18.11.2003 · Vor dem entscheidenden Spiel der deutschen U 21-Junioren gegen die Türkei in Istanbul ist die Sicherheit das zentrale Thema. Der DFB-Nachwuchs muß sich durchsetzen, um sich für die EM und Olympia qualifizieren zu können.
Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch, aber viel Selbstvertrauen gehen die „U21“-Junioren des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in das Spiel des Jahres. Im zweiten Playoff-Duell mit der Türkei in Istanbul am Dienstag (19.30 Uhr, live im DSF) steht die EM-Teilnahme, der Traum von Olympia 2004 und eine Menge Prestige auf dem Spiel.
Aber Sicherheit geht nach den Terroranschlägen, die am Samstag 23 Todesopfer gefordert hatten, in der türkischen Metropole über alles: „Es ist bedrückend, wenn so etwas passiert. Aber ich denke und hoffe, daß der Sport davon nicht betroffen ist“, sagte DFB-Trainer Ulli Stielike.
„Sie sind es, die unter Druck stehen“
Das Team des ehemaligen Nationalspielers hat sich von Polizei-Eskorten und verschärften Sicherheitsvorkehrungen nicht verunsichern lassen. Nach dem 1:0-Sieg im Hinspiel in Leverkusen ist die Zuversicht groß. „Wir haben alle Karten in der Hand und sind in der Lage, den Türken Paroli zu bieten. Sie sind es, die unter Druck stehen“, meinte Stielike, der im Sükrü-Saracoglu-Stadion von Fenerbahce Istanbul vor allem auf konzentrierte Abwehrarbeit setzt: „Wir werden in der Deckung noch kompakter stehen als ohnehin schon. Das Ergebnis erlaubt uns das. Aber ich erwarte, daß jeder wie im Hinspiel an seine Schmerzgrenze geht.“
Ob das der Fall sein wird, wird auch Rudi Völler vor Ort feststellen. Der Teamchef reiste gemeinsam mit DFB-Trainer Michael Skibbe in die türkische Metropole, um das Spiel live zu verfolgen.
Doppelspitze Hanke und Lauth angeschlagen
Der Schlüssel zum Sieg ist ein Tor, mit einem 0:0 zu kalkulieren, kommt nicht in Frage. „Wenn wir ein Tor schießen, müssen die Türken drei machen. Ich weiß nicht, wie sie das bei
unserer Abwehr machen wollen“, meinte Kapitän Hanno Balitsch, der im Hinspiel am vergangenen Freitag in Leverkusen den entscheidenden Treffer erzielt hatte.
Allerdings steht ausgerechnet hinter dem Einsatz von Stielikes Doppelspitze ein Fragezeichen. Mike Hanke von Schalke 04 (Wadenprobleme) und Benjamin Lauth von 1860 München (Hüftprellung) sind angeschlagen. Als Ersatz stehen Benjamin Auer (FSV Mainz 05) und der nachnominierte Marcel Schied (VfL Osnabrück) bereit. „Ich will unbedingt spielen. Wir haben am Freitag gezeigt, daß wir nicht schlechter sind als die Türken. Wir gehen mit großem Selbstvertrauen ins Spiel“, meinte Lauth.
„Olympia ist noch weit weg“
Die Türken greifen unterdessen zu ungewöhnlichen Mitteln, um die Deutschen in die Schranken zu weisen. Der Eintritt am Dienstagabend ist frei, damit möglichst viele Fans in die 55.000 Zuschauer fassende Arena kommen. Die Offiziellen rechnen mit mindestens 35.000 Besuchern. Die werden besonders Torwart Tim Wiese im Visier haben. Der Lauterer hatte in Leverkusen die türkischen Fans mit Provokationen gegen sich aufgebracht.
„Die Stimmung wird noch extremer werden als in Leverkusen, wo wir ja eigentlich schon ein Auswärtsspiel hatten. Wir müssen sehen, daß die Abwehr wieder gut steht, das war schon im Hinspiel entscheidend“, meinte England-Legionär Thomas Hitzlsperger von Aston Villa. Nur der Sieger des Duells qualifiziert sich für die EM-Endrunde 2004 (27. Mai bis 2. Juni).
Bei der EM-Endrunde werden noch drei weitere Europa-Vertreter neben Gastgeber Griechenland für die Sommerspiele in Athen ermittelt. Tiffert: „Olympia ist natürlich ein Ziel, aber noch sehr weit weg.“