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Trainerwechsel in München Der scharfe Schnitt

Pep Guardiola war nur jetzt zu haben. Das ist gut für die Bayern. Aber sehr schmerzhaft für ihren aktuellen Trainer Jupp Heynckes.

© dpa Vergrößern Schmerzhaftes Ende: Jupp Heynckes durfte wohl nicht mehr über seinen Ausstieg entscheiden

Von Jupp zu Pep. Von der rheinischen Version des biblischen Josef zur katalanischen. Und all das dort, wo man Sepp sagt. Der Übergang vom 67-jährigen Heynckes zu dem seit diesem Freitag 42-jährigen Guardiola wird ein Generationswechsel. Aber kein Wechsel in der Art, Fußball zu denken und zu leben. Das ist ein Verdienst von Heynckes. Dass der FC Bayern den früheren Barça-Coach verpflichten konnte, spreche für „den Stellenwert des Vereins und die Klasse der Mannschaft“, erklärte Kapitän Philipp Lahm und fügte zu Recht an: „Aber auch dafür, was unser Trainer hier geleistet hat.“

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Guardiola ist ein Trainer der neuen Schule. Heynckes ist ein Trainer der alten, die sich erneuert hat. Es ist nicht mehr die Welt eines Ernst Happel oder seines Zöglings Felix Magath, nicht mehr die Zeit der Motivation durch Verunsicherung und knappste Kommunikation. Guardiola steht für die flachen Hierarchien und die romantische Sachlichkeit eines Fußballs für das 21. Jahrhundert. Ein sozialverträglicher Anführer, ein demütiger Diener des Fußballs. Einer, der des schönen Spieles größter Fan ist und dessen größte Fans die eigenen Spieler sind.

Diese unbedingte Verschmelzung von Trainer, Team und Spielidee hat er mit Kollegen wie dem Dortmunder Jürgen Klopp oder dem Freiburger Christian Streich gemein, aber auch mit jung gebliebenen Veteranen wie Alex Ferguson.

Heynckes ist modern geblieben

In diese Kategorie gehört auch Heynckes, der in seiner Zweitkarriere nach Rückkehr aus dem Ruhestand 2009 eine späte Meisterschaft im Verbinden von taktischer Klarheit und sozialer Kompetenz zeigte. Es ist die große Leistung dieses früheren Klassestürmers und späteren Klassetrainers, dass er in fast fünfzig Jahren im Profifußball modern geblieben ist. Und es ist seine stille Tragik, dass er gerade in Momenten auf dem spielerischen Gipfel die traurigsten Abgänge erlebte.

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Zuerst 1998, als er mit Real Madrid die Champions League gewann und entlassen wurde. Nun auch 2013, als er Anfang des Jahres im Trainingslager am Golf in einer Art Abschiedsrede an sich selbst davon sprach, dass der FC Bayern nie „einen moderneren, zeitgemäßeren und attraktiveren Fußball gespielt“ habe. Da wusste er im Gegensatz zur Öffentlichkeit, der die Bayern-Führung noch Heynckes’ Entscheidungsfreiheit über eine Vertragsverlängerung vorgaukelte, dass Guardiola längst unterschrieben hatte.

Dankbarkeit darf nicht Konsequenz verhindern

Man muss die Klubführung allerdings verstehen. Persönliche Dankbarkeit darf ein Unternehmen im globalen Wettbewerb nicht an personeller Konsequenz hindern. Und dies war eine einmalige Chance für die Bayern, dem großen Vorbild Barça endlich den entscheidenden Schritt näher zu kommen. Der Mann, der dieses Welt-Modell des modernen Fußballs von 2007 bis 2011 perfektionierte, wäre nur in diesem Sommer nach seinem Sabbat-Jahr auf dem Markt gewesen.

Und jeder beim FC Bayern, ob Spieler oder Trainer, weiß: Bei aller Pflege eines familiären Klimas nach innen (und des entsprechenden Images nach außen) gehört es ebenso zum „Gesamtpaket“, dass am Ende der Schnitt ganz schnell und scharf sein kann. Jupp ist bald Vergangenheit. Die Zukunft hat Pep.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 17.01.2013, 16:56 Uhr

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