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Turn-Skandal Paul Hamm als falscher Olympiasieger

22.08.2004 ·  Drei Kampfrichter wurden wegen ihres Fehlurteiles suspendiert, doch der Amerikaner Paul Hamm soll Mehrkampf-Olympiasieger bleiben. „Das ist hammerhart“, findet nicht nur DTB-Sportdirektor Wolfgang Willam.

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Olympiasieger Paul Hamm muß um Gold zittern und auf ewig mit einem Makel leben - ein Skandal um falsche Wertungen von Kampfrichtern hat dunkle Schatten auf die Turn-Wettbewerbe in Athen geworfen.

Südkorea plant nach der Suspendierung von drei Kampfrichtern durch den Weltturnverband FIG den Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS. Ein Team-Sprecher bestätigte am Sonntag, daß die Anwälte an einem entsprechenden Protestschreiben arbeiten, das spätestens am Montag übergeben werden soll.

Drei Kampfrichter suspendiert

Zuvor hatte der Welt-Turnverband FIG nach einem Protest der südkoreanischen Mannschaftsführung gegen den Ausgang des Mehrkampffinales am Wochenende Fehler des Kampfgerichts eingeräumt und drei Kampfrichter suspendiert. Trotz des indirekten Eingeständnisses, daß mit dem Amerikaner Paul Hamm der falsche Olympiasieger gekürt wurde, bestätigte die FIG das Resultat des Wettkampfes.

Laut Reglement sei ein Protest gegen Kampfrichter-Urteile unzulässig, die Wettkampf-Wertungen werden als Tatsachen-Entscheidung betrachtet, hieß es von der FIG. „Wir sind uns klar, daß diese Entscheidung einen negativen Einfluß auf das Image des Turnens hat“, erklärte Dimitris Dimitropoulos, der Präsident des Europäischen
Turnverbandes UEG.

„Kampfrichter machen Fehler, das ist menschlich“

Die Koreaner hatten gegen die Wertung für ihren Turner Tae Young Yang protestiert, der am Mittwoch im Mehrkampf Platz drei belegt hatte. Die Asiaten waren zurecht der Meinung, daß der Ausgangswert von Tae Young Yang am Barren 10,0 Punkte und nicht wie von den Kampfrichtern anerkannt 9,9 betragen habe. Mit einem Zehntelpunkt mehr hätte Yang vor Hamm Gold gewonnen.

„Kampfrichter machen Fehler, das ist menschlich. Aber es ist wie im Fußball, man kann ein Resultat nicht mehr ändern, wenn das Spiel zu Ende ist“, erklärte FIG-Sprecher Philippe Silacci. Ein CAS-Sprecher erklärte dem britischen Fernsehsender BBC, daß der Sportgerichtshof generell nicht nachträglich über sportliche Entscheidungen befinde, fügte aber hinzu: „Wir werden uns damit befassen, wenn der Antrag vorliegt.“

„Das ist hammerhart“

Die Namen wurden offiziell nicht mitgeteilt, doch gilt als sicher, daß es sich bei den Suspendierten um Benjamin Bango (Spanien) und Oscar Reyes (Kolumbien) handelt, die für die Ausgangswerte am Barren zuständig waren. Daß als Dritter im Bunde ausgerechnet Oberkampfrichter George Beckstead aus den Vereinigten Staaten seinen Landsmann Hamm zum Olympiasieger kürte, läßt den Beigeschmack der Affäre noch bitterer werden.

„Das sind doch nur halbherzige Konsequenzen. Das hilft doch den Koreanern wenig, zu wissen, daß sie im Recht sind, aber das Gold nicht bekommen. Der Athlet hat gar nichts davon, wenn jetzt Kampfrichter ausgeschlossen werden. Das ist hammerhart“, urteilte Wolfgang Willam, der Sportdirektor des Deutschen Turner-Bundes (DTB).

„Ich komme aus Rußland, sie aus den USA

Schon zuvor hatte es von verschiedenen Seiten heftige Kritik an zu hohen Wertungen für amerikanische Turner gegeben. „Den Amis sind die Punkte doch gerade zu in den Arsch geschoben worden“, beklagte sich der deutsche Reck-Finalist Fabian Hambüchen nach der Mannschaft-Konkurrenz. Auch nach den Frauen-Entscheidungen hatte es vor allem von russischen Trainern heftige Vorwürfe gegeben. Die Mehrkampf-Zweite Swetlana Chorkina gab nur eine zynische Antwort auf die Frage, was sie denn von Mehrkampf-Siegerin Carly Patterson unterscheide: „Ich komme aus Rußland, sie aus den USA.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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