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Trump vergreift sich im Ton : „Nehmt den Hurensohn vom Feld“

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Stil ist nicht seine Sache: Donald Trump Bild: AFP

Im Hymnenstreit der NFL mischt sich der amerikanische Präsident mit beleidigenden Worten ein. Austeilen kann Trump, einstecken nicht: Das zeigt seine Reaktion gegenüber NBA-Star Curry.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump hat Klub-Eigentümer aus der Football-Profiliga NFL aufgefordert, den Boykott der amerikanischen Nationalhymne nicht zu tolerieren und protestierende Spieler zu entlassen. „Würdet ihr es nicht liebend gerne sehen, dass ein NFL-Teambesitzer sagen würde, ’Nehmt den Hurensohn vom Feld. Weg damit! Er ist gefeuert’, wenn jemand die Flagge nicht respektiert?“, polterte der 71-Jährige auf einer Wahlkampfveranstaltung in Huntsville im Bundesstaat Alabama für den dortigen republikanischen Senator Luther Strange unter lautem Applaus.

          Der Boykott zeige „die totale Respektlosigkeit vor unserem Erbe“, sagte Trump, „das ist eine Verachtung von allem, wofür wir stehen.“ Auch die Zuschauer sollten nach Ansicht des amerikanischen Präsidenten das Stadion verlassen, wenn ein Spieler sich nicht für die Nationalhymne erhebt: „Ich garantiere euch, dass es dann aufhört“, sagte der umstrittene Republikaner.

          Knien aus Protest gegen Rassismus: Colin Kaepernick (7) und Eli Harold (58)

          Aus Protest gegen Rassismus und Ungerechtigkeit weigern sich einige Sportler seit gut einem Jahr, während der Nationalhymne zu stehen, die bei fast jeder Sportveranstaltung gespielt wird. Grund dafür ist die nach ihrer Meinung ungerechte Behandlung von Minderheiten im Land - insbesondere die Polizeigewalt gegenüber schwarzen Bürgern. Initiator der Protestbewegung ist Colin Kaepernick, ehemaliger Quarterback der San Francisco 49ers. Für die laufende Saison hat der 29 Jahre alte Free Agent prompt noch kein neues Team gefunden.

          Es ist nicht das erste Mal, dass Trump seine Meinung zur Protestbewegung in der NFL öffentlich kundtat. Bereits zuvor hatte der 71-Jährige erklärt, er sei der Grund, warum Kaepernick im Moment arbeitslos sei. „Spaltende Kommentare wie dieser zeigen einen bedauernswerten Mangel an Respekt vor der NFL, unserem großartigen Spiel und all unseren Spielern“, sagte NFL-Chef Roger Goodell am Samstag in einem Statement an: „Die NFL und unsere Spieler sind dann am besten, wenn wir mithelfen, in unserem Land und unserer Kultur ein Einigkeitsgefühl zu schaffen.“

          Trump kann zwar austeilen wie kein Zweiter, aber im Einstecken bleibt er äußerst schwach. Auf Kritk von Basketball-Superstar Stephen Curry reagierte er prompt beleidigt. „Ins Weiße Haus eingeladen zu werden, ist eine große Ehre für ein Meister-Team. Stephen Curry zögert, daher ist die Einladung zurückgezogen“, schrieb Trump auf seinem privaten Twitter-Account.

          Curry hatte am Freitag mitgeteilt, dass er die obligatorische Einladung des Präsidenten für NBA-Champion Golden State Warriors nicht annehmen wolle. „Indem wir handeln und nicht dort hingehen, können wir hoffentlich Veränderungen anregen, für das, was wir in diesem Land tolerieren und was wir akzeptieren", sagte der 28-Jährige: „Ich glaube nicht, dass dieser Schritt alles besser macht. Aber es ist meine Möglichkeit, Dinge anzusprechen."

          Stephen Curry wird Einladung des Präsidenten für NBA-Champion Golden State Warriors nicht annehmen

          Bereits im August hatte Currys Teamkollege Kevin Durant angekündigt, der Einladung Trumps nicht folgen zu wollen. „Ich würde nicht kommen. Ich habe keinen Respekt vor dem Mann, der gerade im Oval Office sitzt. Ich teile nicht seine Ansichten", hatte der „wertvollste Spieler" der abgelaufenen Finalserie in der nordamerikanischen Profiliga seinerzeit gesagt.

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