Home
http://www.faz.net/-gtl-nl9f
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Übergewichtige Kinder Kostenlawine durch Fettleibigkeit befürchtet

07.04.2003 ·  Laut einer Studie des bayerischen Gesundheitsministeriums ist der Anteil übergewichtiger Kinder in den letzten Jahren stark angestiegen: Bewegungsmangel und falsche Ernährung sind dafür verantwortlich.

Von Günter Müller, richtigfit.de
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die Kinder in unserer Gesellschaft essen viel zuviel, bewegen sich immer weniger und werden immer dicker. Diese bedrückende Erkenntnis beschäftigt mittlerweile immer mehr Eltern, Lehrer, Ärzte und Politiker. Bei einem aktuellen Gespräch in dieser Woche zwischen dem Präsidenten des Deutschen Sportbundes, Manfred von Richthofen, und Verbraucherschutz-Ministerin Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen) in Berlin war dieser Missstand das zentrale Thema.

Künast will versuchen, einen Ausweg aus dieser Misere zu finden. Am 8. Juli sollen Experten in Berlin über Adipositas - also Fettleibigkeit - bei Kindern diskutieren und Vorschläge entwickeln.

Jedes zehnte Kind im Alter von sechs Jahren zu dick

Das Ausmaß des Übergewichts wird aus einer jetzt veröffentlichten Auswertung des bayerischen Gesundheitsministerium und der Universität München nochmals deutlich. Von 1998 bis 2001 wurden alle Untersuchungen der Schulanfänger in diesem Bundesland analysiert. Danach ist rund jedes zehnte Kind bereits im Alter von sechs Jahren zu dick. Der Anteil der übergewichtigen Kinder stieg von 8,5 Prozent im Jahr 1982 auf 11,6 Prozent im Jahr 2000. Unter Fettsucht litten 1982 nur 1,8 Prozent, 18 Jahre später waren es bei den Erstklässlern schon 3,2 Prozent.

Bei nicht-deutschen Kindern tritt das Übergewicht sogar noch doppelt so häufig auf. Als Folge leiden die Kinder unter anderem immer früher an Diabetes - Zuckererkrankung - und Herz-Kreislauf-Störungen. „Auf das Gesundheitswesen rollt eine unglaubliche Kostenlawine zu, wenn nicht mit allen Kräften eingeschritten wird“, meinte der bayerische Gesundheitsminister Eberhard Sinner, der die Untersuchung in Auftrag gegeben hatte.

Bewegungsmangel und falsche Ernährung

Die Zahlen des Verbraucherschutz-Ministeriums sind noch erschreckender. Danach leidet bereits jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche an Übergewicht. Sieben bis acht Prozent aller Kinder und Jugendlichen werden bereits in den Bereich der Fettsüchtigkeit eingestuft. Als fettsüchtig gilt, wer 20 Prozent über dem Sollgewicht liegt. Die kürzlich vom Deutschen Sportbund und der AOK - Die Gesundheitskasse vorgestellt Studie über den körperlichen Zustand von Kindern verzeichnet einen erschreckenden Rückgang der Fitness der Kinder und Jugendlichen. Innerhalb von sieben Jahren ist sie um 20 Prozent zurück gegangen.

Der bayerische Gesundheitsminister appelliert nun an alle Verantwortlichen, das gewaltige Problem von zwei Seiten anzugehen. Einmal muss der Bewegungsmangel durch das immer mehr zunehmende Fernsehschauen und die ausufernde Zeit vor dem Computer bekämpft werden. Als Zweites gilt es, falsches Ernährungsverhalten abzustellen. Schon in Kindergärten und in Grundschulen soll versucht werden, die Kinder zum gesünderen Essen zu bewegen.

Mithilfe der Eltern

Aber eine Umstellung sowohl in der Ernährung als auch hin zu mehr Sport geht nur durch die Mithilfe der Eltern. Bisher gelingt es lediglich bei zehn Prozent der Eltern, die Bereitschaft zu erwecken, wie Dr. Martin Wabitsch von der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kinder- und Jugendalter weiß. Erst durch eine gesteigerte Aufklärung der Bevölkerung können die notwendigen Schritte erreicht werden.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Improvisieren unter Zeitdruck

Von Michael Ashelm

Die Nationalelf setzt darauf, dass die frustrierten Münchner ihr neuen Anschub geben. Über genug Turniererfahrung und Reife verfügen die Leistungsträger. Zudem ist es ja nicht so, als hätten die Gegner keine Sorgen. Mehr 1 2