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Tour der France Der „Überflieger“

 ·  Bradley Wiggins gewinnt die 99. Tour de France. Und der Brite will mehr: Bei den Olympischen Spielen in der Heimat möchte er groß auftrumpfen - und die Goldmedaille im Zeitfahren holen.

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© dapd Mann in Gelb: Bradley Wiggins gewinnt die 99. Tour de France

Bradley Wiggins ist allem Anschein nach nicht der beste Fahrer der 99.Tour de France gewesen, zumindest in den Bergen wirkten andere frischer als er. Dass er nach der letzten Etappe nach Paris an diesem Sonntag, die sein Teamkollege Mark Cavendish für sich entschied, dennoch die Tour gewann, als erster Brite überhaupt, lag an seinen herausragenden Fähigkeiten im Zeitfahren, im Radsport salopp „Kampf gegen die Uhr“ genannt. Wiggins kam zugute, dass die Tour diesmal zwei Wettbewerbe dieser Art in ihrem Programm hatte, zuletzt am Samstag.

Der 32 Jahre alte Radprofi aus London präsentierte sich auf der 53,5 Kilometer langen Strecke als „Überflieger“. Er distanzierte auch seinen Landsmann Christopher Froome deutlich, der wie Wiggins beim britischen Team Sky unter Vertrag steht. Froome, in Nairobi geboren und deswegen im Fahrerfeld als „weißer Kenianer“ bezeichnet, hatte sich zuvor in hochalpinem Gelände in exzellenter Verfassung gezeigt; er war sogar Wiggins überlegen. Aber in der arbeitsteiligen Welt des Radsports hatte Froome sich strikt an seine Aufgabe halten müssen: Sein Rennstall hatte ihn als Helfer zur Tour geschickt, er musste sich in den Dienst der gemeinsamen Sache stellen und dem Kapitän Wiggins damit loyal zur Seite stehen.

Team Sky beherrscht die Tour

Dass Wiggins sich in Paris als Radrennfahrer würde krönen lassen können, war in den vergangenen zwei Wochen kaum noch bezweifelt worden. Wiggins und seine tüchtigen Kollegen bei der Equipe Sky beherrschten die Tour de France souverän. Sie setzten den Masterplan ihrer erst vor wenigen Jahren gegründeten Mannschaft eindrucksvoll in die Tat um. Der britische Radrennstall setzt auf moderne, auf hohe Intensität ausgerichtete Trainingsmethoden, auf die Hilfe der Sportwissenschaft, und er wird großzügig alimentiert vom Medienkonzern Rupert Murdochs. Ein Team dieser Größenordnung kostet pro Saison schätzungsweise mehr als 15 Millionen Euro. Doch die „Himmelsstürmer“ aus Großbritannien reizte nicht nur das Gelbe Trikot der Tour de France, ihre rasende Fahrt soll demnächst bei den Olympischen Spielen in London fortgesetzt werden. Wiggins strebt die Goldmedaille im Zeitfahren an, sein Sky-Gefährte Mark Cavendish gilt als aussichtsreicher Kandidat für den Titel im Straßenrennen.

Wiggins hatte schon einigen Lorbeer als Radrennfahrer errungen, er war 2004 und 2008 Olympiasieger auf der Bahn. Nach 2004 war der Brite aus der Bahn geraten, er hatte vorübergehend die Orientierung verloren und sich in den Alkohol geflüchtet. Erst die Geburt seines Sohnes Ben soll ihm wieder Halt verschafft haben. Nun sitzt Wiggins, der sein Glück nur noch auf der Straße sucht, als glorreiches Leichtgewicht auf dem Rad; bei einer Körperlänge von fast 1,90 Meter wiegt er lediglich etwa 70 Kilogramm. Auch das Abspecken befähigte den Londoner, der einen ästhetischen Fahrstil pflegt, zu dem Triumph bei der Tour 2012. Großbritannien huldigt einem neuen Sportidol, in der Hoffnung, nicht eines Tages einen Makel an Wiggins‘ Aufstieg zu entdecken. Manche Geschichten der Tour hatten schließlich schon umgeschrieben werden müssen. Auch solche über Männer in Gelb.

Die Tour in Zahlen, die Endergebnisse nach 20 Etappen:

Gesamtwertung:
1. Bradley Wiggins (Großbritannien) - Sky 87:34:47 Std.
2. Christopher Froome (Großbritannien) - Sky + 3:21 Min.
3. Vincenzo Nibali (Italien) - Liquigas-Cannondale + 6:19
4. Jurgen van den Broeck (Belgien) - Lotto-Belisol + 10:15
5. Tejay van Garderen (USA) - BMC + 11:04
6. Haimar Zubeldia (Spanien) - Radioshack-Nissan + 15:41
7. Cadel Evans (Australien) - BMC + 15:49
...11. Andreas Klöden (Kreuzlingen/Schweiz) -Radioshack-Nissan + 17:54
...47. Dominik Nerz (Wangen/Allgäu) -Liquigas-Cannondale + 1:42:12 Std.
...52. Jens Voigt (Berlin) -Radioshack-Nissan + 1:50:41
...58. Marcus Burghardt (Steinmaur/Schweiz) - BMC + 1:57:39
...82. Christian Knees (Euskirchen) - Sky + 2:26:43
...86. Danilo Hondo (Lugano/Schweiz) -Lampre-ISD + 2:37:55
...123. André Greipel (Hürth) - Lotto-Belisol +3:09:02
...125. Bert Grabsch (Kreuzlingen/Schweiz) - Omega-Quick Step
+ 3:13:06
...132. Marcel Sieberg (Bocholt) - Lotto-Belisol + 3:19:36;
...141. Patrick Gretsch (Kreuzlingen/Schweiz) - Argos-Shimano + 3:27:49


Sprintwertung:
1. Peter Sagan (Slowakei) - Liquigas-Cannondale 421 Pkt.
2. André Greipel (Hürth) - Lotto-Belisol 280
3. Matthew Harley Goss (Australien) - Orica GreenEdge 268
4. Mark Cavendish (Großbritannien) - Sky 220
5. Edvald Boasson Hagen (Norwegen) - Sky 160
6. Bradley Wiggins (Großbritannien) - Sky 144

Bergwertung:
1. Thomas Voeckler (Frankreich) - Europcar 135 Pkt.
2. Fredrik Kessiakoff (Schweden) - Astana 123
3. Chris Anker Sørensen (Dänemark) - Saxo 77
4. Pierre Rolland (Frankreich) - Europcar 63
5. Alejandro Valverde (Spanien) - Movistar 51
6. Christopher Froome (Großbritannien) - Sky 48

Mannschafts-Gesamtwertung:
1. Radioshack-Nissan (Luxemburg) 263:12:01 Std.
2. Sky (Großbritannien) + 5:46 Min.
3. BMC (Schweiz) + 36:29
4. Astana (Kasachstan) + 43:22
5. Liquigas-Cannondale (Italien) + 1:04:55
6. Movistar (Spanien) + 1:08,16
 

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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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