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Tour de France : Der herbe Charme von Pau

Tour-Folklore: Die Rennfahrer werden auf den Bergetappen von Fans begleitet und angefeuert Bild: AFP

Deutsche Befindlichkeiten bei der Tour de France: Degenkolb & Co. landen trotz Millionenbudgets im Barackenlager. Die Konkurrenz schmiedet derweil schwarz-rot-goldene Pläne.

          Pau, eine Perle der Pyrenäen? Mag schon sein, die Stadt ist in jedem Fall sehr stolz auf sich, nicht zuletzt wegen ihrer Rolle im Radsport. Sie ist alljährlich ein Fixpunkt der Tour de France, das ist auch in diesem Sommer so. Die Teams logieren in Pau oder ganz in der Nähe, sie haben dort während des Intermezzos in den Pyrenäen ein festes Quartier, mehrere Tage lang. Zeit, ein wenig zu verschnaufen, das Reisen betreffend.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          „Man muss endlich mal nicht gleich wieder den Koffer packen“, sagt Simon Geschke, der für das deutsche Team Giant-Alpecin fährt. Pause vom ständigen Vagabundieren, Gelegenheit auch, so Geschkes Teamkollege John Degenkolb, „die Beine ein bisschen hochzunehmen“. Zumindest hatten die Radprofis sich das am Montag leisten können, beim ersten Ruhetag der Tour. Ruhe? Erholung nach den zurückliegenden Strapazen?

          Gar nicht so einfach, wenn man am Rande der Stadt landet wie Degenkolb und Co., wenn die Tour einem ein Quartier der unteren Kategorie zuteilt, fernab von französischem Flair. Dafür mittendrin im Trubel, direkt an einer vielbefahrenen Straße gelegen. Ein trister Ort, obwohl man auf die mächtigen Berge blicken kann. Ein Hotel mit braunem Anstrich, das wie ein Barackenensemble anmutet. Und Zimmer, die von den Rennfahrern im Handumdrehen umgestaltet wurden, damit überhaupt ein Hauch von Komfort erkennbar ist.

          Strandung in der Tristesse

          „Wir brauchen kein Schloss“, sagt der Berliner Geschke. Aber wenigstens eine Unterkunft, die den Bedürfnissen von Hochleistungssportlern gerecht wird. Jetzt zwängen sie sich zu zweit in Räume, in denen man sich kaum bewegen kann. Immerhin entstand ein bisschen Freiraum, indem die Betten um 90 Grad gedreht wurden. Und von den Schränken montierten die Fahrer Türen ab, damit sie ihre Utensilien besser verstauen konnten.

          Stützpunkt Pau: Wenigstens muss John Degenkolb nicht jeden Tag den Koffer neu packen.
          Stützpunkt Pau: Wenigstens muss John Degenkolb nicht jeden Tag den Koffer neu packen. : Bild: Augenklick/Roth

          Auf dem Linoleumboden barfuß zu gehen empfindet Geschke als unangenehm. „Der klebt, weil er so alt ist.“ Gegen den Lärm rund um die Herberge wappnet er sich mit Ohrstöpseln. Ansonsten? „Ich liege auf dem Bett, höre Musik, gucke an die Wand. Und ich versuche, mich nicht runterziehen zu lassen.“ Wenigstens funktioniert die Klimaanlage, „zum Glück“. Geschke ist überzeugt, dass „hier nicht mal eine drittklassige Fußballmannschaft absteigen würde“.

          Aber die Radrennställe, die teilweise mit Budgets von mehr als 20 Millionen Euro wirtschaften und sich als Hochglanzprodukte verstehen, können sich das bei der Tour nicht aussuchen, sie müssen nehmen, was der Veranstalter für sie gebucht hat. Pech für das Team Giant-Alpecin, dass es nun just in Pau in der Tristesse gestrandet ist. Wenigstens gibt es kulinarisch nichts zu mäkeln, dank der eigenen Köchin. „Sonst könnte man beim Essen schon mal ins Klo greifen“, sagt Geschke.

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          Messer zwischen den Rippen

          Die zweite deutsche Equipe bei der Tour, das Team Bora, hat es besser erwischt: ein Drei-Sterne-Haus in Pau. Auf dem Platz vor dem Eingang steht der Truck mit dem gläsernen Küchencontainer, ein Prunkstück des kleinen Teams aus Raubling in Oberbayern. Gästen wird gerne serviert, was auch den Rennfahrern vorgesetzt wird, Säfte auf der Basis von Spinat zum Beispiel. Teamchef Ralph Denk macht einen entspannten Eindruck, er hat schon zweimal bei der Tour den aggressivsten Fahrer gestellt; ein Tagespreis, den sich Jan Barta und Bartosz Huzarski verdient hatten.

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