen die Felder von den Fans. Die Zäune sind weit weg. Da fällt das Zaunklettern schwer. Vielleicht sollte Beeck auch nach England gehen. Da gibt es gar keine Zäune am Spielfeldrand.

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Jahrgang 1969, Sportredakteur.

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