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Übersteiger Gebührenfinanzierte Millionäre

17.06.2003 ·  Bundesliga bei der ARD - da freut sich der Profi-Fußball, und der Gebührenzahler ärgert sich. Für die Privaten ist der Kick zu teuer, die Öffentlich-Rechtlichen springen unter dem Druck der Politik ein. Die FAZ.NET-Fußballkolumne.

Von Cai Philippsen
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Spätestens wenn Edmund Stoiber (CSU) und Kurt Beck (SPD) einer Meinung sind, ist Skepsis angesagt. Die beiden Landesväter, Fußball-Fans und Populisten hatten per „Bild“-Zeitung von der ARD ein schnelles Verhandlungsergebnis „im Sinne von Millionen Fußball-Fans“ gefordert.

Vor allem in ihrem Sinne, müßte hinzugefügt werden. Fußball-Bundesliga nur noch im Pay-TV, mit dieser Schreckensvision läßt sich prima Stimmung machen. Der öffentliche Druck der Politik, Kanzler Schröder hätte bei einem weiteren Stocken der Verhandlungen sicherlich nicht mehr lange auf sich warten lassen, hat das letzte bißchen Vernunft bei den ARD Intendanten weichen lassen.

Gebührenerhöhung wird kommen

65 Millionen Euro pro Saison will die öffentlich-rechtliche Senderfamilie für die nächsten vier Jahre an Rechteinhaber Infront überweisen. Für die Privaten ist der samstägliche Bundesliga-Kick längst zu teuer geworden. 80 Millionen hatte Sat.1 für die vergangene Saison bezahlt, 45 für die nächste geboten. 50 Millionen Euro Verlust mit dem Bundesliga-Geschäft allein aus der abgelaufenen Saison meldete Pro-Sieben-Sat.1-Chef Urs Rohner.

Egal, wir sind ja nicht von Werbeeinnahmen abhängig, wir können ja die Gebühren weiter erhöhen, müssen sich die ARD-Intendanten zugerufen haben. Wenn die schon intensiv diskutierte Erhöhung kommen wird, wissen die Fernsehzuschauer zumindest, für wen sie zahlen.

Ohne das Land wäre der Klub insolvent

Fußball-Millionäre, gebührenfinanziert. So soll der bereits vorbereitete Slogan einer Werbekampagne des Verbandes Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT) lauten. Die vielkritisierte Gehälterexplosion in der Bundesliga wurde von den steigenden Fernsehgeldern seit Anfang der 90er Jahre ausgelöst und fand ihr vorläufiges Ende erst mit dem Zusammenbruch des Kirch-Imperiums und den anschließend bröckelnden Kosten für die Übertragungsrechte. Dank des ARD-Engagements sind die Millionengehälter selbst für Mittelklassespieler nun auf Jahre gesichert.

Damit die Fußballvereine nicht in finanzielle Schwierigkeiten geraten, hatten Politiker nach dem Kirch-Crash schon über Staatsbürgschaften sinniert und wurden erst durch die öffentliche Empörung ausgebremst. Doch Bürgschaften oder andere finanzielle Hilfen von Städten und Bundesländern sind längst üblich. Hessen rettete so Eintracht Frankfurt vor dem Zwangsabstieg, Rheinland-Pfalz und Lautern-Fan Beck sind bis zur Halskrause in die Finanzschwierigkeiten des 1. FC Kaiserslautern verwickelt. Ohne das Land wäre der Klub längst insolvent. Und das sind nur zwei Beispiele.

Das Interesse der Politik

An nahezu allen neuen Stadien beteiligen sich Länder, Städte oder sogar der Bund direkt und indirekt. Eine perfekte Subvention für die Fußball-Unternehmen. Und so ist das Interesse der Politiker quer durch alle Parteien an der finanziellen Gesundheit der Vereine ganz natürlich. Von der wirtschaftlichen Bedeutung des Profifußballs für ihre Region werden sie bald wieder reden.

Und das verstärkte Fußball-Engagement der Öffentlich-Rechtlichen wird noch ein weiteres Opfer haben: Den sogenannten Restsport. Für den wird weder in der ARD-Sportschau noch in der ZDF-Sportreportage kein Platz mehr bleiben. Aber dafür interessiert sich ohnehin kaum einer, das wissen auch Stoiber und Beck.

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