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Übersteiger Bazillus bei Ballack: Eingeimpfte Selbstüberschätzung

 ·  Die Krise bei Bayer Leverkusen hat Berti Vogts an einem Mann festgemacht. Michael Ballack ist der Buhmann.

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Berti Vogts hatte Michael Ballack ausgewechselt. Und ihn danach attackiert, weil er Angst hat, dass seine Mannschaft „vielleicht nicht mehr lebt“.

Reiner Calmund fürchtet den „schleichenden Bazillus namens Egoismus.“ Er sagte nicht so direkt wie der Trainer, wen er meinte, doch auch für Calmund stand fest: So behäbig darf sich vielleicht der Manager durch die Vip-Räume der BayArena, nicht aber der Spielgestalter der Bayer-Elf über den Rasen bewegen.

Freiburger Fehltritt mit Frankfurter Ursache

„Mit Michael Ballack fing das schon in Frankfurt an“, diktierte Vogts in Blöcke, Mikrofone und Kameras. Es ist in der Tat so, dass der fatale Freiburg-Fehltritt Frankfurter Ursachen hat. Wie eine Diva war Ballack schon in der Vorwoche im Waldstadion durchs Mittelfeld stolziert. Fachzeitschriften hatten ihm dafür vernichtende Noten verpasst. Doch die öffentliche Wahrnehmung war eine andere. Zumal der Mann noch als Studiogast fürs ZDF-Sportstudio eingeladen war.

So ergab sich folgendes kuriose Szenario für den Kicker: Er spielte schlecht, wurde aber direkt nach dem Spiel als erstes von Journalisten in den Arm genommen, die über die Nationalmannschaft berichten und sich langfristig einen guten Draht zu den Auserwählten sichern müssen. „Gut gespielt, Michael.“

Eine gute Szene - drei mal gesendet

Dasselbe hört der 24-Jährige, der nebenbei gut aussieht, von Fans und Verehrerinnen auf dem Weg zur Luxuslimousine. Die stand für ihn hinter den Vip-Räumen parat. Im Sportstudio angekommen, durfte er einen Beitrag bewundern, der die Wahrheit auf dem Platz nicht wiedergab.

Tenor: Michael Ballack war gut, aber er könne besser. Dreimal wurde seine einzig gute Szene - ein Freistoß aus dem Stand - gesendet. Kein Wort über Ballacks begrenzten läuferischen Aufwand und seinen mangelnden Einsatz.

Realitätsverlust aus der Außenwelt

Ein Tag aus dem Leben eines vermeintlichen Stars, ein Beispiel, dass die Diskrepanz zwischen Schein und Sein verdeutlicht. Tagtäglich von außen eingeimpfter Realitätsverlust. Ist es ein Wunder, dass Ballack zur „personifizierten Leidenschaftslosigkeit und Genügsamkeit“ wird?

„Der hat keine zehn Länderspiele, benimmt sich aber wie ein Weltmeister“, hat Rekordnationalspieler Lothar Matthäus schon nach der EM gelästert. Als Matthäus am Samstag den Fehltritt des Leverkuseners im Premiere-Studio kommentierte, konnte er sich das Lächeln nicht verkneifen. „Der Michael Ballack muss noch viel lernen.“

Keine Zeit zum Lernen

Aber hat ein Fußballer, der bei BSG Motor Karl-Marx-Stadt mit dem Kicken begonnen hat, dann beim Chemnitzer FC Profi wurde, ehe ihn der 1. FC Kaiserslautern in die Bundesliga holte, überhaupt Zeit für Lernprozesse? Otto Rehhagel hatte ihm schon in der Pfalz fehlende Einsicht vorgeworfen und ihn gen Leverkusen ziehen lassen, weil seine Erziehungsmaßnahmen nicht fruchteten.

Die Automatismen sind andere: Nach einem überzeugenden Länderspiel gegen Griechenland wurde Ballack neben Sebastian Deisler zum Hoffnungsträger der übernächsten Weltmeisterschaft ernannt. Er hat erst 15 Länderspiele absolviert, keine 100 Bundesliga-Spiele bestritten, gerade 15 Tore geschossen - dennoch ist der Mann auf den Titelseiten von Fach- und Frauenmagazinen, gefragt, begehrt und bestens bezahlt. Es heißt, Real Madrid wolle ihn, Bayern München werbe um ihn.

Der Spieler ist immer der Gewinner

Ballack müsse sich nun hinterfragen, mahnte Vogts vor einem Millionenpublikum, ob er nicht mehr für seinen aktuellen Club Bayer 04 leisten müsse. Die Antwort ist einfach: Muss Ballack nicht. Denn, wenn er weiter so spielt, wird er gegen geringes Entgelt den Verein verlassen können und ein sattes Handgeld kassieren. Tut er ein bisschen mehr, wird wiederum Bayer begierig sein, den Vertrag zu erheblich verbesserten Konditionen zu verlängern. So oder so ist seit Bosman immer der Spieler der Gewinner - beinahe gleich, wie er auftritt.

Die Leistung des Vereins und die Gegenleistung des Spielers geraten immer häufiger ins Ungleichgewicht. Wenn auch Vogts mit seinen Worten nichts daran ändern kann, ist löblich, dass er einmal darauf hingewiesen hat. Und zwar namentlich.

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