15.11.2003 · Im Playoff-Hinspiel um die Teilnahme an der EM 2004 haben die deutschen Fußball-Junioren in Leverkusen 1:0 gegen die favorisierten Türken gewonnen. Vor dem Rückspiel am Dienstag in Istanbul gab es Lob von allen Seiten.
Der Teamchef war begeistert, der Gegner beeindruckt, der DFB-Nachwuchs zuversichtlich: Durch das 1:0 im Playoff-Hinspiel gegen die favorisierte Türkei kam die deutsche U-21-Nationalmannschaft nicht nur ihrem Traum von der EM-Endrunde einen Schritt näher - sie sammelte vor dem Rückspiel am nächsten Dienstag in Istanbul auch eine gehörige Portion Selbstvertrauen.
„Wir haben uns in einem von zwei Auswärtsspielen eine gute Ausgangsposition geschaffen. Es war beeindruckend, wie sich die Mannschaft vor dieser Kulisse verkauft hat. Das zeugt von Nervenstärke“, sagte DFB-Trainer Ulli Stielike - die mit 22.000 Zuschauern ausverkaufte Leverkusener BayArena war zu zwei Dritteln mit türkischen Fans besetzt.
Torschütze Balitsch zuversichtlich
Auch Kapitän Hanno Balitsch, der in der 14. Minute den Siegtreffer für die DFB-Junioren erzielt und damit die richtige Antwort auf die Kritik von DFB-Teamchef Rudi Völler gegeben hatte, bestieg am Sonntag mit einem guten Gefühl den Flieger nach Istanbul: „Wenn man vor so einer Kulisse bestehen kann, muß man auch vor Istanbul keine Angst haben. Wir werden ein Tor erzielen, dann müssen die Türken schon drei schießen - und ich weiß nicht, wie die das machen wollen.“
Zuversicht, die nach einem „tollen Spiel und einem tollen Fußball-Abend“, wie Völler schwärmte, laut Türkei-Intimus Christoph Daum durchaus berechtigt ist. „Das war mehr als die halbe Miete für die deutsche Mannschaft. Die Türken haben Probleme, wenn sie das Spiel machen müssen“, sagte der Trainer von Fenerbahce Istanbul, der auch die Atmosphäre im „Fenerbahce Sükrü Saracoglu Stadion“ nicht als Problem erachtet: „Da passen 55.000 Zuschauer rein. Ich denke, das Stadion wird nicht mal zur Hälfte voll sein. Schlimmer als in Leverkusen wird es nicht werden.“
In der BayArena deutete der DFB-Nachwuchs auch ohne die Stuttgarter Jungstars Kevin Kuranyi und Andreas Hinkel, die am Samstag das A-Länderspiel gegen Frankreich bestreiten, sowie ohne den verletzten Münchner Tobias Rau sein Potenzial an und beeindruckte selbst den Gegner. „Ich bin überrascht, wie gut die Deutschen mit der Kugel umgehen können. Wenn man sieht, daß Kuranyi, Hinkel und Rau noch in dieser Mannschaft spielen dürften, sind sie in der Weltspitze ganz oben dabei“, lobte Bundesligaprofi Halil Altintop vom 1. FC Kaiserlautern.
Lob für Lahm, Tadel für Wiese
So weit wollte Stielike nicht gehen. „Wir dürfen uns nicht zufrieden geben. Wir hatten vor allem in der ersten Hälfte zu viele Ballverluste, zu viele spieltechnische Fehler. Das müssen wir noch verbessern“, sagte der DFB-Coach, der jedoch mit dem Kampfgeist rundum zufrieden war: „Daß die Jungs zur EM wollen, haben sie ausdrücklich bewiesen. Jeder ist bis ans Letzte gegangen. Bis Dienstag muß ich einige in Watte packen.“
Während Stielike vor allem dem 20 Jahre alten Philipp Lahm vom VfB Stuttgart ein Sonderlob („Das war sensationell“) zollte, übte er an Torwart Tim Wiese trotz dessen starker Leistung Kritik. „Solche Mätzchen können die Zuschauer gegen uns aufbringen. Das ist ein bißchen unverständlich, auch wenn man auf dem Platz einen 180er-Puls hat“, schimpfte Stielike über den FCK-Keeper, der sich mit den türkischen Fans ein Privatduell geliefert hatte.
Allerdings zeigte sich Wiese, der mit Feuerzeugen beworfen wurde, uneinsichtig: „Ich habe die Zuschauer nicht provoziert, ich habe nur zurückgeschmissen. Und wenn sie in Istanbul wieder anfangen, dann lege ich mich wieder mit ihnen an.“
Am Dienstag muß die DFB-Auswahl auf den überzeugenden Innenverteidiger Alexander Madlung von Hertha BSC Berlin verzichten, der sich seine zweite Gelbe Karte einhandelte. Stielike nominierte am Samstag Stürmer Marcel Schied vom Zweitligaverein VfL Osnabrück nach. Für Madlung wird voraussichtlich der Wolfsburger Maik Franz in die Mannschaft rücken.