12.10.2009 · Fabian Hambüchen muss seine Weltmeisterschafts-Teilnahme absagen - und die ganze Turn-Branche leidet an einem Aufmerksamkeitsverlust. Der Turnstar ist unersetzlich.
Von Christiane MoravetzDas schmerzt. Das gerissene Band im linken Fuß des Fabian Hambüchen tut nicht nur dem Turner weh. Wie paralysiert saßen Beobachter und Funktionäre des Deutschen Turner-Bundes (DTB) am Sonntagabend in London in der großen WM-Arena und warteten auf ein Handy-Zeichen aus der Klinik. Denn wenn sich ein Star – der Star – so schwer verletzt, dass er den größten Wettkampf des Jahres nicht bestreiten kann, leidet die gesamte Branche. Und die Auswirkungen sind weit über den Unfall-Ort hinaus zu spüren.
Mit einem „Ratsch“ wird klar, wie sehr Wohl und Wehe einer ganzen Sportart von diesem Fabian Hambüchen abhängen. Er hat das Turnen hierzulande aus einem Dornröschenschlaf geweckt, hat mit seinem Ausnahmetalent, mit überragenden Leistungen und den Titeln, noch mehr sogar mit seinem erfrischenden Auftreten für einen Boom gesorgt, dass sich DTB-Obere und Veranstalter pausenlos die Hände reiben mussten. Wenn Hambüchen turnt, sind die Hallen gut gefüllt, Medienvertreter drängeln sich, Fotografen und Fernsehen tun alles, um Zeuge zu werden von neuen, spektakulären Übungsteilen, phänomenal in den Stand geturnt, und dann von diesen in die Luft gereckten Fäusten und dem anschließenden Anfeuern des Publikums. Mit Hambüchen auf Plakaten werben heißt erfolgreich werben. Auf ihn werden Zeitpläne zugeschnitten, für ihn wurde die neue Turnserie der Champions Trophy konzipiert – vier Mehrkämpfe, von denen er die ersten beiden jeweils überlegen gewann.
Verlust fürs Fernsehen
Und nun ist für den Rest des Jahres alles vorbei, und gleich nach einem ersten Bedauern für Hambüchen wurden bange Fragen gestellt. Wie interessant sind Bundesligawettkämpfe der KTV Straubenhardt ohne ihn, wie sehr können lokale Größen beim DTB-Pokal in Stuttgart die Veranstalter eines der Aushängeschilder des Verbandes versöhnen? Wie viele Fans wollen auf den beiden letzten Champions-Trophy-Stationen in Hannover und Stuttgart acht Turner sehen, die alle Aufmerksamkeit verdient haben – aber eben nicht Fabian Hambüchen sind?
Am Montagvormittag glühten die Telefone auch bei den Fernsehverantwortlichen, und die öffentlich-rechtlichen Anstalten ließen verlauten, man halte an den geplanten Übertragungen fest – wie zum Beweis der These, dass eben nicht nur einer zähle. Im Zweifelsfall kann man den ja als Experten vor Mikrofon und Kamera holen – und so wenigstens die Schmerzen der Veranstalter ein wenig lindern.