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Tour de France Abschied in Gelb

25.07.2005 ·  Lance Armstrong hat zum siebten Mal die Tour de France gewonnen und damit seine Ausnahmestellung in der Radsportgeschichte ein für alle Mal unterstrichen. Jan Ullrich wurde Dritter. Den letzten Etappensieg sicherte sich Alexander Winokurow.

Von Rainer Seele, Paris
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Die Franzosen haben ihn respektiert, aber nicht geliebt. Der Amerikaner Lance Armstrong war ihnen dafür zu dominant auf ihren Straßen, bei der Tour de France, die von der Grande Nation als eine Art Heiligtum betrachtet wird. Bisweilen hatte Armstrong sogar Anfeindungen hinnehmen müssen.

Er ließ sich davon jedoch nicht abhalten, jedes Jahr wiederzukommen, und stets bewies der Texaner ungebrochenen Ehrgeiz. Im vergangenen Jahr hatte er damit einen Rekord aufgestellt, er gewann die Tour als erster Radprofi zum sechsten Mal nacheinander - am Sonntag abend nun ließ er den siebten Triumph folgen, ein perfekter Abtritt also für den 33 Jahre alten Armstrong, der seine Karriere als Berufssportler mit der Ankunft auf den Champs-Elysees in Paris beendete. Die Konkurrenz verneigte sich noch einmal vor ihm: chapeau! Jean-Marie Leblanc, der als Direktor der Tour de France nun Abschied nahm, skizzierte Armstrong schlichtweg als den „Prototyp des Leistungssportlers im 21. Jahrhundert“.

Die Tour bleibt ein Teil seines Lebens

Armstrong verließ die Bühne, auf der er jahrelang der Hauptdarsteller war, nicht ohne das Bemühen, das Verhältnis zu den Franzosen zu entkrampfen. Immer wieder betonte Armstrong, daß er Land und Leute schätze. Er parliert, im Gegensatz zum Beispiel zu seinem deutschen Rivalen Jan Ullrich, der Armstrong nie bezwingen konnte, französisch. Er wird nun auch, da er vom Rad endgültig befreit ist, mit seiner Freundin, der Rocksängerin Sheryl Crow, mit seinen drei Kindern und mit Freunden Urlaub in Südfrankreich machen.

Für Armstrong bedeutet der Sonntag schließlich auch keine Abkehr von Frankreich, er kommt wieder, die Tour wird ein Teil seines Lebens bleiben. An seine Mannschaft Discovery Channel ist er über dieses Jahr hinaus vertraglich gebunden. Armstrong möchte ihr in beratender Funktion helfen, auch in Zukunft erfolgreich zu sein. Er will dazu beitragen, möglichst einen amerikanischen Nachfolger zu finden, auf daß das Interesse in den Vereinigten Staaten am Radsport, das vor allem er förderte, nicht nachlasse.

Hollywoodreif

Der Werdegang Armstrongs, für den die Farbe Gelb zu einem Markenzeichen wurde, mutet hollywoodreif an. Es ist die Geschichte eines Mannes, der viele Klippen meisterte, der eine Krebserkrankung besiegte und mit eisernem Willen zum uneingeschränkten Herrscher des Pelotons aufstieg. Für Armstrong, der in schwierigen Verhältnissen aufwuchs und seinen Vater in seiner Biographie nur als „DNA-Spender“ bezeichnet, stellte der Sport ein Mittel dar, sich zu beweisen. Armstrong betrieb ihn bis zuletzt mit Besessenheit, keiner seiner Rivalen schien härter gegen sich selbst und gegen andere zu sein als der Perfektionist aus Austin.

In seinem Team wurde alles dem Ziel untergeordnet, Armstrong bei der Tour de France auf den Gipfel zu heben. Er bewegte sich meisterhaft in dünner Luft, er machte die Frankreich-Rundfahrt zu einer „Tour de Lance“ - und er hatte dabei doch auch die Zweifel als ständige Begleiter. Immer wieder wurden Dopingverdächtigungen gegen ihn erhoben, nicht zuletzt in einem vermeintlichen Enthüllungsbuch mit dem Titel „L.A. Confidential“. Der Amerikaner kämpfte juristisch gegen dieses Werk und behauptete, nie verbotene Substanzen zur Steigerung seiner Form eingenommen zu haben. Keiner der Vorwürfe war zu beweisen. Bis zum Adieu.

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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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