18.06.2002 · Der Tod von Fritz Walter hat die deutsche Nationalmannschaft in Korea tief getroffen. Freitag gegen die USA spielt die Elf mit Trauerflor.
Von Frank Hellmann, SeogwipoAls die Nachricht vom Tod Fritz Walters die deutsche Nationalmannschaft in Fernost erreichte, haben Team und Teamchef schon tief geschlafen. Kurz vor Mitternacht war es in Korea, als die traurige Nachricht aus Alsenborn eintraf.
So konnten Team und Teamchef erst am Tag danach ihr Mitgefühl zeigen. Sichtlich betroffen saß Rudi Völler auf dem Podium der Pressekonferenz und senkte den Kopf, während Gerhard Mayer-Vorfelder das Wort führte.
„Der deutsche Fußball trauert um Fritz Walter. Wir haben ein großes Idol verloren“, sagte der DFB-Präsident mit brüchiger Stimme. „Er hat das Gefühl entstehen lassen, dass Deutschland wieder zur Völkergemeinschaft gehört. Und er war ein Mensch, der das deutsche Volk tief bewegt hat.“
Mit Trauerflor gegen die USA
Nur mühsam erstickte Mayer-Vorfelder seine Tränen. Zusammen mit Generalsekretär Horst R. Schmidt wird der Präsident zur Trauerfeier nach Deutschland fliegen. „Wir haben eine Persönlichkeit verloren, die in ihrer Bescheidenheit, Fairness und Heimatverbundenheit bis heute große Beispiele gesetzt hat.“ Unvergessen sei der Ehrenspielführer. Und so ist es selbstverständlich, dass Mayer-Vorfelder nach einem Anruf beim Fifa-Präsidenten Sepp Blatter die Erlaubnis einholte, am Freitag im Viertelfinale gegen die USA (13.30 Uhr MESZ/ZDF) mit Trauerflor spielen zu dürfen.
Auch der Teamchef trauerte: „Ich hatte das Glück, ihn oft zu treffen. Fritz Walter hat immer die Bodenhaftung behalten, was in der heutigen Zeit ja gar nicht mehr so einfach ist.“ Der 42-Jährige dachte zurück an Erzählungen von zu Hause. „Mein Vater hat in Tönen von ihm gesprochen, die ein deutscher Nationalspieler in 100 oder 1000 Jahren nie mehr erreichen wird.“
Auch die Spieler zeigten Trauer
Völler dachte auch an Miroslav Klose, dem Pfälzer Himmelsstürmer, der im Fritz-Walter-Stadion noch seine Heimat hat. „Ich werde mit Miro reden. Ihn wird das nicht kalt lassen.“ Andere Spieler des 1. FC Kaiserslautern, der ewigen sportliche Heimstätte des Verstorbenen, stehen nicht im Kader der Nationalelf.
Auch die Spieler zeigten Trauer. „Ich habe ihn kennen gelernt. Wir sind alle sehr traurig, dass er nicht mehr unter uns weilt“, sagte Jens Jeremies. Kapitän Oliver Kahn rief „die Schwarz-Weiß-Bilder von damals“ ins Gedächtnis: „Ich hatte leider keine persönliche Beziehung zu ihm.“
Freitag für Fritz Walter gewinnen
So wagte es Kahn auch als einziger, einen Vergleich zwischen der von Fritz Walter angeführten Weltmeister-Mannschaft 1954 und der von ihm aufs Feld geführten Generation 2002: „Auch 1954 hat man in Deutschland der Mannschaft nichts zugetraut. Jetzt ist das ähnlich. Vielleicht können auch wir Weltmeister werden.“
Rudi Völler wollte an diesem traurigen Tag kürzer denken: „Vielleicht können wir am Freitag für Fritz Walter gewinnen.“