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TV-Fußball Netzer will auch Bundesliga-Rechte

09.10.2002 ·  Bei einem Management-Buyout der KirchSport AG will Günter Netzer offenbar nicht nur die TV-Rechte an der WM 2006 in Deutschland erwerben.

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Sein Wort hat im deutschen Fußball Gewicht. Als ARD-Experte vor den TV-Kameras mit seinen intelligenten Analysen und als Macher im Hintergrund. Nun könnte dem einstigen Legionär bei Real Madrid noch eine königlichere Rolle im Business rund um den Ball zufallen.

Günter Netzer verhehlt nicht mehr seine Ambitionen, die WM-Rechte 2006 zu erwerben. Der Weg: Mitsamt anderen Führungskräften übernimmt er die KirchSport AG durch ein sogenanntes Management-Buyout. Als Investor hat die Gruppe Robert Louis-Dreyfus gewonnen. Der ehemalige adidas-Chef und international einflussreiche Präsident von Olympique Marseille will ebenfalls ein bedeutendere Role spielen.

„Es geht um weltweite Rechte“

Als Kaufpreis werden rund 300 Millionen Euro gehandelt. Alleine die WM-Rechte sind ein Vielfaches wert, müssten in Folge allerdings auch noch weiter finanziert werden.

Die Hamburger Wochenzeitung Die Zeit zitiert Netzer: „Es geht um die weltweiten Fernsehrechte. Inklusive Deutschland.“ Der Gläubigerausschuss von KirchMedia steht nach früheren Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen einem gesonderten Verkauf des Sportrechte-Geschäfts positiv gegenüber. Ursprünglich wollte die KirchMedia-Geschäftsführung das Kerngeschäft des Medienkonzerns - bestehend aus Produktion, Film- und Sportrechtehandel und der Mehrheit an der profitablen Senderfamilie ProSiebenSat.1 Media - als Ganzes an einen Investor abgeben.

Leo Kirch wirkt im Hintergrund

Allerdings hatte auch die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Invision Berichte bestätigt, wonach sich das Unternehmen um die Sportrechte der insolventen KirchMedia bemüht. „Wir bieten um die Sportrechte", sagte Peter Titz, Verwaltungsratspräsident der Invision AG. Titz dementierte hartnäckige Gerüchte, hinter dieser Investoren-Gruppe verberge sich Leo Kirch mitsamt seines ehemaligen Kronprinzen Dieter Hahn. „Dass Herr Kirch und Herr Hahn in dem Konsortium sind, das kann ich mit Sicherheit dementieren."

Hahn hatte für Kirch 1997 den überraschenden Coup in Zürich gelandet, von der Fifa-Exekutive die Rechte zu erwerben. An diesem Deal vorbei an der europäischen Rundfunkunion EBU (der auch ARD und ZDF angehören) hatte Fifa-Präsident Sepp Blatter einen entscheidenden Anteil.

Chancen für die ARD?

Würde ARD-Kommentator Netzer, gleichzeitig auch Aufsichtsratsmitglied für die Weltmeisterschaft 2006 Deutschland, die WM-Rechte erwerben, dürfte auch die ARD hoffen, wieder bessere Karten als bisher beim Erwerb der Übertragungsrechte zu haben. Bislang gibt es gemeinsam mit dem ZDF nur eine Option auf 24 Spiele (wie 2002), die rund 130 Millionen Euro kosten sollen.

ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf: „Wir hätten keine Probleme damit. Schaden könnte es uns nicht. Ich gehe davon aus, dass der Geschäftsmann Günter Netzer beide Bereiche auseinanderhalten kann.“

Bundesliga „im Paket“

Netzer will sich nun in den Verhandlungen mit KirchMedia auch die TV-Rechte am deutschen Profi-Fußball sichern. Die Bundesliga sei „mit im Paket“. Bisherigen Berichten zufolge sollten diese wertvollen Sportrechte in der Kirch-Gruppe verbleiben. Die Investoren um Netzer müssen dafür auch ein Übernahme-Angebot an die Buli GmbH in Deutschland gemacht haben. Diese im Sommer neu gebildete Tochterfirma hat im Sommer formal die Rechte der insolventen KirchMedia übernommen.

Netzer widersprach allerdings den Ertragsprognosen, welche die Unternehmensberatung Roland Berger für das Sportrechtegeschäft ausgegeben hatte. Die Berater nannten in einer Analyse der Kirch-Gruppe die Summe von 569 Millionen Euro als mögliches Ergebnis in den kommenden Jahren. „Vieles davon steht nur auf dem Papier“, lautete Netzers Kommentar in der Zeit.

Defensive DFL

Wilfried Straub, geschäftsführender Vorsitzender der Deutschen Fußball Liga (DFL), gibt sich gelassen: „Wir müssen zu allen Transaktionen unserer Partner die Zustimmung geben. Im Ernstfall fallen die Rechte wieder an uns zurück. Alle Partner sind nur Mittler; die Rechte bleiben bei der Liga.“

Auch beim Weltfußball-Verband Fifa heißt die Devise „Defensive“. Fifa-Präsident Joseph Blatter: „Wir haben mit den bisherigen Managern der KirchSport AG, die eine Gesellschaft in der Schweiz ist, immer gut zusammen gearbeitet. Sollte die KirchSport AG in den Strudel der Pleite der KirchMedia in Deutschland gerissen werden, fallen die WM-Rechte an die Fifa zurück. Das ist ein Faktum. Alle anderen Fragen sind Probleme des deutschen Insolvenzverwalters.“

KirchMedia-Geschäftsführer Joachim Ziems wollte auf Anfrage des Sport-Informationdienst (sid) keine Stellungnahme abgeben. Er ließ über einen Sprecher ausrichten, in einem laufenden Bieterverfahren für Auskünfte nicht zur Verfügung zu stehen.

Kein Interesse am DSF

Ursprünglich hatten die Insolvenzverwalter beabsichtigt, mit dem gesamten Sportbereich auch den defizitären Spartensender DSF abzugeben. Nachdem aber Netzer kein Interesse signalisiert hatte, scheinen die Ausschreibungs-Kriterien geändert worden zu sein.

Ein Insider: „Als Fernsehdirektor müsste er ja arbeiten, und noch hat er keinen Hacky Wimmer wie einst bei Borussia Mönchengladbach, der für ihn laufen würde.“

Zumindest aber hätte Netzer mit diesen Deals bewiesen, nicht nur auf dem Rasen, sondern auch am Verhandlungstisch über außergewöhnliche Techniken zu verfügen. Und Ausdauer hätte er auch bewiesen.

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