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Tour de France : Argwohn und Zweifel um „Froomstrong“

Wegen außergewöhnlicher Leistungen Dauergast bei der Dopingkontrolle: Christopher Froome Bild: AFP

Christopher Froome macht die 100. Tour de France zur Ein-Mann-Show. Und doch bleiben Fragen - schließlich drückt der Brite so aufs Tempo, wie es vor ihm immer wieder Rennfahrer getan hatten, die danach nicht selten als Doping-Sünder entlarvt wurden.

          Manchmal braucht selbst Christopher Froome Halt. Nicht nur während des Rennens, wenn sein Zuckerhaushalt aus den Fugen gerät und das Verlangen nach Süßem ihn quält. Manchmal greift Froome auch, wenn er seine außergewöhnlichen sportlichen Auftritte erklären soll, mit beiden Händen nach dem Mikrofon. Als würde ihn das stärken und vor Unbill schützen. Er spürt ja eine Menge Gegenwind, seit Wochen schon, immer wieder sieht Froome sich in der Verteidigerrolle. Ganz anders als auf dem Rad, auf dem er sich frei zu fühlen scheint, nahezu unantastbar.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Und der Brite hält nun wahrscheinlich auch, was er versprochen hat. Er ist nur noch einen einzigen Schritt vom größten Triumph seiner Karriere entfernt, an diesem Sonntagabend, auf den beleuchteten Champs-Élysées in Paris, wird er den Thron der Tour de France besteigen, es gibt daran eigentlich keinen Zweifel. Le Tour? Nein, es ist wieder einmal „The Tour“, wie im vergangenen Jahr, als Froome schon Zweiter geworden war, hinter seinem Landsmann und Kapitän Bradley Wiggins. Die Briten erobern Frankreich, und es fällt ihnen noch nicht einmal sehr schwer.

          „Sky hat das System perfektioniert“

          Froome hat der 100. Tour schon früh den großen Reiz genommen, am ersten Gipfel in den Pyrenäen hatte er bereits seine Überlegenheit demonstriert und die Konkurrenz um Alberto Contador distanziert. Zum Leidwesen der Franzosen und des Tour-Direktors Christian Prudhomme, die sich ihre Jubiläums-Rundfahrt vermutlich abwechslungsreicher gewünscht hätten an der Spitze. Doch weit und breit war niemand in Sicht, der Froome und sein Team Sky wirklich in die Bredouille hätte bringen können.

          Der 28 Jahre alte in Kenia geborene Brite machte die Tour, von kleineren Schwächen abgesehen, zu einer Ein-Mann-Show. Als deutlich spannender erweist sich das andere Rennen, das Froome zu bestreiten hat und das zu gewinnen kaum möglich scheint für ihn. Bohrende Fragen, fast täglich: Wie kann es sein, dass ihm in den Bergen fast Flügel wachsen, dass er - bis auf wenige Ausnahmen - seinen Rivalen davoneilt, als wären sie allenfalls durchschnittlich begabte Rennfahrer? Argwohn, Zweifel - und mittendrin Froome, der Patron der Tour 2013.

          In Annecy hält Froome den Rückstand auf die Konkurrenten gering - und darf die Siegerfaust ballen
          In Annecy hält Froome den Rückstand auf die Konkurrenten gering - und darf die Siegerfaust ballen : Bild: AFP

          Sicherlich verfügt der Brite über hohe natürliche Qualitäten. Sonst könnte er nicht, sofern nicht gerade geplagt von einem flauen Gefühl im Magen, mit leichtem Tritt steile Anstiege meistern, schneller als alle anderen. Er ist der beste Fahrer der Tour, das zu zeigen, gelang ihm auch ohne das beste Team der Tour. Froome wird mit einer dezimierten Mannschaft in Paris ankommen, allerdings hatte er bis zum Schluss mit Richie Porte einen exzellenten Helfer an seiner Seite. In den Pyrenäen noch zurückgefallen, entpuppte sich der Australier später als wichtige Zugmaschine für Froome, notfalls mit einem kleinen Snack für den Chef.

          Außerdem weiß Froome beim Team Sky eine Entourage hinter sich, die sich angeblich professioneller als jedes andere Team im Peloton um ihre sportlichen Führungskräfte kümmert. Die Briten sollen, die Betreuung ihrer Profis durch Trainer oder Mediziner betreffend, den Radsport auf eine neue Stufe gehoben haben. „Sky hat dieses System perfektioniert“, sagt der Schwabe Hans-Michael Holczer, einst Eigner des Teams Gerolsteiner und jetzt Berater des russischen Profiradsports und damit auch des Teams Katjuscha. Er bezeichnet die britische Equipe, die standesgemäß mit einer Jaguar-Flotte bei der Tour unterwegs ist, als Vorbild, „mit weitem Abstand“.

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